Forscher fordern Fleisch-Steuer, um hunderttausende Leben zu retten

Volker Blasek

Studie zeigte: Fleisch-Steuer kann unzählige Todesfälle verhindern

In Ländern mit höheren Einkommen sollten rote Fleischprodukte mit einer Steuer belegt werden, die das Fleisch 20 Prozent teurer machen. Verarbeitete Fleischartikel, wie Speck, Würstchen und Trockenfleisch sollten sogar mehr als doppelt so teuer werden. Dies schlagen englische Forschende vor, die in einer Studie zeigen, wie massive Preiserhöhungen im Fleischmarkt allgemeine gesundheitsfördernde Vorteile in der Bevölkerung herbeiführen und zum Klimaschutz beitragen.


Ein Forscherteam der renommierten Oxford University belegte, dass eine Fleisch-Steuer in Ländern mit höheren Einkommen rund 220.000 Todesfälle pro Jahr verhindern kann. Das Team schlägt vor, unverarbeitetes Rindfleisch, Lammfleisch sowie Schweinefleisch um 20 Prozent teurer und verarbeitetes Fleisch, wie Speck, Würstchen und Wurstwaren mehr als doppelt so teuer zu machen, um die gesundheitlichen Vorteile zu erzielen. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „Plos one“ publiziert.

Kann eine Fleisch-Steuer die Menschen zu einer gesünderen Ernährung motivieren und darüber hinaus zum Klimaschutz beitragen? Forscher der Oxford University sagen: Ja! (Bild: MIGUEL GARCIA SAAVED/fotolia.com)

Die Gesundheitsgefahren von Fleisch

Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert Rind-, Lamm- und Schweinefleisch im unverarbeiteten Zustand als wahrscheinlich krebserregend. Im verarbeiteten Zustand gilt der krebserregende Faktor als gesichert. Darüber hinaus gehen diese drei Fleischsorten mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten wie die die koronare Herzkrankheit einher. Schätzungen der Oxford Universität gehen davon aus, dass im Jahr 2020 2,4 Millionen Menschen an den Folgen des Fleischkonsums sterben werden. Des Weiteren würden jährlich 285 Millionen Dollar dafür benötigt werden, die gesundheitlichen Folgen des Fleischkonsums zu behandeln.

Wir essen zu viel Fleisch

„Der Verbrauch von rotem und verarbeitetem Fleisch liegt in den meisten Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen deutlich über den empfohlenen Werten“, berichtet Studienleiter Dr. Marco Springmann in einer Pressemitteilung zu der Untersuchung. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf die persönliche Gesundheit, sondern auch auf die Gesundheitssysteme, die Wirtschaft und die Umwelt.

Alkohol- und Tabaksteuer als Vorbild

Die Forschenden verweisen darauf, dass Steuern auf gesundheitsgefährdende Güter wie Alkohol und Tabak bereits Erfolge erzielt haben. Ein erhöhter Preis könne die Verbraucher dazu anhalten, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen. Aus den Berechnungen der Oxford Universität geht hervor, dass der Fleischkonsum durch das Einführen der Steuer um durchschnittlich 16 Prozent sinken würde. Außerdem könne die Steuer etwa 70 Prozent der Gesundheitskosten decken, die durch den Fleischkonsum entstehen.

Wissenschaftler sprechen sich für die Fleisch-Steuer aus

„Ich hoffe, dass die Regierungen eine Gesundheitssteuer für rotes und verarbeitetes Fleisch einführen werden, um den Verbrauchern gesunde und nachhaltige Entscheidungen zu erleichtern“, resümiert Dr. Springmann. Dies sei ein starkes Signal an die Verbraucher und zur Aufklärung der Gesundheitsgefahren, die vom Konsum bestimmter Fleischsorten ausgehen. Außerdem könne die Steuer dazu beitragen, das ständig zunehmende Übergewicht und Adipositas in der Bevölkerung zu verringern, da Verbraucher dazu animiert werden, auf kalorienärmere beziehungsweise fettärmere Kost umzusteigen.

Auch das Klima profitiert

Ein weiterer positiver Effekt der Fleisch-Steuer seien die Auswirkungen auf den Klimawandel. Den Forschenden zufolge entsteht ein großer Teil der Treibhausgasemissionen bei der Rinderzucht. Ein Rückgang des Rindfleischkonsums durch die Besteuerung von Fleisch könne die entstehenden Treibhausgase um über einhundert Millionen Tonnen reduzieren.

Niemand lässt sich gerne Vorschreiben, was auf den Teller kommt

Die Forschenden sind sich bewusst darüber, dass eine solche Steuer nicht bei allen Verbrauchern gut ankommen würde. „Niemand möchte, dass die Regierungen den Menschen vorschreibt, was sie essen können und was nicht“, betont Springmann. Dennoch seien die Ergebnisse eindeutig, dass der jetzige Fleischkonsum nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch den Gesundheitssystemen, der Wirtschaft und der gesamten Erde schadet. (vb)