In Rhododendren stecken Wirkstoffe für natürliche Antibiotika

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Rhododendron als mögliche Quelle für neue Antibiotika

Rhododendren zählen zu den beliebtesten Zierpflanzen in einheimischen Gärten. In anderen Ländern werden ihre Blüten und Blätter schon seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt. Deutsche Forscher sind davon überzeugt, dass in den Pflanzen auch Wirkstoffe für ein neues Antibiotikum stecken.


Gefährliche Antibiotika-Resistenzen

Die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen stellt für die Menschheit eine immer größere Gefahr dar. Wenn das Problem nicht bald unter Kontrolle gebracht wird, droht Forschern zufolge ein Schreckensszenario. Laut einer älteren Studie der Berliner Charité könnte es bis 2050 rund zehn Millionen Tote durch multiresistente Keime geben. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Regierungen und Experten bekannt gegeben, den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen verstärken zu wollen. Helfen könnte dabei möglicherweise eine Pflanze, die auch bei vielen Deutschen im Garten wächst.

Antibiotika-Resistenzen stellen eine zunehmende Gefahr für die medizinische Versorgung dar. Wirkstoffe aus der Natur könnten mögliche Alternativen zu den bisher verwendeten Substanzen sein. (Bild: nenetus/fotolia.com)

Rhododendren werden schon lange als Heilmittel verwendet

Rhododendren sind in deutschen Gärten eher als Zierpflanzen bekannt. In anderen Ländern werden die Pflanzen aber schon seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt.

Bereits römische Quellen berichten von der berauschenden Wirkung des Honigs der Pflanze, die ursprünglich aus dem Himalaja stammt, erklärte die Jacobs University Bremen in einer älteren Mitteilung.

Extrakte aus ihren Blättern und Wurzeln wurden schon in der traditionellen Medizin in Indien, der Türkei oder Indonesien zur Behandlung von Infektionen, zur Senkung von Fieber oder zur Linderung von Unwohlsein eingesetzt.

Eine intensive, wissenschaftliche Analyse ihrer Inhaltsstoffe und deren Wirkung gab es aber lange nicht.

Wirkstoffe für neue Arzneimittel

Doch seit einigen Jahren erforschen Wissenschaftler um Matthias Ullrich, Professor für Mikrobiologie an der Jacobs University Bremen, ob in den Pflanzen Wirkstoffe für neue Arzneimittel, etwa für Antibiotika oder für die Krebsbehandlung, enthalten sind.

Bereits 2014 erklärte der Mikrobiologe in der vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) veröffentlichten Mitteilung: „Wir sind mindestens einer neuartigen Substanz auf der Spur, die einmal als Antibiotikum eingesetzt werde könnte.“

Die Forscher berichteten damals, dass sie rund 600 verschiedene Substanzen extrahiert haben, von denen 120 genauer analysiert wurden.

„Mehrere haben eine klare antibakterielle Wirkung“, so Ullrich. „Wir wissen, was die neuen Substanzen können. Aber wir verstehen ihre Wirkungsweise noch nicht.“ Doch inzwischen hat das Forscherteam neue Erkenntnisse gewinnen können.

Hohe antibakterielle Aktivität

Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) auf seiner Webseite berichtet, haben die Bremer Forscher bislang rund 40 Substanzen mit einer hohen antibakteriellen Aktivität gefunden.

Diese wurden nun an lebenden menschlichen Haut- und Darmzellen auf gefährliche Nebenwirkungen geprüft. Den Angaben zufolge erwiesen sich dabei bislang vier der neuen Substanzen als völlig ungefährlich für menschliche Zellen.

Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass einige Substanzen aus dem Rhododendron auch Krebszellen angriffen und deren Vermehrung hemmten.

Die Forscher versuchen nun drei gegen Bakterien besonders wirksame Substanzen aus dem Rhododendron im Labor nachzubauen – als Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente.

Geringe Ausbeute

Laut dem NDR stellten die Wissenschaftler fest, dass jede einzelne Wildart der Rhododendren ihr eigenes Antibiotikum produziert. Vor allem Rhododendron collettianum wurde dabei hervorgehoben.

Aus zwei Kilogramm dieser Pflanze könne man 20 Milligramm Antibiotikum isolieren, was der Wochendosis für einen Patienten entspreche. Aufgrund der geringen Ausbeute müsste die Substanz gegebenenfalls künstlich hergestellt werden.

Doch dafür fehle das Geld. Die Pharmaindustrie zeige aufgrund der von einem Antibiotikum zu erwartenden kleinen Gewinnspanne kein Interesse. (ad)