ISGlobal-Studie: Etwa zwei Stunden Nahrungsabstinenz vor dem Schlafen verhindert Krebs

Alexander Stindt

Wie wirkt sich das Timing des Abendessens auf das Krebsrisiko aus?

Da in den letzten Jahren immer mehr Menschen an Krebs erkranken, suchen Mediziner intensiv nach Mitteln und Wegen, um uns vor Krebs zu schützen oder die Behandlung von Krebs zu verbessern. Forscher fanden jetzt heraus, dass ein Abendessen, welches mindestens zwei Stunden vor dem ins Bett gehen eingenommen wird, mit einem geringeren Risiko für Brust- und Prostatakrebs verbunden ist.


Die Wissenschaftler des Barcelona Institute for Global Health stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein frühes Abendessen oder ein Intervall von mindestens zwei Stunden zwischen Essen und Zubettgehen mit einem geringeren Risiko für Brust- und Prostatakrebs verbunden ist. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „International Journal of Cancer“.

Bestimmte Krebserkrankungen scheinen durch das Timing unseres Abendessens beeinflusst zu werden. Wenn Menschen zu spät vor dem ins Bett gehen ihr Abendessen genießen, ist dies scheinbar mit einem stärkeren Risiko für Brustkrebs und Prostatakrebs verbunden. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Abendessen zur richtigen Zeit senkte das Krebsrisiko um 20 Prozent

Insbesondere wenn Menschen ihr Abendessen vor 21 Uhr einnehmen oder mindestens zwei Stunden vor dem ins Bett gehen nichts mehr essen, haben sie ein um 20 Prozent geringeres Risiko für Brust- und Prostatakrebs, verglichen mit Menschen, die nach 22 Uhr zu Abend essen oder schnell nach ihrem Abendessen in Bett gehen, erläutern die Experten. Dies waren die wichtigsten Schlussfolgerungen einer neuen Studie des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal). Die Studie analysiert erstmals den Zusammenhang zwischen dem Risiko für Krebs und dem Zeitpunkt von Mahlzeiten und Schlaf.

Nahrungsaufnahmezeitpunkt wurde bisher meist nicht berücksichtigt

Frühere Studien über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs haben sich überwiegend auf Ernährungsmuster konzentriert, beispielsweise auf die Auswirkungen von rotem Fleisch, Obst und Gemüse und die Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme und Fettleibigkeit. Es wurden jedoch viele Faktoren nicht beachtet oder einfach zu wenig untersucht, welche den täglichen Akt des Essens betreffen, erklären die Mediziner. Dazu gehören beispielsweise der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die Aktivitäten, die Menschen vor und nach den Mahlzeiten machen.

Aktuelle Studie berücksichtigte auch den Chronotyp der Teilnehmer

Das Ziel der neuen Studie war es zu beurteilen, ob Essenszeiten mit dem Risiko von Brust-und Prostatakrebs (zwei der häufigsten Krebserkrankungen weltweit) verbunden sein könnten. Brustkrebs und Prostatakrebs gehören auch zu den am stärksten mit Nachtschichtarbeit, circadianer Störung und Veränderung der biologischen Rhythmen verbundenen Krebserkrankungen, erläutern die Wissenschaftler. Die aktuelle Studie bewertete den Lebensstil und den Chronotyp jedes Teilnehmers (ein individuelles Attribut, das mit der Präferenz für die Aktivität am Morgen oder Abend korreliert).

Welche Fragen mussten Probanden beantworten?

Die Studie umfasste die Daten von 621 Fällen von Prostatakrebs und 1.205 Fällen von Brustkrebs sowie die Daten von 872 Männern und 1.321 Frauen zur Kontrolle, welche zufällig aus primären Gesundheitszentren ausgewählt wurden. Die Fragen an die Probanden zielen beispielsweise auf den Essenszeitpunkt, Schlafgewohnheiten, Essgewohnheiten, die Einhaltung der Empfehlungen zur Krebsprävention und ihren sogenannten Chronotyp.

Ergebnisse sind besonders wichtig für Menschen in Südeuropa

„Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Bewertung der zirkadianen Rhythmen in Studien über Ernährung und Krebs“, erklärt Studienautor Manolis Kogevinas vom Barcelona Institute for Global Health in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse werden Auswirkungen auf Empfehlungen zur Krebsprävention haben, die derzeit die Mahlzeiten nicht berücksichtigen, fügt der Experte hinzu. Die Auswirkungen könnten besonders in Kulturen wie Südeuropa wichtig sein, wo Menschen häufig spät zu Abend essen.

Schlafzeitpunkt beeinflusst die Fähigkeit, Nahrung zu metabolisieren

„Weitere Forschung am Menschen ist notwendig, um die Gründe für diese Ergebnisse zu verstehen, aber alles deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt des Schlafes unsere Fähigkeit beeinflusst, Nahrung zu metabolisieren“, erklärt Studienautorin Dora Romaguera vom Barcelona Institute for Global Health in der Pressemitteilung. Beweise in Experimenten an Tieren hätten gezeigt, dass das Timing der Nahrungsaufnahme tiefgreifende Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Gesundheit der Lebensmittel hat, fügt Romaguera hinzu. (as)