Eine Thrombose kann auch auf eine Krebserkrankung hinweisen

Alfred Domke

Lungenembolie durch Thrombose: Eine der häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten

Gesundheitsexperten zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr hunderttausende Menschen an einer Thrombose. Bleibt diese unbehandelt, kann sie unter anderem eine Lungenembolie zur Folge haben, die mitunter tödlich endet. Was vielen Menschen nicht bekannt ist: eine Thrombose kann auch auf eine Tumorerkrankung hinweisen.


Wechselseitige Beziehung von Tumorerkrankungen und Thrombosen

Schon die Diagnose Krebs ist für alle Betroffenen ein Schicksalsschlag, die Therapie ist enorm aufwendig. Damit nicht genug: durch die Tumorerkrankung steigt auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Zudem entwickeln 20 Prozent der Krebspatienten im Laufe ihrer Erkrankung zusätzlich eine Thrombose. Die Beziehung von Tumorerkrankungen und Thrombosen ist allerdings wechselseitig: denn auch bei 20 Prozent aller Thrombosefälle wird hierüber eine Tumorerkrankung entdeckt.

Eine Thrombose kann ein Hinweis auf eine Tumorerkrankung sein. Gesundheitsexperten zufolge ist deren Folgeerkrankung, die Lungenembolie eine der häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten. (Bild: tibanna79/fotolia.com)

Hohes Lebensalter als Hauptrisikofaktor

Das Lebensalter ist der Hauptrisikofaktor für eine Thrombose. Dabei bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus), welches ein Gefäß verengen oder vollständig verstopfen kann.

Wenn dieses Gerinnsel bis in die Lunge geschwemmt wird, kann es eine Lungenembolie verursachen, welche häufig tödlich verläuft.

Laut Gesundheitsexperten steige die Gefahr ab einem Alter von 60 Jahren deutlich an.

Auch Personen mit Krampfadern, einer Lungen- oder Herzkrankheit sowie Raucher, Übergewichtige und Frauen, die bestimmte Antibabypillen einnehmen, haben ein erhöhtes Thromboserisiko.

Erster Hinweis auf einen Tumor

Auch bei Krebserkrankungen erhöht sich die Gefahr für eine Thrombose. Wie das Aktionsbündnis Thrombose in einer Mitteilung zum Welt-Thrombose-Tag erklärt, verbirgt sich hinter rund 20 Prozent aller Thrombosefälle eine Tumorerkrankung.

Prof. Rupert Bauersachs, Angiologe und Leiter des Aktionsbündnisses Thrombose, appelliert daher: „Personen über 50 Jahren, die ein thromboembolisches Ereignis ohne Auslöser erleiden, bedürfen einer intensiveren Anamnese und sollten unbedingt entsprechende Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen.“

Laut dem Experten sind hier besonders die Hausärzte, Angiologen und Phlebologen gefragt, „also diejenigen, die in der Regel als Erste die Patienten zu Gesicht bekommen.“

In der Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V., die vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) veröffentlicht wurde, wird auch erklärt, warum die Thrombosegefahr bei Krebs erhöht ist:

Ein Tumorleiden steigert demnach die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Das heißt, das Blut gerinnt schneller. Je aggressiver das Tumorwachstum, desto höher ist das Thromboserisiko.

Aus diesem Grund gelten die tiefe Beinvenenthrombose und die oberflächliche Venenthrombose oft auch als erster Hinweis auf einen Tumor.

Lebensgefährliche Folgen

Eine unentdeckte Thrombose wird schnell zur Lebensgefahr. „Deren Folgeerkrankung, die Lungenembolie ist eine der häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten“, erklärt Prof. Hanno Riess, Onkologe und Hämatologe aus der Berliner Charité.

Weil oft mehrere starke Risikofaktoren wie Operation, Bettlägerigkeit, Chemotherapie, Bestrahlung oder Infektionen vorliegen, ist die Thromboseprophylaxe weniger effektiv.

Das Aktionsbündnis Thrombose fordert daher eine besondere Sensibilität bei diesen Patienten.

Behandlung muss sich an den Leitlinien orientieren

„Die Thrombosetherapie eines onkologischen Patienten ist eine individuelle Entscheidung des behandelnden Arztes nach Rücksprache mit dem Patienten“, so Prof. Rupert Bauersachs.

„Eine gewichtige Rolle spielen dabei die Art des Tumors sowie der Behandlung, das Blutungsrisiko und die Unterscheidung zwischen stabilem und instabilem Zustand.“

Das Aktionsbündnis Thrombose macht sich stark für ein einheitliches und interdisziplinäres Therapieschema für Krebspatienten, die an Thrombose oder Lungenembolie leiden.

Dass es in den meisten Kliniken kein einheitliches Therapieregime gibt, schlage sich in den Unterschieden in den Entlassbriefen nieder. Die Folgen unzureichender Prophylaxe oder Therapie können laut den Experten verheerend sein.

Aktionstag trägt zur Aufklärung bei

Am 13. Oktober ist Welt-Thrombose-Tag. An diesem von der Internationalen Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (ISTH) ausgerufenen Tag geht es darum, weltweit auf die Thrombose und Lungenembolie aufmerksam zu machen.

Das Aktionsbündnis Thrombose ist der offizielle Partner der ISTH in Deutschland.

„Viele Menschen unterschätzen das Risiko einer Thrombose“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der die Aktivitäten des Aktionsbündnis Thrombose unterstützt.

„Deshalb ist mehr Aufklärung über Entstehung und Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie sehr wichtig.“

Den Experten zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr über 40.000 Menschen an den Folgen einer Lungenembolie. Das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Brust- und Prostatakrebs und HIV zusammen.

Häufigste Ursache dafür ist eine Thrombose. Diese kann Menschen jeden Alters treffen. Jährlich werden knapp über 370.000 Neuerkrankungen an Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis registriert. Rund 50.000 Menschen erkranken pro Jahr an einer Lungenembolie. (ad)