Studie: Diabetes-Mittel schützt vor Nierenversagen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Canagliflozin hilft nicht nur bei Diabetes

Bei einer aktuellen Studie wurde festgestellt, dass ein häufig verwendetes Medikament gegen Diabetes das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme senkt. Der Befund hat für einige Diskussionen gesorgt, da Diabetes weltweit eigentlich eine der Hauptursachen für Nierenversagen ist.


Bei einer Untersuchung konnte jetzt festgestellt werden, dass ein typisches Medikament zur Behandlung von Diabetes das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen senkt. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „New England Journal of Medicine“ publiziert.

Menschen mit Diabetes nutzen spezielle Medikamente zur Behandlung. Ein häufig verwendetes Medikament schützt nicht nur vor Diabetes sondern auch vor Nierenversagen. (Bild: interstid/fotolia.com)

Neuer Arzneimittelantrag für Canagliflozin wurde bereits gestellt

Wenn Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen während der Studie eine tägliche Dosis des Medikaments Canagliflozin einnahmen, führte dies zu einer Senkung des Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Probleme. Es wurde vom Hersteller bereits im März ein ergänzender neuer Arzneimittelantrag für Canagliflozin zur Eintragung der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) eingereicht. Dieser umfasst den Einsatz des Arzneimittels zur Senkung des Risikos einer Niereninsuffizienz im Endstadium und des Nieren- oder Herz-Kreislauf-Todes bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung.

Daten von mehr als 4.400 Probanden wurden ausgewertet

Die Studie umfasste 4.401 Patienten im Alter von 30 und mehr Jahren mit Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung. Diesen Patienten wurde von März 2014 bis zum Mai 2017 an 690 Standorten in 34 Ländern nach dem Zufallsprinzip entweder Canagliflozin oder ein Placebo verabreicht. Die Teilnehmenden wurden jeweils nach drei, 13 und 26 Wochen genau untersucht, um die Wirkung des Arzneimittels zu überwachen. Bei den Canagliflozin einnehmenden Teilnehmenden konnte das relative Sterberisiko aus renalen Gründen um 34 Prozent und das relative Risiko für eine Nierenerkrankung im Endstadium um 32 Prozent reduziert werden. Diese Menschen hatten auch ein niedrigeres Risiko für den Tod durch Probleme mit Herz und Kreislauf wie einen Herzinfarkt, Schlaganfall und Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz.

Hat das Medikament auch negative Nebenwirkungen?

Basierend auf den Daten der Studie schätzten die Forschenden, dass die Behandlung mit Canagliflozin 22 Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz und zusammengefasst 25 Ereignisse von kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall bei 1.000 Patienten verhindern würde. In Bezug auf schädliche Auswirkungen wurde festgestellt, dass Canagliflozin als Nebenwirkung das Risiko einer Amputation der unteren Extremitäten erhöht. Die Forschenden fanden jedoch keinen signifikanten Unterschied im Risiko einer Amputation der unteren Extremitäten zwischen den beiden Gruppen von Teilnehmenden in der Studie. Die Rate der Knochenbrüche, eine andere bekannte Nebenwirkung von Canagliflozin, war der Studie zufolge in beiden Gruppen sehr ähnlich. Die Untersuchung zeigte auch, dass das Risiko für sogenannte diabetische Ketoazidose (DKA), ein lebensbedrohliches Problem, bei dem der Körper beginnt, Fett mit einer ungesunden schnellen Rate abzubauen, insgesamt gering – in der Canagliflozin-Gruppe jedoch höher war.

Weitere Forschung ist nötig

Um festzustellen, ob die Ergebnisse der Studie auf andere Arten von Nierenerkrankungen verallgemeinert werden könnten, ist jetzt weitere Forschung erforderlich. Canagliflozin, ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, gehört zu einer Klasse von Medikamenten, die als Natrium-Glucose-Cotransporter-2 oder SGLT2-Hemmer bezeichnet werden. Sie senken den Blutzucker, indem sie die Nieren dazu bringen, den Zucker durch Urin aus dem Körper zu entfernen. Bei dieser ganzen Klasse von Medikamenten muss wirklich darüber nachgedacht werden, wie sie aufgrund der Vorteile für das Herz und die Nieren eingesetzt werden können. Die in der neuen Studie beschriebenen Vorteile für Herz und Niere übertreffen die Vorteile der bloßen Blutzuckersenkung. Es ist immer noch unklar, was die Mechanismen sind, die diese Vorgänge an Herz- und Nieren bewirken, sie sind offensichtlich nicht allein auf die Senkung des Blutzuckerspiegels zurückzuführen. Diese Studie wurde für Personen mit diabetischer Nierenerkrankung entwickelt und ist hier das erste Beispiel für eine Senkung des Risikos für Nierenversagen sowie verbesserte kardiovaskuläre Ergebnisse. (as)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.