Lichttherapie erfolgreich gegen Depressionen

Eine Lichttherapie ist erfolgreich gegen winterliche Depressionen

Winterdepression, der „Winterblues“, liegt oft an einem Vitamin D Mangel oder einem zu hohen Ausstoß von Melatonim, ausgelöst durch fehlendes Sonnenlicht. Dagegen soll eine Lichttherapie helfen.


Dunkle Jahreszeit

Wenn wir uns ab Anfang November antriebslos fühlen, uns der „Herbstblues“ überfällt, dann liegt das weniger an der „Herbstatmosphäre“ generell, sondern am damit verbundenen Mangel an Sonnenlicht.

Gerade im Winter sollten Sie so viel wie möglich ins Freie, um Licht zu tanken. Bei einer Winterdepression hilft zusätzlich eine Therapie mit Lichtlampen. (Bild: schankz/fotolia.com)

Die affektive Winterstörung

An einem wolkenlosen Sommertag sind bis zu 100.000 Lux ausgesetzt, an einem düsteren Tag Mitte Dezember nur noch 3500 Lux. Eine Winterdepression ist eine saisonale affektive Störung. Auf deutsch gesagt: Wir haben seelische Probleme und körperliche Beschwerden wie bei einer Depression, und deren Auslöser ist die Jahreszeit beziehungsweise der Lichtmangel in dieser Jahreszeit.

Wann handelt es sich nicht um eine Winterdepression?

Um die depressiven Stimmungen im Winter (nur selten handelt es sich um eine klinische Depression) als Winterdepression zu diagnostizieren, müssen erst einmal andere Auslöser ausgeschlossen werden: Durchleiden die Betroffenen zum Beispiel gerade eine Trennungskrise, dann wäre eine andere Ursache möglich – ebenso bei gleichartigen Symptomen im Sommer.

Woran lässt sich eine Winterdepression erkennen?

Typisch für eine Winterdepression ist, dass die Symptome ohne sonstige mögliche Auslöser Anfang November bis Dezember beginnen und sich, ebenfalls ohne sonstige Auslöser Ende März/Anfang April wieder legen.

Nur eine Befindlichkeit?

Wir reden im Volksmund ebenso vom „Winterblues“ wie wir fahrlässig „ich bin depressiv“ sagen, wenn wir frustriert sind. Bei einer Winterdepression gibt es indessen leichte, mittelschwere und schwere Formen. Die schweren Fälle sind mit hohem Leidensdruck verbunden.

Hormone und Tageslicht

Der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich mit der Länge des Tageslichts. Je früher die Dunkelheit einsetzt, umso mehr verändert sich der Pegel der Hormone Serotonin und Melatonin.

Was bewirken die Hormone?

Serotonin und Melatonin wirken zusammen. Serotonin ist unser „Wohlfühlhormon“ und Melatonin organisiert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Es wird am Abend ausgeschüttet, sprich, wenn es dunkel wird. Sinkt jetzt das Serotonin schon am Nachmittag und steigt der Melatoninspiegel, fühlen wir uns weniger „glücklich“ und zugleich müde.

Melatonin bei Winterdepression

Bei Menschen, die an einer Winterdepression leiden, lässt sich folgendes feststellen: Während bei Gesunden auch im Winter der Melatoninspiegel erst ansteigt, wenn sie abends zu Bett gehen, ist er bei den Winterdepressiven den ganzen Tag über viel höher als bei den Nichtbetroffenen. Abends steigt er nur noch wenig. Die Folge: Die Betroffenen sind tagsüber müde und können nachts kaum schlafen.

Was macht die Lichttherapie?

Die Lichttherapie ersetzt jetzt das fehlende Licht und senkt so am Tag den Melatoninspiegel. Künstliches Licht wandert am frühen dunklen Morgen ins Zwischenhirn und von dort gleicht sich die Produktion des Melatonins aus.

Wie geht es?

Betroffene sollten Lampen mit einer Lichtintensität von 10.000 Lux einsetzen und in maximal 80 cm Entfernung morgens eine Stunde vor der Lampe sitzen. Dabei sollten sie sich regelmäßig direkt dem Licht zuwenden. Das hält sie keineswegs davon ab, während dieser Stunde zu lesen oder am Laptop zu arbeiten.

Gefahr für die Augen?

Die eingesetzten medizinischen Lichtlampen senden weißes Licht des gesamten Spektrums aus und sind für die Augen unschädlich.

Schnelle Genesung

Die Lichttherapie wirkt gegen eine Winterdepression bereits nach wenigen Tagen. Die Betroffenen sollten sich eine eigene Lampe zulegen, denn die Therapie wirkt nur, wenn die Patienten sie von November bis März durchgehend einsetzen. Schon nach ein paar Tagen beginnt die Depression sonst von neuem.

Zusätzliche Medikamente?

Circa die Hälfte aller Winterdepressiven, die eine Lichttherapie machten, brauchen keine zusätzlichen Medikamente.

Lichttherapie als Vorbeugung?

Eine Lichttherapie hat keine Nebenwirkung, auch deswegen lässt sie sich gut einsetzen, bevor die ersten Symptome eintreten. Umgekehrt gilt: Je schwerer die Depression erst einmal geworden ist, umso schwieriger lässt sie sich heilen.

Eine chronische Erkrankung?

Winterdepression ist vermutlich keine Erkrankung, die das ganze Leben andauert. Die meisten Patienten sind zwischen 30 und 50 Jahre, nur sehr wenige jung und nur einige älter als 65 Jahre.

Ab nach draußen

Gefährdete ebenso wie Gesunde sollten jedoch nicht einfach eine Lichttherapie machen, ohne das natürliche Licht zu nutzen. Im Winter ist es kalt, nass und trüb. Trotzdem sollten Sie nicht den ganzen Tag auf dem warmem Sofa sitzen, sondern so viel wie möglich im Hellen rausgehen. 3500 Lux an einem Dezembertag sind zwar weit weniger als im Sommer, aber immer noch weit mehr als die circa 500 Lux in einem Bürojob am Fenster. (Dr. Utz Anhalt)