Macht das Landleben dick?

Durchschnittlich fünf bis sechs Kilogramm Gewichtszunahme pro Person

Eine internationale Studie, welche im „Nature Journal“ veröffentlicht wurde, konnte feststellen, dass Erwachsene weltweit seit 1985 durchschnittlich fünf bis sechs Kilogramm an Gewicht zugelegt haben. Hierbei ist aufgefallen, dass Personen aus ländlichen Gebieten auffallend oft davon betroffen sind. Zudem konnten Korrelation zwischen Einkommen, Wohnraum und Gewichtszunahme erkannt werden.


Neben der Erkenntnis, dass die Bevölkerung in ländlichen Gebieten stärker zugenommen hat, als in städtischen Gebieten, konnte festgestellt werden, dass die Personen mit einem niedrigen bis mittleren finanziellem Auskommen bis zu 60 Prozent häufiger davon betroffen waren, als Personen mit einem höheren Einkommen. Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanno Ulmer von der Medizinischen Universität Innsbruck hat zusammenfassend gesagt, dass Industrieländer wie Australien, die USA, Schweden, Österreich, Irland und Tschechien ein besonders starkes Gefälle bei der Gewichtszunahme zwischen ländlichen und urbanen Gebieten aufweisen. Basis für diese Untersuchungen waren Gesundheitsdaten, sowie Größen- und Gewichtsdaten, welche vom Vorarlberger Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin und „Bruneck-Studie“ erhoben wurden.

Das richtige Gewicht und ein BMI im Normalbereich sind die Basis für ein gesundes Leben. (Bild: karepa/fotolia.com)

Während Bewohner in Städten Mitte der 80er Jahre noch dicker waren, als in ländlichen Gebieten, hat sich die Differenz im Laufe der Jahre ins Gegenteil umgeschlagen. Zu erwähnen ist hierbei, dass Männer im Allgemeinen, unabhängig von Ihrem Wohnort, stärker zugenommen haben als Frauen.

In einer weiteren internationalen Studie, welche von Professor Majid Ezzati vom Londoner Imperial College geleitet wurde, haben über 1000 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Daten von über 100 Millionen Erwachsenen aus über 200 Ländern untersucht und ausgewertet. Bei der Auswertung der großen Datenmengen kam das „Bayes Modell“ zum Einsatz, welches aufgrund des angewandten Algorithmus, auch bei geringen Datenmengen aussagekräftige Ergebnisse liefert. Die Forschenden um Professor Ezzati kam zu dem Schluss, dass im Rahmen von gesundheitspolitischen Diskussionen der Fokus zu oft auf die negativen Gesichtspunkte des urbanen Lebens gelenkt werde, obwohl den Menschen dort vielfältigere Möglichkeiten für ein gesünderes und aktiveres Leben geboten werden, als in ländlichen Regionen.

Langes Leben auf dem Land

Eine andere Studie aus dem Jahre 2018 hatte festgestellt, dass Leute in ländlichen Regionen länger leben, was nicht zuletzt auf gesündere Lebensmitteln zurückgeführt wurde. Menschen konsumierten hier mehr selbst angebaute Kartoffeln, Vollkornprodukte, selbst angepflanztes Gemüse, frisch gefangenen Fisch und Milch von eigenen Kühen. Mehr zu diesem Thema finden Sie in diesem Beitrag.

Normaler BMI als Basis für ein längeres Leben

Mediziner der „London School of Hygiene & Tropical Medicine“ stellten in einer anderen, in der Fachzeitschrift „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ veröffentlichten Studie fest, dass Erwachsene über 40 Jahre ein niedrigeres Risiko haben, an Erkrankungen zu sterben. Parallel konnte festgestellt werden, dass Menschen mit einem BMI ober- und unterhalb des Normalbereiches eher kürzer Leben. Sie befinden sich im Normalbereich, wenn Ihr BMI zwischen 18,5 und 25 liegt. Da die Erhebung des BMI sehr einfach ist und das Verhältnis von Größe und Gewicht bewertet, vertreten viele Mediziner die Meinung, dass es sich um die beste Methode handelt, um festzustellen, ob sie an einer möglichen Adipositas leiden.

Kritik am Body-Mass-Index

Die Autorin und Verhaltenstherapeutin Dr. Nadja Hermann behandelt das Thema BMI in Ihrem Buch „Fettlogik überwinden“ jedoch durchaus kritisch. Sie bemängelt, dass der Body-Mass-Index nicht mehr zeitgemäß sei und einer Zeit entstamme, in der man nicht zwischen Muskeln und Fett unterschieden hat. Infolgedessen werden z.B. Menschen mit einem hohen Muskelanteil zu kritisch beurteilt und als übergewichtig bewertet, obwohl Sie wenig Fettmasse haben. Mehr zu den Ansichten von Dr. Hermann finden Sie in diesem Beitrag.

Übergewicht ist ein absolutes Gesundheitsrisiko

Übergewichtige leiden oftmals nicht nur an einer eingeschränkten Beweglichkeit, sie setzen sich auch dem Risiko aus, an Bluthochdruck, Koronarer Herzkrankheit, Arteriosklerose, Diabetes und Krebs zu erkranken. Insofern ist es absolut empfehlenswert, ein gesundes Gewicht anzustreben und abzunehmen. Überwinden Sie den Bewegungsmuffel in sich und ändern Sie Ihre Ernährungsweise. Sollten Ihnen dies Probleme bereiten, weil Sie einen gesunden Appetit haben, helfen Ihnen einige Lebensmittel dabei, Ihrem lästigen Heißhunger keine Chance zu lassen. (oo)