Erhöhte Blutfettwerte: Risiko für Nierenschäden und Gefäßerkrankungen

Hohe Blutfettwerte können Entzündungen im Körper auslösen und Nieren und Gefäße schädigen. Behandelt werden können die erhöhten Blutfette unter anderem mit einer ausgewogenen Ernährung wie sie etwa die mediterrane Küche bietet. (Bild: aamulya/stock.adobe.com)

Erhöhte Blutfette können Entzündungen auslösen und Nieren und Gefäße schädigen

Es ist schon länger bekannt, dass bestimmte Blutfette Entzündungen im Körper verursachen können. In einer Studie wurde nun nachgewiesen, dass Menschen, bei denen diese Blutfettwerte erhöht sind, ein größeres Risiko haben, durch Nierenschäden oder Gefäßerkrankungen frühzeitig zu sterben.

Auch wenn man hohe Blutfettwerte nicht spürt, sind sie trotzdem gefährlich. Sie können unter anderem Entzündungen im Körper auslösen, Nieren und Gefäße schädigen und Arteriosklerose (Arterienverkalkung) begünstigen. Personen, bei denen bestimmte Blutfettwerte erhöht sind, haben ein größeres Risiko, durch Nierenschäden oder Gefäßerkrankungen frühzeitig zu versterben. Das zeigt eine Studie eines internationalen Forschungsteams um Dr. Timo Speer von der Universität des Saarlandes.

Körpereigene Abwehr wird auf schädliche Weise mobilisiert

Laut einer Mitteilung der Universität konnte das Team auf molekularer Ebene aufzeigen, wie Blutfette in Körperzellen wirken und die körpereigene Abwehr auf schädliche Weise mobilisieren. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im renommierten Fachmagazin „Nature Immunology“ veröffentlicht.

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimieren

Zu den Blutfetten (Lipiden) zählen unter anderem LDL- (low density lipoprotein) und HDL-Cholesterin (high density lipoprotein) sowie Triglyceride. Die Cholesterin-Werte haben Ärztinnen und Ärzte schon länger im Blick, wenn es um die Frage geht, wie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimiert werden kann. Aber es gibt auch noch andere Blutfette, denen eine schädliche Wirkung zugesprochen wird.

„Wir haben uns mit einer bestimmten Gruppe, den so genannten Triglyzeriden, beschäftigt. Wir konnten zeigen, dass diese körpereigene Substanz in einer erhöhten Konzentration die Abwehrzellen so verändert, dass der Körper ähnlich wie bei einer bakteriellen Infektion reagiert“, so Speer, promovierter Mediziner und Biologe an der Universität des Saarlandes.

„Es entstehen Entzündungen, die im chronischen Verlauf die Nieren schädigen können oder zu einer Arterienverkalkung führen. Diese wiederum ist eine der Hauptursachen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall“, erklärt der Fachmann.

Wesentlich höhere Sterblichkeitsrate

In der breit angelegten Studie konnte gezeigt werden, dass Patientinnen und Patienten, die erhöhte Triglyzeride im Blut aufwiesen, eine wesentlich höhere Sterblichkeitsrate haben als Vergleichsgruppen mit ähnlichen Vorerkrankungen.

„Im Umkehrschluss lässt sich sagen, dass Risikopatienten, die zum Beispiel an Diabetes erkrankt sind oder einen zu hohen Blutdruck aufweisen, durch eine fettarme Diät ihre Lebenserwartung deutlich verlängern können“, erläutert Timo Speer. Den Angabe zufolge steigen die Triglyzerid-Werte im Blut signifikant an, wenn man sich zu fettreich ernährt.

„Durch biochemische Veränderungen entwickeln die Blutfette dann toxische Eigenschaften, die das angeborene Immunsystem aktivieren. Dieses setzt dabei selbstzerstörische Prozesse in Gang, die unter anderem die Gefäßwände angreifen und die Blutbahnen verstopfen“, erklärt der Mediziner.

Damit sei der Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungen, die durch erhöhte Werte dieser speziellen Blutfette ausgelöst werden, und Folgeerkrankungen wie Nierenversagen oder Herzinfarkten eindeutig belegt worden. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse zu neuen Strategien bei der Behandlung und Prophylaxe dieser lebensverkürzenden Erkrankungen verhelfen“, so Speer.

Erhöhte Blutfettwerte behandeln

Auf dem Online-Verbraucherportal „VIS Bayern” des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz wird erklärt, wie erhöhte Blutfettwerte behandelt werden, und zwar mit einer vollwertigen Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Entspannung. Wenn das erfolglos bleibt, kann eine medikamentöse Behandlung notwendig werden.

Für die Ernährungsempfehlungen gelten als Basis die „10 Regeln für eine vollwertige Ernährung“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die mediterrane Ernährung gilt ebenfalls als gesundheitsfördernd. Menge und Art der Fette in den Speisen sind ein zentraler Ansatzpunkt.

Laut „VIS Bayern“ lassen sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen folgende Empfehlungen ableiten:

Die Fachleute erläutern auch, wie die Empfehlungen umgesetzt werden können:

Darüber hinaus wird empfohlen, Filterkaffee zu bevorzugen, denn aufgebrühter oder aufgekochter Kaffee, beispielsweise mit der Press-Stempelkanne oder als Mokka zubereitet, kann das LDL-Cholesterin erhöhen. Auf Espresso trifft dies nicht zu. Das Körpergewicht sollte stabil gehalten beziehungsweise gesenkt werden. Und das Rauchen sollte aufgegeben werden. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Universität des Saarlandes: „Nature Immunology“: Wie erhöhte Blutfette Entzündungen auslösen und Nieren und Gefäße schädigen, (Abruf: 11.12.2019), Universität des Saarlandes
  • Nature Immunology: Apolipoprotein C3 induces inflammation and organ damage by alternative inflammasome activation, (Abruf: 11.12.2019), Nature Immunology
  • Online-Verbraucherportal „VIS Bayern“ der Bayerischen Staatsregierung: Vollwertig essen bei erhöhten Blutfettwerten, (Abruf: 11.12.2019), VIS Bayern
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE, (Abruf: 11.12.2019), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.