Eine gesunde Ernährung kann das Demenz-Risiko signifikant senken. Insbesondere ein hoher Anteil an entzündungshemmenden Lebensmitteln erscheint dabei auch für Personen mit bereits vorliegender Alzheimer-Pathologie vorteilhaft.
Ein internationales Forschungsteam um Dr. Anja Mrhar vom Karolinska Institutet in Schweden hat den Einfluss der Ernährungsqualität auf das Demenz-Risiko bei älteren Erwachsenen untersucht und dabei deutliche Vorteile für gesunde Ernährungsweisen nachgewiesen. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „Neurology“ veröffentlicht.
Ernährung beeinflusst Demenz-Risiko
Zahlreiche frühere Forschungsarbeiten hatten bereits Zusammenhänge zwischen der Ernährung und der Gesundheit des Gehirns nachgewiesen, wobei dies sowohl für einzelne Lebensmittel, als auch für bestimmte Ernährungsweisen gilt.
Beispielsweise kam eine erst kürzlich veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass hochverarbeitete Lebensmittel das Demenz-Risiko erhöhen, während eine andere relativ neue Untersuchung belegt, dass die richtige Ernährung das Demenz-Risiko senken kann , wobei insbesondere der Gehalt an Polyphenolen hervorgehoben wird.
Welche Zusammenhänge bestehen?
Welche konkreten Zusammenhänge zwischen der Ernährungsqualität und dem Demenz-Risiko unter Berücksichtigung wesentlicher Biomarker der Alzheimer-Pathologie bestehen, hat das Forschungsteam nun anhand der Daten von 1.865 Teilnehmenden der „Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen“ untersucht.
Alle Teilnehmenden waren zu Beginn des Beobachtungszeitraums im Alter über 60 Jahre und sie wurden innerhalb von maximal 15 Jahren mehrfach zu ihrer Ernährung befragt und körperlich untersucht.
Bei der Ernährung überprüften die Forschenden die Einhaltung von drei Ernährungsmustern anhand der Werte für die „Alternate Mediterranean Diet“ (AMED), den „Alternative Healthy Eating Index“ (AHEI) und den „reversed Empirical Dietary Inflammatory Index“ (rEDII). Höhere Werte stehen dabei für eine höhere Ernährungsqualität.
Als Biomarker für das Demenz-Risiko und neurodegenerative Prozesse wurden die Serumkonzentrationen von phosphoryliertem Tau an Threonin 217 (p-tau217) sowie die Neurofilament-Leichtketten (NFL) und das saure Gliafaserprotein (GFAP) erfasst, erläutern die Forschenden.
Außerdem ermittelte das Team die Demenzerkrankungen anhand klinischer Diagnosen, der Krankenakten und der Totenscheine der Teilnehmenden.
Wirkung abhängig von der Vorbelastung
Im Verlauf einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,4 Jahren entwickelten 240 Teilnehmende eine Demenzerkrankung und bei Bewertung der Zusammenhänge mit den AMED-, AHEI- und rEDII-Werten beobachtete das Team unterschiedliche Effekte, je nach Vorbelastung der Teilnehmenden.
So zeigten die Einhaltung der mediterranen Ernährung (AMED-Wert) und die Einhaltung einer allgemein gesunden Ernährung (AHEI-Wert) lediglich bei Teilnehmenden mit niedrigen Werten der Demenz-Biomarker positive Effekte auf das Erkrankungsrisiko.
Bei Teilnehmenden mit bereits erhöhten Risikobiomarkern führte hingegen nur eine Ernährung mit geringerem Entzündungspotenzial (rEDII-Wert) konsistent zu einem reduzierten Demenz-Risiko, berichten die Forschenden.
Entzündungshemmende Ernährung besonders vorteilhaft
So ist eine höhere Ernährungsqualität insgesamt mit einem geringeren Demenz-Risiko assoziiert, doch lediglich eine entzündungshemmende Ernährung kann bei bestehender Vorbelastung wirklich hilfreich sein.
„Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung gezielter ernährungsbasierter Strategien zur Demenzprävention – nicht nur für die Allgemeinbevölkerung, sondern auch für Personen, bei denen bereits ein erhöhtes Risiko vorliegt“, resümieren die Forschenden. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Anja Mrhar, Adrián Carballo-Casla, Giulia Grande, Caterina Gregorio, Federico Triolo, Martina Valletta, Claudia Fredolini, Milica Gregorič Kramberger, Aleš Kuhar, Bengt Winblad, Laura Fratiglioni, Amaia Calderón-Larrañaga, Davide Liborio Vetrano: Diet Quality and Dementia Risk in Older Adults With Alzheimer Pathology; in: Neurology (veröffentlicht 25.06.2026), jamanetwork.com
- Barbara R. Cardoso, Euridice Martinez Steele, Barbara Brayner, Xinyi Yuan, Lisa Bransby, Hannah Cummins, Yen Ying Lim, Priscila Machado: Ultra-processed food intake, cognitive function, and dementia risk: A cross-sectional study of middle-aged and older Australian adults; in: Alzheimer's & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring (veröffentlicht 23.04.2026), onlinelibrary.wiley.com
- Noémi Mózes, János Tamás Varga, Dominik Szwajgier, Agata Kryczyk-Poprawa, Virág Zábó, Andrea Lehoczki, Ágnes Lipécz, Tamás Csípő, Vince Fazekas-Pongor, Dávid Major, Péter Varga, Attila Matiscsák, Mónika Fekete: Dietary Polyphenols in Brain Aging: Molecular Mechanisms and Implications for Neurodegeneration; in: Nutrients (veröffentlicht 05.05.2026), mdpi.com
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