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Gesundheitsgefahr durch Toxoplasmose zu lange vernachlässigt

Fabian Peters
Verfasst von Fabian Peters
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8. Juli 2026
in News
Grafische Darstellung von Toxoplasmose-Parasiten neben dem Bild einer Katze.
Die Erreger der Toxoplasmose werden häufig von Katzen auf Menschen übertragen. (Bild: Julia/stock.adobe.com)
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Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Toxoplasma gondii, dem Erreger der Toxoplasmose infiziert. Die Erkrankung kann verschiedene Gesundheitsprobleme mit sich bringen, darunter auch Infektionen der Augen, bei denen schlimmstenfalls ein Verlust der Sehkraft droht. Bisher wird die Toxoplasmose jedoch in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge sträflich vernachlässigt.

Ein internationales Forschungsteam hat in einem aktuellen Fachbeitrag dargelegt, warum die Toxoplasmose die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine Einstufung als vernachlässigte Tropenkrankheit erfüllt und welche Gefahren von der Erkrankung ausgehen.

Kurzübersicht der wichtigsten Inhalte

  • Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Toxoplasma gondii infiziert.
  • Die Infektion erfolgt meist durch Kontakt mit Katzen, kontaminierte Lebensmittel oder verunreinigtes Wasser.
  • Bei Infektionen in der Schwangerschaft drohen Fehlgeburten sowie dauerhafte Schäden des Gehirns und der Augen bei dem ungeborenen Kind.
  • Toxoplasmose betrifft oftmals auch die Augen und kann zu Netzhautschäden bis hin zu einem dauerhaften Verlust der Sehkraft führen.
  • Fachleute fordern eine Einstufung als vernachlässigte Tropenkrankheit (NTD) bei der WHO, um Forschung, Prävention und Behandlung voranzubringen.

Toxoplasmose weitverbreitet

Eine Infektion mit Toxoplasma gondii kann durch den Verzehr von nicht ausreichend gegartem Fleisch, kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser aber auch durch den Kontakt mit infizierten Katzen erfolgen.

Viele Menschen tragen die Erreger unwissentlich in sich, wobei langfristig durchaus erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Beispielsweise kamen Forschend bereits vor rund zehn Jahren in einer Studie zu dem Schluss, dass Toxoplasmose vielfach schwere Spätfolgen im Gehirn bedingt.

Drohende gesundheitliche Folgen

Auch können die Infektionen in der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden und Fehlgeburten oder dauerhaften Schäden an Gehirn und Augen zur Folge haben, erläutern die Forschenden.

Bei vielen betroffenen Kinder seien Sehprobleme festzustellen, die sich im Laufe der Zeit verschlimmern und grundsätzlich könne der Erreger auch die Augen befallen und eine okuläre Toxoplasmose verursachen, die Schäden der Netzhaut und schlimmstenfalls einen dauerhaftem Verlust der Sehkraft mit sich bringe.

Zu wenig beachtete Erkrankung

„Toxoplasmose ist eine der häufigsten Augeninfektionen und eine der Hauptursachen für Sehverlust weltweit; dennoch findet sie in der globalen Gesundheitsagenda nur wenig Beachtung“, betont leitende Autorin Professorin Justine Smith von der Flinders University.

Zwar gilt die Toxoplasmose oft als natürliche Folge des täglichen Zusammenlebens von Mensch und Tier, doch nach Ansicht der Fachleute ließen sich die Infektionen durchaus vermeiden.

„Toxoplasmose wird häufig als unvermeidlich angesehen, doch ihre Übertragungswege sind gut erforscht, und sie lässt sich verhindern sowie kontrollieren“, betont der Hauptautor Professor João Furtado von der Universität São Paulo.

Trotz ihrer weltweiten Verbreitung und Schwere werden für die Toxoplasmose allerdings weniger Forschungsgelder aufgewendet und sie erhält weniger politische Aufmerksamkeit als Krankheiten mit vergleichbaren oder geringeren Auswirkungen, kritisieren die Fachleute..

Einstufung als vernachlässigte Tropenkrankheit

Ihrer Ansicht nach könnte die offizielle Anerkennung als vernachlässigte Tropenkrankheit (Neglected tropical disease; NTD) durch die WHO Finanzmittel für Forschung, Prävention und Behandlung freisetzen, die im Kampf gegen Toxoplasmose äußerst hilfreich wären.

„Dies würde Länder dabei unterstützen, die Prävention von Toxoplasmose in Programme zur Gesundheit von Mutter und Kind, in Lebensmittelsicherheitssysteme sowie in die Primärversorgung zu integrieren“, so Professor Smith.

Aufruf zum Handeln

Auch könnte die Einbettung in die globale „One Health“-Agenda koordinierten Maßnahmen in den Bereichen Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt anregen, denn „die Bekämpfung der Toxoplasmose erfordert eine fachübergreifende Zusammenarbeit“, ergänzt Professor Furtado.

Bei anderen Krankheiten seien nach ihrer Einstufung als vernachlässigte Tropenkrankheit rasche Erfolge zu verzeichnen gewesen. „Unsere Stellungnahme ist ein Aufruf zum Handeln, um die inakzeptable globale Krankheitslast durch Toxoplasmose endlich anzugehen“, resümiert Smith. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Fabian Peters
Quellen:
  • João Marcello Furtado, Rubens Belfort Jr, Bahram Bodaghi, Soon-Phaik Chee, Alejandra de-la-Torre, Oleksandra Dorokhova, Moncef Khairallah, Padmamalini Mahendradas, Nadine Nsiangani-Lusambo, Uwe Pleyer, Serge Resnikoff, Frank Seeber, Hugh R. Taylor, Jennifer E. Thorne, Daniel V. Vasconcelos-Santos, Steven Yeh, Justine R. Smith: Toxoplasmosis meets the World Health Organization criteria for a neglected tropical disease; in: PLOS Neglected Tropical Diseases (veröffentlicht 25.06.2026), journals.plos.org
  • Flinders University: Global push to recognise threat of toxoplasmosis (veröffentlicht 25.06.2026), eurekalert.org
  • Patrick D. Gajewski, Michael Falkenstein, Jan G. Hengstler, Klaus Golka: Reduced ERPs and theta oscillations underlie working memory deficits in Toxoplasma gondii infected seniors; in: Biological Psychology (veröffentlicht 08.08.2026), sciencedirect.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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