Frühsommer-Meningoenzephalitis: Immer mehr Krankheitsfälle durch Zeckenstiche

Von Zecken übertragene Infektionserreger bedrohen zunehmend die Gesundheit von Menschen und Tieren in Deutschland. In den letzten Jahren wurden hierzulande bisher unbekannte, aber klinisch relevante Erreger entdeckt, die von heimischen Zecken übertragen werden. (Bild: Heiko Barth/stock.adobe.com)

Präventionsmaßnahmen erforderlich: Mehr Krankheitsfälle durch Zecken

Die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung hierzulande ist die Lyme-Borreliose, wesentlich seltener die virusbedingte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die kleinen Blutsauger können aber noch viel mehr gefährliche Infektionskrankheiten auf den Menschen übertragen. Laut Fachleuten haben die Krankheitsfälle durch Zeckenstiche zugenommen.

Wie die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in einer aktuellen Mitteilung schreibt, bedrohen von Zecken übertragene Infektionserreger zunehmend die Gesundheit von Menschen und Tieren in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden bisher in Deutschland unbekannte, aber klinisch relevante Erreger entdeckt, die von heimischen Zecken übertragen werden.

Maßnahmen zur Prävention dringend erforderlich

„Demzufolge sind Maßnahmen zur Prävention von durch Zecken übertragenen Infektionserregern dringend erforderlich. Arbeitnehmern, die besonders gefährdet sind, wie z.B. Forstarbeiter und -arbeiterinnen, muss eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, damit die Gesundheitsgefährdung für diese Gruppe adäquat erfasst und bewertet werden kann“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Antonios Katsounas, Leiter der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Magdeburg und Inspirator des E.Ze.SA-Projektes (Erregerspektrum der Zecken in Sachsen-Anhalt).

Neue Krankheitserreger identifiziert

„Die wohl bekanntesten Beispiele von zeckenübertragenen Krankheitserregern in Deutschland sind die FSME-Viren, die die impfpräventable Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen können, und Borrelia burgdorferi-Bakterien, den Verursachern der Lyme-Borreliose“, erklärt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) auf seiner Webseite.

Allerdings wurden in den letzten zwei Jahrzehnten ein halbes Dutzend neue, durch Zecken übertragene Krankheitserreger identifiziert, darunter neue Borrelien- und Rickettsien-Arten. Die seit 2017 in einigen Regionen Deutschlands aufgefundenen Hyalommazecken können unter anderem eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen. Vor wenigen Monaten berichteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals über eine solche Übertragung in Deutschland.

Zudem können diese Zecken das Krim-Kongo-Hämorrhagische Fiebervirus (CCHFV) übertragen, gegen das weder eine adäquate Therapie noch eine Impfung vorliegt. In Spanien kam es bereits zu einer Übertragung des CCHFV, dies zeigte Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung für Arbovirologie am BNITM in Hamburg, in einer gemeinsamen Veröffentlichung im renommierten Fachmagazin „New England Journal of Medicine“.

Zukünftige Gefahr auch in Deutschland

Ein Auftreten des CCHFV kann zukünftig also auch in Deutschland nicht ausgeschlossen werden.

„Bisher haben wir noch keine Hinweise darauf, dass das CCHFV durch Zecken in Sachsen-Anhalt übertragen wird. Dies ist aber eine wichtige Frage, die im Rahmen des E.Ze.SA-Projekts untersucht wird“, erklärt Prof. Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit.

Wie es in der Mitteilung heißt, können anhand modernster Untersuchungsmethoden nicht nur bereits bekannte Erreger detektiert, sondern auch neue Erreger identifiziert werden. Den Angaben zufolge zeichnet sich das E.Ze.SA-Projekt dadurch aus, dass es auf Zecken fokussiert, die ausschließlich am Menschen gesammelt werden.

Rekordzahl von Krankheitsfällen

Die Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (Centers for Disease Control and Prevention, CDC) in den Vereinigten Staaten meldeten im Jahr 2017 eine Rekordzahl von Krankheitsfällen, die durch Zecken verursacht wurden.

In Deutschland konnte in den letzten Jahren anhand valider Daten eine Ausbreitung des durch Zecken übertragenen FSME-Virus gezeigt werden. Während es in Süddeutschland schon seit längerer Zeit etabliert ist, konnte es jetzt auch in Regionen in Thüringen und Sachsen, zuletzt im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge, nachgewiesen werden.

„Es werden nicht alle Fälle erfasst, da die Symptome oft unspezifisch und nicht stark ausgeprägt sind“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Antonios Katsounas.

Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Portal „infektionsschutz.de“ erklärt, bleibt die Mehrheit der Infizierten (ca. 70 bis 95 Prozent) beschwerdefrei oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus.

Krankheitszeichen einer FSME-Erkrankung treten demnach typischerweise in zwei Phasen auf:

Zecken profitieren vom Klimawandel

Nicht nur von Zecken übertragbare Erreger profitieren vom Klimawandel, sondern auch die Tierchen selbst. „Aktuelle Daten belegen, dass sich in den vergangenen Jahren auch die Auwaldzecke in Deutschland ausgebreitet hat, die wahrscheinlich das FSME-Virus übertragen kann“, so Prof. Dr. med. Gernot Geginat, stellvertretender Leiter des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Magdeburg.

„Ihre Verbreitungsschwerpunkte sind Oberrhein, Mittelelbe und der Großraum Berlin. Im Gegensatz zum Holzbock hat die Auwaldzecke eine vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst verlängerte Aktivitätsperiode. Durch diese neue Zeckenart könnte das kumulative Risiko eines Zeckenstichs deutlich steigen“, erläutert der Experte.

Das Institut fungiert als zentrale Sammelstelle für alle Zecken und stellt die Zeckenkits für die Teilnehmenden zur Verfügung, die eine Zeckenkarte zur schonenden Entfernung der Zecken und passende Transportröhrchen enthalten. Die – im Rahmen des E.Ze.SA-Projektes – durch diese Überwachungsmaßnahme erhaltenen Daten ermöglichen es, zukünftig Schutzmaßnahmen, vor allem für Risikogruppen wie Förster und Försterinnen sowie Jägerinnen und Jäger, zu etablieren. (ad)

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Alfred Domke
Quellen:

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