Intervallfasten hilft beim Abnehmen – aber nicht besser als herkömmliche Diäten

Studie: Intervallfasten hat gegenüber herkömmlichen Diäten keinen Vorteil

Fett- oder Kohlenhydrat-reduzierte Diäten, Keto oder Paleo: Es gibt zahlreiche Abnehmprogramme, die schnelle Erfolge verheißen. Vor allem das sogenannte Intervallfasten soll zur raschen Gewichtsreduktion beitragen. Forscher berichten nun jedoch, dass diese Methode zum Abnehmen gegenüber herkömmlichen Diäten keinen Vorteil bietet.


Unterschiedliche Methoden zum Abnehmen

Menschen, die abnehmen wollen, versuchen dies oft mit den unterschiedlichsten Methoden. Manche reduzieren Fett auf ihrem Speiseplan, andere meinen, dass man durch Low-Carb-Diäten schneller schlank werden kann. Und einige wenige probieren es auch mit eher außergewöhnlichen Methoden wie der Paleo-Diät, bei der man wie in der Steinzeit speist. Es gibt aber Wissenschaftler, die meinen, solche Diäten bringen fast nichts, weil man aufgrund der Jojo-Effekte schnell wieder zunimmt. Dennoch gibt es immer wieder neue Abnehm-Methoden, die viele Anhänger finden. Ein relativ neuer Diättrend wird vielfach gelobt: Das Intervallfasten. Ist diese Methode aber tatsächlich besser als andere Diäten? Diese Frage wurde nun in einer neuen Studie beantwortet.

Intervallfasten liegt derzeit voll im Trend. Ist diese Methode zum Abnehmen aber tatsächlich besser geeignet als andere Diäten? Mit dieser Frage haben sich nun deutsche Forscher beschäftigt. (Bild: karepa/fotolia.com)

Intervallfasten liegt im Trend

Acht Stunden schlemmen und dafür die folgenden 16 Stunden hungern? Oder lieber gleich zwei ganze Tage fasten und dafür den Rest der Woche ohne Reue genießen?

Intervallfasten – besser bekannt als 16:8- oder 5:2-Diät – liegt voll im Trend. Zahlreiche populäre Ratgeberbücher zum Thema versprechen Gewichtsabnahme ohne Jojo-Effekt sowie eine nachhaltige Veränderung des Stoffwechsels und damit eine Verbesserung der Gesundheit.

Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt, das Intervall- oder intermittierende Fasten sei zur dauerhaften Gewichtsregulation nicht geeignet. Zudem fehle es an wissenschaftlich fundierten Untersuchungen zu den Langzeitfolgen dieser Diätform.

„Tatsächlich gibt es erst wenige kleinere Studien zum intermittierenden Fasten, die aber mit verblüffend positiven Effekten für die Stoffwechsel-Gesundheit aufwarten“, erklärt Ruth Schübel vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Mitteilung.

„Das hat uns neugierig gemacht und wir wollten wissen, ob sich diese Effekte auch in einer größeren Patientengruppe und über einen längeren Zeitraum nachweisen lassen.“

Abnehmmethode wissenschaftlich untersucht

Schübel untersuchte daher gemeinsam mit einem Team aus DKFZ-Forschern und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg mit der HELENA-Studie über einen Zeitraum von einem Jahr 150 übergewichtige und fettleibige Teilnehmer.

Die Probanden wurden bei Studienbeginn nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: Ein Drittel ernährte sich zwölf Wochen lang nach einer herkömmlichen Reduktionsdiät, bei der die tägliche Kalorienaufnahme um 20 Prozent gesenkt wird.

Eine zweite Gruppe verschrieb sich einem 5:2-Programm, mit dem sie über die gesamte Woche gesehen ebenfalls 20 Prozent der Nahrungskalorien einsparten.

Die Kontrollgruppe verfolgte keinen konkreten Diätplan, wurde jedoch, wie alle übrigen Studienteilnehmer, dazu motiviert sich an eine ausgewogene Ernährung zu halten, wie sie von der DGE empfohlen wird.

Im Anschluss an die eigentliche Diätphase dokumentierten die Forscher für insgesamt 38 weitere Wochen Gewicht und Gesundheitszustand der Studienteilnehmer.

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis, das im „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurde, mag für Anhänger des Intervallfastens ebenso überraschend wie ernüchternd sein.

Denn wie die HELENA-Wissenschaftler herausfanden, verbesserte sich der Gesundheitszustand durch beide Diätformen gleichermaßen.

„Bei den Probanden beider Gruppen verringerte sich mit dem Körpergewicht das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ebenso die Fettablagerungen in der Leber“, sagt Schübel.

Die Änderung der Fettverteilung im Körper der Studienteilnehmer ließ sich mithilfe einer speziellen, von Johanna Nattenmüller im Universitätsklinikum Heidelberg durchgeführten MRT-Bildgebung exakt ermitteln.

Die gute Botschaft dabei ist, dass schon ein kleiner Diäterfolg ein großer Gewinn für die Gesundheit ist:

Wer sein Körpergewicht um nur fünf Prozent reduziert, verliert demnach um die 20 Prozent des gefährlichen Bauchfetts und sogar über ein Drittel des Leberfetts – unabhängig von der Diätform.

Auch bei sämtlichen anderen analysierten Stoffwechselwerten sowie bei allen untersuchten Biomarkern und Genaktivitäten machten die Studienautoren keinen Unterschied zwischen beiden Diätformen aus.

„Just do it!“

Die HELENA-Studie untermauert die euphorischen Erwartungen an das Intervallfasten zwar nicht, doch sie zeigt auch, dass diese Methode nicht schlechter ist als eine herkömmliche Diät.

„Zudem scheint es, dass es einigen Menschen leichter fällt, an zwei Tagen sehr diszipliniert zu sein, statt jeden Tag Kalorien zu zählen und sich einzuschränken“, so Tilman Kühn, leitender Wissenschaftler der Studie.

„Um das neue Gewicht zu halten, bedarf es aber auch einer dauerhaften Ernährungsumstellung auf ausgewogene Kost nach den Empfehlungen der DGE“, erklärt der Experte.

Kühn interpretiert die Studienergebnisse so, dass es nicht vorrangig auf die Diätform ankomme, sondern vielmehr darauf, sich für eine Methode zu entscheiden und diese dann durchzuziehen.

„Darauf deutet auch eine aktuelle Studie hin, die Low Carb- und Low Fat-Diäten miteinander vergleicht, also ein Reduzieren der Kohlenhydrate versus einer Fettreduktion bei ansonsten ausgewogener Ernährung“, so Kühn.

Auch hier hatten die Studienteilnehmer mit beiden Methoden vergleichbare Effekte erzielt.

Das Credo des Wissenschaftler-Teams lautet daher: „Just do it!“ Denn Körper und Gesundheit profitieren auf jeden Fall von einer Gewichtsreduktion, sofern diese durch eine seriöse Diät und auf der Grundlage einer ausgewogenen Ernährung erfolgt. (ad)