Erholt sich unser Darmmikrobiom wieder nach der Verwendung von Antibiotika?

Alexander Stindt

Wie wirken sich Antibiotika auf Bakterien im Darm aus?

Wenn Menschen Antibiotika nutzen, führt dies zu einer Veränderung der Bakterien in ihrem Darm. Ist eine solche Veränderung umkehrbar oder sind die Auswirkungen nicht mehr rückgängig zu machen? Forscher fanden jetzt heraus, dass unser Darmmikrobiom sich nach der Verwendung von Antibiotika wieder erholt, allerdings dauert dieser Vorgang etwa sechs Monate.


Die Wissenschaftler der University of Copenhagen stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass sich das Darmmikrobiom nach der Verwendung von Antibiotika wieder erholt und nach etwa sechs Monaten wieder fast in seinen normalen Zustand zurückkehrt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature Microbiology“.

Zwar helfen uns Antibiotika heutzutage bei vielen früher lebensbedrohlichen Infektionen, die Darmflora jedoch leidet beträchtlich unter diesen Medikamenten. Regenerieren sich die Bakterien im Darm nach dem Einsatz von Antibiotika wieder? (Bild:Gundolf Renze/fotolia.com)

Darmmikrobiom spielt wichtige Rolle für die Gesundheit

Wir verstehen immer noch nicht komplett die wichtige und komplexe Rolle, welche das Darmmikrobiom für die menschliche Gesundheit spielt, obwohl wir wissen, dass die Billionen von Bakterien im menschlichen Körper unsere Immunfunktion und Verdauung beeinflussen. Besonders interessant ist, wie Antibiotika das Darmmikrobiom beeinflussen und wie gut dieses sich nach der Behandlung wieder erholen kann, sagen die Experten.

Einige Bakterien konnten sich nicht regenerieren

Bei ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Bakterien im Darm nach einer Behandlung mit Breitspektrumantibiotika wieder erholen. Sie stellten bei zwölf männlichen Probanden fest, dass diese sechs Monate nach der Verwendung wieder einen weitgehend normalen Mikrobiomspiegel aufwiesen. Neun Arten von Bakterien im Darm traten jedoch nie wieder auf. Stattdessen gab es einige unerwünschte Bakterienarten, die sich durchsetzen konnten.

Was wurde genau bei der Studie untersucht?

Die Forscher nahmen zunächst Stuhlproben von zwölf gesunden Männern. So wollten sie feststellen, wie ihre Mikrobiome zu Beginn aussahen. Diese zwölf Teilnehmer nahmen dann einen Cocktail von verschiedenen Antibiotika ein, die für eine Reihe von Zuständen von arzneimittelresistenter bakterieller Meningitis bis Chlamydien verwendet werden. Diese Behandlung war eine modifizierte Version der auf Intensivstationen verwendeten Antibiotika-Behandlungen. Nach einer viertägigen Behandlungszeit begannen die Forscher, den Prozess der Ausrottung, des partiellen Überlebens, des allmählichen Nachwachsens und der Wiederherstellung dieser sogenannten mikrobiellen Darmmilieus zu verfolgen.

Nach sechs Monaten wurden Unterschiede beim Darmmikrobiom festgestellt

Die Wissenschaftler überprüften unmittelbar nach dem Einsatz der Antibiotika einige Tage die Mikrobiome der Probanden mit Hilfe des Kots. Eine erneute Untersuchung wurde dann nach sechs Monaten durchgeführt. Unmittelbar nach der Behandlung war die Mannigfaltigkeit der Mikrobiome der Männer stark reduziert, aber die Bakterien waren nicht vollständig ausgerottet. Nach sechs Monaten waren die Bakterien wieder da, aber es gab einige wesentliche Unterschiede: Der Reichtum der Anzahl der Bakterienarten, welche die Forscher finden konnten, war verringert. Dies deutet darauf hin, dass einige Mikroorganismen, die ursprünglich vorhanden waren, dauerhaft verloren gegangen sind oder stark dezimiert wurden.

Nach der Behandlung tauchten neue Arten von Bakterien auf

Follow-up-Analysen bestätigten dann, dass einige Arten wirklich verschwunden waren. Und es gab einige Bakterien, die vor der Behandlung nicht entdeckt wurden, danach aber in den Proben festgestellt werden konnten. Diese sind von Spezies, die Sporen bilden, so dass sie möglicherweise vor den Antibiotika im Darm lauerten und erst dann auftauchten, wenn die anderen Arten ausgelöscht wurden. Ein besseres Verständnis über solche Vorgänge könnte dabei helfen einige der bakteriellen Infektionen zu kontrollieren, die häufig auftreten, nachdem Breitspektrum-Antibiotika-Behandlungen das normale Darmmikrobiom stark gestört haben, erläutern die Autoren der Studie. Im Laufe ihres Lebens werden die meisten Menschen mehrfach mit Antibiotika in Kontakt kommen. In diesem Fall ist es gut zu wissen, dass Betroffene ihre Darm-Mikrobiota regenerieren können, erklären die Forscher. Die Sorge bezieht sich jedoch auf den potenziell dauerhaften Verlust von nützlichen Bakterien nach einer Mehrfachexposition mit Antibiotika während der Lebenszeit.

Antibiotika haben Vor- aber auch Nachteile

Antibiotika-Behandlung bei Gruppen von Kindern und älteren Menschen haben wahrscheinlich unterschiedliche Auswirkungen. Diese Komplexität genau zu verstehen, sollte eine Aufgabe zukünftiger Forschung sein, sagen die Mediziner. Natürlich bedeute das nicht, dass Antibiotika eine schlechte Sache sind, sie seien verantwortlich für eines der dramatischsten Wunder der menschlichen Gesundheit in der öffentlichen Gesundheit. Antibiotika können ein Segen für den Erhalt der menschlichen Gesundheit sein, erklären die Wissenschaftler. Allerdings sollten Antibiotika nur auf der Grundlage klarer Beweise für eine bakterielle Ursache einer Infektion verwendet werden. (as)