Graue Haare schon ab 30? Warum unsere Haare früher oder später ergrauen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Wie entstehen graue Haare?

Eines morgens wachen wir auf und entdecken im Spiegel das erste graue Haar. Bei einigen Menschen kommt dieser Moment schon im 30. Lebensjahr – bei anderen erst mit 60. Verantwortlich für die Bildung von grauem Haar ist das Immunsystem, wie eine aktuelle Studie bewies. Laut Wissenschaftlern greift das körpereigene Abwehrsystem MITF Gen an. Dieses hilft den Melanzyten bei der Produktion des Pigments Melanin, welches für die Farbe von Haaren, Augen und Haut verantwortlich ist.


Die Wissenschaftler der University of Alabama in Birmingham stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein Angriff des Immunsystems ein Protein im Körper beeinflusst, welches an der Färbung von Haaren, Haut und Augen beteiligt ist. Dieser Angriff bewirkt, dass sich die Haare anfangen grau zu färben. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „PLOS Biology“.

Das Ergrauen der Haare wird durch ein spezielles Gen bestimmt. Wenn dieses durch das Immunsystem angegriffen wird, entstehen graue Haare. (Bild: Jacob Lund/fotolia.com)

Immunsystem attackiert MITF-Gen

Bei ihrer aktuellen Studie wollten die Forscher von der University of Alabama herausfinden, warum unsere Haare im Alter Pigmente verlieren, was wiederum die Graufärbung der Haare zur Folge hat. Dafür führten die Wissenschaftler eine Untersuchung an Mäusen durch. Sie analysierten dabei besonders, wie Angriffe des Immunsystems das sogenannte MITF-Gen beeinflussen. Dieses Protein hilft den Melanozyten richtig zu funktionieren. Die sogenannten Melanozyten sind die für Melanin verantwortlichen Zellen, welche unseren Augen, der Haut und den Haaren ihre Farbe geben, erklären die Experten.

Welche Rolle spielen Infektionen?

Nach der vollständigen Analyse ihrer Untersuchung fanden de Wissenschaftler heraus, dass das MITF-Gen wahrscheinlich auch die Freisetzung von Interferonen steuert, einem Protein, das virale Infektionen bekämpft. Die Wissenschaftler hatten bereits vermutet, dass selbst eine Infektionen einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von grauen Haaren haben kann.

Immunsystem greift Melanozyten an

Wenn nicht genug MITF vorhanden war, produzierten die Mäuse in dem Experiment einen Überschuss an Interferonen, was dann das Immunsystem dazu zwingt, die Melanozyten anzugreifen und das Wachstum von nicht-pigmentierten oder grauen Haaren zu verursachen. Den Wissenschaftlern ist bisher nicht bekannt, ob die Beobachtungen der aktuellen Untersuchung wirklich auch eins zu eins auf den Menschen übertragen werden können. Die Mediziner nehmen allerdings an, dass die Ergebnisse der Studie erklären könnten, warum manche Menschen früher im Leben graue Haare bekommen.

Bei besonderer Veranlagung kann Infektion graue Haare hervorrufen

Wenn ein Individuum eigentlich gesund ist, aber eine besondere Veranlagung für graue Haare vorliegt, kann eine einfache Virusinfektion bereits genug sein, um den Rückgang von Melanozyten und Melanozytenstammzellen zu bewirken, was dann wiederum vorzeitig graues Haar entstehen lässt, erklärt Studienautorin Melissa Harris von der University of Alabama in einer Pressemitteilung.

Studie bewirkt besseres Verständnis

Die Wissenschaftler stellten bei ihrer Untersuchung allerdings auch fest, dass eine solche Infektion nicht sofort zu grauen Haaren führen muss. Die Ergebnisse der Studie heben einen Mechanismus hervor, der den Experten hilft, besser zu verstehen, welche biologischen Beiträge zu den sichtbaren Zeichen des Alterns beitragen. (as)