Gefährliche Nebenwirkung: Antibiotika können das Risiko für Lungenentzündung erhöhen

Alfred Domke

Antikörper verringern mögliche Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge

Antibiotika können das Abwehrsystem der Lunge schwächen und damit das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen. Durch die medikamentöse Gabe von Antikörpern lässt sich diese Gefahr offenbar verringern. Das haben deutsche Forscher nun herausgefunden.


Medikamente mit unerwünschten Nebenwirkungen

Zwar ist der Einsatz von Antibiotika bei der Behandlung vieler Krankheiten klinisch notwendig, er wird aber oft auch kritisch gesehen. Schließlich haben Untersuchungen gezeigt, dass solche Medikamente oftmals nur auf Verdacht verordnet werden und nicht selten mit schweren Nebenwirkungen einhergehen. Einer dieser unerwünschten Nebeneffekte ist die Schwächung der natürlichen Bakterienflora des Körpers. Dadurch kann sich das Risiko für Infektionen erhöhen, zum Beispiel in der Lunge. Es ist bekannt, dass einer der Hauptverursacher von Lungenentzündungen das Bakterium Pseudomonas aeruginosa ist.

Forscher haben nachgewiesen, dass Antibiotika das Abwehrsystem der Lunge schwächen können und damit das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich dieses Risiko durch die medikamentöse Gabe von Antikörpern verringern lässt. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Störung der Bakterienflora durch Antibiotika

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun die Mechanismen untersucht, die Pseudomonas-Infektionen nach Antibiotikatherapien begünstigen.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Bastian Opitz von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité konnte nachweisen, dass die Störung der Bakterienflora durch Antibiotika zu einer verringerten Produktion bestimmter Antikörper in der Lunge führt.

Wie es in einer Mitteilung heißt, sind diese Antikörper vom Typ IgA eine wichtige Verteidigungsoption des Immunsystems gegen Infektionen.

Antibiotika schwächen demnach das Abwehrsystem der Lunge und erleichtern es Pseudomonas-Bakterien, die Lunge zu infizieren.

Den Angaben zufolge konnte dieser Effekt auch in Rahmen einer Beobachtungsstudie mit Patientinnen und Patienten einer Intensivstation nachgewiesen werden.

Risiko lässt sich mit speziell hergestellten Antikörpern mindern

Den Wissenschaftlern gelang im Tiermodell bereits, die Empfänglichkeit gegenüber einer Pseudomonas-Lungeninfektion mit speziell hergestellten Antikörpern des Typs IgA zu mindern.

„Wir wollen noch besser verstehen, welchen Einfluss Antibiotika auf die natürliche Bakterienflora haben und wie sich das auf die Abwehrmechanismen des Körpers und insbesondere der Lunge auswirkt“, erläutert Prof. Opitz die weiteren Ziele der Forschungsarbeit und fügt hinzu:

„Und wir wollen untersuchen, wie und in welcher Form IgA-Antikörper vorbeugend sowie therapeutisch eingesetzt werden können.“

Die Studie der Forscher wurde vor kurzem im Fachmagazin „The Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht. (ad)