Die Welt greift zur Flasche: Globaler Alkoholkonsum um 70 Prozent gestiegen

Alkohol: Deutschland liegt weit über dem globalen Durchschnitt

Seit dem Jahr 1990 ist der globale Alkoholkonsum weltweit um 70 Prozent gestiegen. Insbesondere in Ländern mit mittleren Einkommen wie China und Indien ist der Alkoholkonsum in den letzten 30 Jahren viel populärer geworden. Aktuell liegt der weltweite Durchschnitt bei 6,5 Litern reinen Alkohol pro Kopf. Dieser wird laut Prognosen bis 2030 auf 7,6 Liter ansteigen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Alkoholkonsum in Deutschland liegt bei 12 Litern reinen Alkohol pro Kopf – fast doppelt so hoch wie der weltweite Schnitt.


Die Daten entstammen aus der bislang größten Studie zum weltweiten Alkoholkonsum. Eine internationale Forschungsgruppe beleuchtete den Alkoholkonsum in 195 Ländern von 1990 bis 2016. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Die Technische Universität Dresden lieferte nun eine Prognose bis zum Jahr 2030.

Alkohol ist beliebter denn je, zeigt die derzeit größte Untersuchung zu dem Thema, die den Alkoholkonsum pro Kopf in 195 Ländern beleuchtete. (Bild: Olesia Bilkei/fotolia.com)

Internationale Ziele zur Alkoholreduktion werden weit verfehlt

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich zum Ziel gesetzt, den globalen Alkoholkonsum bis zum Jahr 2025 um zehn Prozent zu reduzieren. Stattdessen wird der Konsum aber um rund 15 Prozent ansteigen, prognostizierte das Team um Professor Jürgen Rehm, Leiter der Epidemiologischen Forschungsgruppe Sucht.

Wer trinkt wie viel?

Der aktuelle Weltdurchschnitt lag im Jahr 2016 bei 6,5 Litern reinem Alkohol pro Kopf. Das entspricht rund einer Flasche Bier (0,33 Liter) täglich. In Deutschland liegt der Durchschnitt laut der TU Dresden bei mindestens 12 Litern pro Kopf, also knapp zwei Flaschen Bier täglich. Da es sich bei den Zahlen aber um einen Pro-Kopf-Konsum handelt, ist der tatsächliche Konsum der einzelnen Personen wesentlich höher, denn laut der Studie trinken rund 53 Prozent der Weltbevölkerung gar keinen Alkohol und ein großer Teil nur gelegentlich. Außerdem kommt hinzu, dass zwei Drittel des Alkohols von Männern getrunken wird. Somit geht ein Großteil des Gesamtkonsums auf das Konto von männlichen Gewohnheitstrinkern. Die Anzahl derjenigen, die ein Leben lang abstinent geblieben sind, ist laut der Studie von 46 auf 43 Prozent gesunken. Die niedrigsten Alkoholraten weltweit waren im Nahen Osten und in Nordafrika zu verzeichnen.

In aufstrebenden Ländern wird zunehmend Alkohol konsumiert

In Deutschland ist der Alkoholkonsum innerhalb der letzten Jahrzehnte relativ stabil geblieben – auf hohem Niveau. In Europa konnte sogar ein leichter Abwärtstrend verzeichnet werden. Verantwortlich für den erhöhten weltweiten Konsum sind in erster Linie aufstrebende Länder mit mittleren Einkommen wie Indien, China und Vietnam. „Die Vorhersagen waren deutlich höher als erwartet“, erläutert Professor Rehm in einer Pressemitteilung zu der Studie.

Alkohol begünstigt 200 Krankheiten

Wie die Forschenden betonen, ist Alkohol ein bedeutender gesundheitlicher Risikofaktor und wird mit über 200 Krankheiten und Verletzungen in Zusammenhang gebracht. Unter anderem begünstigt Alkohol

  • Herzkrankheiten wie Vorhofflimmern und Herzflattern, Schlaganfall, hypertensive Herzkrankheit, ischämische Herzkrankheit und alkoholische Kardiomyopathie;
  • Krebs in Brust, Darm, Leber, Speiseröhre, Kehlkopf, Lippe, Mundhöhle oder Nase;
  • Leberzirrhose;
  • Diabetes;
  • Epilepsie;
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis);
  • Infektionen der Atemwege und Tuberkulose;
  • Zwischenmenschliche Gewalt und Selbstverletzung;
  • Vergiftung;
  • Unfälle wie Verkehrsunfälle oder Ertrinken.

Gehen wir zu lasch mit Alkohol um?

„Wir brauchen eine effektive Alkoholpolitik, insbesondere in Ländern, die sich schnell entwickeln und einen wachsenden Alkoholkonsum aufweisen“, fordert Professor Jürgen Rehm. Um den Alkoholkonsum zu begrenzen, seien beispielsweise eine höhere Besteuerung, eine Einschränkung der Verfügbarkeit sowie Werbeverbote von Nöten. (vb)