Hot-Spot im Gehirn entdeckt

Neue Therapie bei Angststörungen möglich

Angststörungen werden vor allem mit Benzodiazepinen behandelt. Ein Forschungsteam um Dr. Wulf Haubensack hat nun die Netzwerke von Neuronen gefunden, in denen die Substanzen wirken. Das lässt auf neue wirksame Medikamente gegen Angststörungen hoffen.

Wie wirken Benzodiazepine?

Angststörungen werden unter anderem mit Benzodiazepinen behandelt. Diese Psychopharmaka, kurz BZDs, haben sich in den letzten 50 Jahren als erfolgreich erwiesen. Ärzte wissen gut, wie sie auf der Ebene der Zellen und Moleküle wirken. Wenig bekannt sind hingegen ihre Wechselwirkungen mit Schaltkreisen im Gehirn.

Angststörungen werden mit Psychopharmaka behandelt. Forscher fanden jetzt das Netzwerk von Neuronen im Gehrin, wo diese Medikamente wirken. (Bild: ra2 studio/fotolia.com)

Neuronale Schaltkreise

Die Hirnforschung ist in den letzten Jahrzehnten geradezu explodiert. Wissenschaftler erfahren immer mehr über neuronale Schaltkreise und die Hirnareale, in denen Emotionen wie Angst entstehen.

Vernetztes Konzept

Das Team um Dr. Wulf Haubensak und Prof. Dr. Andreas Hess verknüpften jetzt interdsziplinär Genetik und das Wissen um neuronale Schaltkreise und kartierten so im Gehirn die Wechselwirkung, die BZDs auslösen.

Was fanden die Forscher?

Das Ergebnis war: BZDs bremsen das Weiterleiten aversiver Signale durch den Mandelkern. Die Wissenschaftler markierten jetzt die Schaltkreise, die von diesen Störungen durch die BZDs betroffen waren.

Ein Hot-Spot im Hirn

Haubensak sagt, Angst entstünde durch das Zusammenwirken verschiedener Hirnkreisläufe, und hier hätten die Wissenschaftler einen Hot-Spot erkannt, der wesentlich für die angstlösende Heilung sei.

Neue Erkenntnisse angewandt

Diese Ergebnisse wären noch vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen, denn, so der Forscher: Um den Hot-Spot zu finden bedurfte es des Wissens um die Verbindungen der Hirnneuronen und dies müsste mit Methoden der Genetik kombiniert werden. Diese Methoden und Informationen gebe es erst seit kurzem. Zuvor hatten die Forscher Mäuse auf Fragen zur Angstlösung hin untersucht, jetzt vergleichen sie diese Ergebnisse mit den Gehirnscans von Menschen und fanden heraus, dass bei Menschen die gleichen Erkenntnisse wirkten.

Bildgebende Verfahren

Magnetresonanztomographie und andere bildgebende Verfahren seien der Schlüssel, um neurobiologische Funktionen im Gehirn zu untersuchen, sagen die Forscher.

Was bringen die Ergebnisse für die Angsttherapie?

Die Wissenschaft kennt jetzt die Netzwerke der Neuronen, die den Effekt der BZDs hervorrufen. So können diese gezielt angesteuert werden. Möglich würden neue effektive Medikamente ohne die Nebenwirkungen derjenigen, die es heute gibt.

Weitergehende Perspektive

Bekannt ist: Alle psychischen Störungen basieren auf gemeinsamer molekularer Grundlage. Die Wissenschaftler sehen ihren Ansatz jetzt als Beginn einer neuen Strategie in der Psychiatrie. Die Psychiatrie brauche ein starkes biologisches Fundament, um die Auswirkungen psychoaktiver Arzneimittel exakt zu bestimmen. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen

  • https://doi.org/10.1038/s41380-018-0310-3
  • https://www.imp.ac.at/groups/wulf-haubensak/
  • http://www.viennabiocenter.org