Kopfverletzungen erhöhen das Demenz-Risiko noch Jahrzehnte später

Junge nach Fahrradunfall

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Schwere Kopfverletzungen können Jahre später zu ernsthaften Problemen führen

Bereits eine einzige schwere Kopfverletzung kann Jahrzehnte später zu einer Schädigung des Gehirns führen, auch wenn sich Betroffene eigentlich vollständig erholt haben. Dies könnte die Entstehung von Demenz und Alzheimer begünstigen.


Bei der aktuellen Untersuchung des Imperial College London wurde festgestellt, dass eine einzige schwere Kopfverletzung auch noch Jahrzehnte später zu Schäden am Gehirn führen kann. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ publiziert.

Junge nach Fahrradunfall
Schwere Unfälle und Sportverletzungen, bei denen der Kopft betroffen ist, können das Risiko für Demenz und Alzheimer erhöhen. (Bild: ehrenberg-bilder/fotolia.com)

Alzheimer durch eine traumatische Hirnverletzung?

Bei der Studie wurde die sogenannte Positronenemissionstomographie verwendet, um die Biochemie von 21 Männern und Frauen zu untersuchen, die vor 18 bis 35 Jahren durch einen Unfall oder Angriff eine traumatische Hirnverletzung erlitten hatten. Alle gesammelten Daten wurden mit einer demografisch und pädagogisch abgestimmten Kontrollgruppe von elf Personen ohne Vorerkrankung verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, welche eine traumatische Hirnverletzung erlitten hatten, mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit an schädlichem Tau-Protein im Gehirn leiden als die Kontrollgruppe oder die Allgemeinbevölkerung. Die Bildung von Tau wird zunehmend als Schlüsselindikator für die Entwicklung einer Neurodegeneration eingeschätzt, auf die wahrscheinlich Alzheimer oder eine andere Form von Demenz folgt, berichten die Forschenden. Die Menschen mit einer ehemaligen traumatischen Hirnverletzung schnitten auch schlechter bei Kontrollen des Gedächtnisses und kognitiven Tests ab.

Sport kann zu schweren Hirnverletzungen führen

Eine einzige mittelschwere bis schwere Verletzung des Kopfes kann bereits einen Prozess auslösen, der im späteren Leben zu chronischer Neurodegeneration und Demenz führt. Das Risiko für eine Neurodegeneration scheint dosisabhängig zu sein, entweder durch eine einzelne schweren Hirnverletzung oder durch wiederholte Exposition gegenüber kleineren Verletzungen wie beim American Football und einigen anderen Sportarten, erklärt die Forschungsgruppe. Die Arten von Verletzungen in der Studiengruppe waren schwerwiegend genug, um die Patienten einige Tage im Krankenhaus zu belassen, aber sie waren nicht lebensbedrohlich. Einige Monate später war eine Erkrankung nicht mehr festzustellen, fügen die Forschenden hinzu.

Methylphenidat zur Behandlung von Hirnverletzungen?

Eine separate Studie, welche in der Fachzeitschrift „Brain“ veröffentlicht wurde, stellte fest, dass bei etwa einem Drittel der Menschen, die an einer kognitiven Beeinträchtigung nach einer schweren Hirnverletzung leiden, nach der Behandlung mit Methylphenidat eine deutliche Verbesserung eintritt. Für diese Studie wurden 40 Personen untersucht, die an den kognitiven Folgen einer Hirnverletzung litten. Eine zufällige Hälfte der Teilnehmenden wurde ausgewählt, um Methylphenidat einzunehmen, die andere Hälfte erhielt lediglich ein Placebo. Das Medikament steigerte die Stimmung und die Wahrnehmung bei etwa einem Drittel der Patienten, die es einnahmen, jedoch nicht in der Placebogruppe. Es konnte festgestellt werden, dass einige Teilnehmende besonders von Methylphenidat profitierten. Wenn Menschen ungewöhnlich geringe Dopaminwerte aufwiesen, zeigte Methylphenidat eine verbesserte Wirkung, welche bei anderen Opfern von Kopfverletzungen nicht zu beobachten war. Menschen mit langfristigen kognitiven Schäden durch Hirnverletzungen könnten auf dieser Basis getestet werden, um festzustellen, ob sie von einer Behandlung mit Methylphenidat profitieren würden. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Nikos Gorgoraptis, Lucia M. Li, Alex Whittington, Karl A. Zimmerman, Linda M. Maclean et al.: In vivo detection of cerebral tau pathology in long-term survivors of traumatic brain injury, in Science Translational Medicine (Abfrage: 05.09.2019), Science Translational Medicine
  • Peter O Jenkins, Sara De Simoni, Niall J Bourke, Jessica Fleminger, Gregory Scott et al.: Stratifying drug treatment of cognitive impairments after traumatic brain injury using neuroimaging, in Brain (Abfrage: 05.09.2019), Brain

Wichtiger Hinweis:
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