Endometriose: Wenn die Gebärmutter zum Gesundheitsrisiko wird

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Unfruchtbarkeit durch Endometriose ist oft unnötig

Etwa jede zehnte Frau leidet unter Endometriose – die Dunkelziffer ist hoch. Die Krankheit wird nur selten in einem frühen Stadium diagnostiziert, da sie lange Zeit nur unspezifische Symptome hervorruft. Bei einer Endometriose dringt die Gebärmutterschleimhaut in Bereiche außerhalb des Bauchraumes vor und verursacht dort lokale entzündliche Veränderungen, die zur Unfruchtbarkeit führen können. Österreichische Gynäkologie-Experten klären über diese oft übersehene Erkrankung auf.


Professor Dr. Kazem Nouri ist Gynäkologe in Österreich. Er hat mit weiteren Kolleginnen und Kollegen kürzlich die Gruppe „BEI“ gegründet, die das Bewusstsein für Endometriose und Unfruchtbarkeit schärfen möchte. Zu oft bleibt eine Endometriose unerkannt, warnen die Experten. Bis es zu einer Diagnose kommt, dauere es zur Zeit durchschnittlich sieben bis neun Jahre. Dabei kann die Erkrankung gut behandelt und eine Infertilität verhindert werden, wenn eine Endometriose früh erkannt wird.

Unfruchtbarkeit durch Endometriose kommt häufig vor, ist oft aber unnötig und vermeidbar. Die hier beschriebenen Symptome sollten nicht unbeachtet bleiben, damit die Krankheit früh erkannt werden kann. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Starke Menstruationsschmerzen können auf Endometriose hinweisen

„Viele Frauen haben bei der Menstruation starke Regelschmerzen, verbinden dies aber überhaupt nicht mit Endometriose“, berichtet Professor Nouri in einer Pressemitteilung der MedUni Wien. Ein Großteil der betroffenen Frauen leidet dabei unnötigerweise über viele Jahre hinweg, betont der Gynäkologe. Ständige Unterleibsschmerzen sowie Schmerzen beim Sex seien weitere Hinweise auf diese Erkrankung.

So lässt sich eine Endometriose frühzeitig erkennen

„Endometriose ist eine Erkrankung, die oft unerkannt ist oder mit großer Verzögerung diagnostiziert wird, die aber gut behandelt werden kann“ ergänzt Beata Seeber, die Leiterin des Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Innsbruck, die ebenfalls die Aktion „BEI“ unterstützt. Einen ersten Hinweis auf eine vorliegende Endometriose erhalte man bereits durch eine Ultraschall-Untersuchung. Hier werden eventuell vorliegende Endometriose-Zysten sichtbar. Eine Bauchspiegelung könne dann die Herde lokalisieren und gegebenenfalls entfernen.

Jedes vierte Paar ist ungewollt kinderlos

„Jedes vierte Paar in Österreich ist ungewollt kinderlos – auch aufgrund von Endometriose“, erläutert René Wenzl, der Leiter des Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Wien. Bei frühzeitiger Diagnose sei dies einfach nicht nötig. Weitere Faktoren, die die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen, seien Rauchen, Alkoholkonsum oder Übergewicht. Auch das Alter der Frau spiele eine Große Rolle. „Ab dem 42. Lebensjahr liegt für Frauen die Wahrscheinlichkeit, ein Kind auf die Welt zu bringen, unter fünf Prozent“, erklärt Professor Nouri. Dies gelte auch für die künstliche Befruchtung. Hier stoßen die Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin auf eine naturgesetzte Grenze. (vb)