Hohes Thrombose-Risiko bei Antibabypillen – auch von Ärzten häufig vernachlässigt

Alfred Domke

Unnötige Gefährdung: Ärzte verordnen oft Antibabypillen mit hohem Thrombose-Risiko

Es ist schon länger bekannt, dass die Einnahme der Antibabypille mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen kann. Unter anderem wird durch manche Präparate das Risiko für Thrombosen und Embolien erhöht. Dennoch verordnen Ärzte solche Medikamente noch immer viel zu oft.


Medikament mit Nebenwirkungen

Schnell, sicher und bequem: Nach wie vor greifen viele Frauen auf hormonelle Verhütungsmethoden zurück. Kein Wunder – sorgt die Antibabypille bei richtiger Einnahme und Anwendung normalerweise für zuverlässigen Schutz und sexuelle Freiheit. Die Einnahme des Medikaments ist allerdings mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. So kann es dadurch unter anderem zu Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen kommen. Bekannt ist zudem, dass durch moderne Antibabypillen ein hohes Thrombose-Risiko droht. Dennoch werden solche Arzneien von Ärzten noch immer sehr häufig verschrieben.

Laut der Krankenkasse AOK wird über 50 Prozent aller Hessinnen unter 20 Jahren von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt eine „Antibabypille“ verordnet, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Thrombosen oder Embolien auslöst. (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Präparate mit einem geringeren Risiko für die Bildung von Thrombosen

Wie die AOK Hessen auf ihrer Webseite berichtet, wird 53,3 Prozent der Hessinnen unter 20 Jahren von ihren Ärzten eine „Antibabypille“ verordnet, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Thrombosen oder Embolien auslöst.

Die Krankenkasse weist jedoch auch darauf hin, dass diese Quote im Jahr 2012 noch bei über 67 Prozent lag.

Bereits seit dem Jahr 2014 gibt es die Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass Ärzte insbesondere jungen Frauen, die das erste Mal die Pille einnehmen, Präparate mit einem geringeren Risiko für die Bildung von Thrombosen und Embolien verschreiben sollen.

„Gerade bei jungen Erstanwenderinnen sollte man auf Arzneimittel setzen, zu deren Sicherheit Langzeitstudien vorhanden sind. Diese Botschaft kommt offenbar langsam, aber sicher in der Praxis an“, so die Leiterin des medizinischen Kompetenz-Centers der AOK Hessen, Dr. Angelas Smith.

Gleichzeitig sei hier aber noch „viel Luft nach oben“, meint die Allgemeinmedizinerin.

Tödliche Gefahr

Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) – meist in tiefen Bein- oder Beckenvenen. Dieses Blutgerinnsel verengt oder verstopft das Gefäß, was zu schweren Folgeschäden führen kann.

Lösen sich zum Beispiel Teile des Blutgerinnsels und gelangen in die Lunge, kann dies eine Lungenembolie verursachen.

Eine unentdeckte Thrombose wird schnell zur Lebensgefahr. Jedes Jahr sterben allein in Deutschland schätzungsweise 100.000 Menschen infolge von Venen-Thrombosen.

Bei Anzeichen einer Thrombose umgehend Notdienst rufen

Laut der AOK sollten Frauen, die die Pille einnehmen, auf typische Anzeichen einer Thrombose achten und umgehend einen Arzt oder den Notdienst anrufen, wenn sie diese erkennen, bei Verdacht auf eine Lungenembolie am besten gleich die 112.

Symptome einer tiefen Beinvenenthrombose sind starke Schmerzen im Bein, ein geschwollenes Bein sowie ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein.

Eine höhere Hauttemperatur sowie eine bläulich-rote Verfärbung oder ein Glänzen der Haut am Bein können ebenfalls auf eine Thrombose hindeuten.

Symptome einer Lungenembolie sind plötzliche Atembeschwerden oder Atemnot, atemabhängige Brustschmerzen, Herzrasen und unerklärlicher Husten. (ad)