Zu wenig Schlaf dehydriert unseren Körper und bringt den Hormonhaushalt durcheinander

Volker Blasek

Wer zu wenig schläft, begünstigt eine Dehydrierung

Viele Erwachsene schlafen nur sechs Stunden pro Nacht – das ist laut zahlreichen Untersuchungen zu wenig. Die empfohlene Schlafdauer sollte bei Erwachsenen zwischen sieben und acht Stunden täglich betragen. Ein amerikanisches Forscherteam deckte nun einen weiteren guten Grund auf, warum man sich an diese Schlafvorgaben halten sollte. Offenbar nimmt der Schlafmangel Einfluss auf die Hormone und begünstigt eine schnellere Dehydrierung.


Forschende der Penn State Universität in Pennsylvania fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass zu wenig Schlaf in negativer Weise unsere Hormone beeinflusst, die den Flüssigkeitshaushalt des Körpers regulieren. Dies gehe mit einer erhöhten Wahrscheinlich für eine Dehydrierung einher. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Sleep“ veröffentlicht.

Wer zu wenig schläft, bei dem werden zu wenig Hormone ausgeschüttet, die den Wasserhaushalt im Körper regulieren. Dadurch droht eine Dehydrierung. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Schlecht geschlafen? Dann sollten Sie mehr Wasser trinken

Wenn man sich nach einer kurzen Nacht unwohl fühlt, dann könnten dies die Auswirkungen einer Dehydrierung sein. Die Forschenden legen Menschen, die zu wenig geschlafen haben, nahe, dass sie nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf mehr Wasser trinken sollten, um Symptome einer Austrocknung entgegenzuwirken. „Bereits ab nur sechs Stunden Schlaf pro Nacht kann Ihr Flüssigkeitshaushalt beeinflusst werden“, warnt Studienleiter Asher Rosinger.

Schlaf und Wasserhaushalt des Körpers hängen zusammen

Das Penn State-Forscherteam untersuchte den Flüssigkeitshaushalt von Probandinnen und Probanden in Bezug auf die Dauer ihres Schlafes. Dabei stellte das Team fest, dass Teilnehmende, die nur sechs Stunden schliefen, einen signifikant stärker konzentrierten Urin aufwiesen. Außerdem zeigte die Gruppe mit dem kurzen Schlaf eine bis zu 59 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit dafür, unzureichend hydriert zu sein, gegenüber Erwachsenen, die regelmäßig acht Stunden schliefen.

Wie beeinflusst der Schlafmangel den Wasserhaushalt?

In weiteren Untersuchungen stellten die Forschenden fest, dass ein bestimmtes Hormon namens Vasopressin für diesen Effekt verantwortlich ist. Dieses Hormon reguliert den Wasserhaushalt des Körpers. Es wird zwar sowohl tagsüber als auch nachts ausgeschüttet, doch wie die Wissenschaftler belegten, ist der Ausschüttungsvorgang in den späten Schlafzyklen beschleunigt. „Wenn Sie also früher aufwachen, könnten Sie das Fenster verpassen, in dem mehr Hormone freigesetzt werden, wodurch die Flüssigkeitszufuhr des Körpers gestört wird“, berichtet Rosinger in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen.

Wie erkennt man eine Dehydrierung?

Den Forschenden zufolge kann sich eine Dehydratation auf viele Systeme und Funktionen des Körpers auswirken. Unter anderem könne sich dies auf die Wahrnehmung, die Stimmung und die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit niederschlagen. Wird solch ein Zustand über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, drohen ernstere gesundheitliche Konsequenzen wie Harnwegsinfektionen und Nierensteine.

Weitere Auswirkungen von Schlafmangel

Schlaf ist aber nicht nur wichtig für den Wasserhaushalt. Im Schlaf entgiftet das Gehirn und Schlafstörungen mindern den Prozess, denn während des Schlafens erweitern sich die mit Hirnwasser gefüllten Zwischenräume der Gehirnzellen. Diese Erweiterungen sind vergleichbar mit einer Schnellstraße, auf der Abfälle des Stoffwechsels in doppelter Geschwindigkeit aus dem Hirn transportiert werden. Dies könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum ein gesunder Schlaf als Schutzfunktion vor Demenz gilt.

Zu viel Schlaf kann allerdings auch schaden

Sowohl zu viel als auch zu wenig Schlaf schadet unserer Gesundheit. In einer anderen Studie zeigte sich, dass Personen, die regelmäßig zehn Stunden oder länger schlafen, ein erhöhtes Risiko haben, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Dies ist eine gefährliche Kombination aus Übergewicht (insbesondere Bauchfettansammlungen), Bluthochdruck sowie erhöhten Blutzucker- und Flutfettwerten. (vb)