Junge Mutter bekam nach Krebs-Fehldiagnose Chemotherapie und Brust-OP

Frau im grauen Top tastet ihre Brust ab

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Doppelmastektomie und Chemotherapie nach falscher Brustkrebsdiagnose

In Großbritannien wurde eine junge Mutter einer Chemotherapie sowie einer Doppelmastektomie unterzogen, nachdem Ärzte bei ihr fälschlicherweise eine aggressive Form von Krebs diagnostiziert hatten. Ein Sprecher der Klinik erklärte, dass „menschliches Versagen“ zu der Fehldiagnose geführt hatte.


Häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Viele Patientinnen müssen sich einer Chemotherapie mit belastenden Nebenwirkungen unterziehen. Doch schon seit langem wird von Gesundheitsexperten darauf hingewiesen, dass viele Patientinnen keine Chemotherapie bräuchten. Auch Sarah Boyle aus Großbritannien hätte diese Behandlung nicht nötig gehabt – denn sie war gar nicht an Krebs erkrankt.

Frau im grauen Top tastet ihre Brust ab
Eine junge Frau aus England wurde einer Chemotherapie sowie einer Doppelmastektomie unterzogen, bevor sich rausstellte, dass sie gar nicht an Krebs erkrankt war. (Bild: hanack/fotolia.com)

Aggressiven Brustkrebs diagnostiziert

Medienberichten zufolge hatte die nun 28-jährige Sarah Boyle aus der englischen Stadt Stoke-on-Trent Probleme, ihr Baby mit ihrer rechten Brust zu stillen.

Die junge Mutter begab sich deshalb ins Royal Stoke University Hospital, wo ihr nach einer Biopsie und einem Scan gesagt wurde, sie habe dreifach negativen Brustkrebs und müsse unbedingt behandelt werden.

Wie die „BBC“ berichtet, wurde die junge Frau ab Ende 2016 einer Chemotherapie sowie einer Doppelmastektomie unterzogen, bevor die Fehldiagnose bemerkt wurde.

Traumatisierende Erlebnisse

Die Behandlung und die Nachricht über die falsche Diagnose führten bei Frau Boyle zu einer Traumatisierung.

„Gesagt zu bekommen, Krebs zu haben, war schrecklich, aber dann alle Behandlungen und Operationen durchlaufen zu müssen, um zu erfahren, dass es unnötig ist, war traumatisierend“, sagte die junge Mutter.

Zudem erklärte sie, dass ihre Behandlung bedeutete, dass sie ihren zweiten Sohn nicht stillen konnte, und dass sie sich jetzt Sorgen über zukünftige gesundheitliche Komplikationen mache, einschließlich der Möglichkeit, dass sie „tatsächlich an Krebs erkrankt“.

Zu hoffen bleibt, dass sie auch in Zukunft an Früherkennungsuntersuchungen teilnimmt, denn laut einer Studie werden nach einer Fehldiagnose künftige Untersuchungen oft vernachlässigt.

Und leider sind solche falschen Diagnosen wahrlich nicht selten, wie auch der sogenannte Heidelberg-Skandal in Deutschland gezeigt hat.

Außergewöhnliche Fehldiagnose

Das Krankenhaus, das Frau Boyle behandelte, entschuldigte sich.

„Eine Fehldiagnose dieser Art ist außergewöhnlich selten und wir verstehen, wie verheerend dies für Sarah und ihre Familie war“, so ein Sprecher des University Hospital of North Midlands NHS Trust, in einer Mitteilung.

Die Patientin verfolgt nun einen Rechtsanspruch gegen den Trust, der die Haftung eingeräumt hat.

„Letztendlich war die fehlerhafte Biopsie ein menschlicher Fehler. Als zusätzliche Sicherheit werden alle invasiven Krebsdiagnosen jetzt von einem zweiten Pathologen überprüft“, erklärte der Sprecher.

Und: „Sarah steht weiterhin in regelmäßigem Kontakt mit dem klinischen Team, das sie behandelt hat, und sie steht jederzeit zur Verfügung, um etwaige laufende Bedenken zu besprechen.“ (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen: