Lungenerkrankungen im mittleren Alter erhöhen das Demenz-Risiko

Wie wirkt sich die Gesundheit der Lunge auf das Demenz-Risiko aus?

Um das Risiko für Demenz zu begrenzen, sollten wir besser auf die Gesundheit unserer Lunge achten. Forscher fanden jetzt heraus, dass wenn Menschen im mittleren Lebensalter an Lungenkrankheiten leiden, dadurch das Risiko für Demenz im späteren Alter erhöht wird.


Die Wissenschaftler der University of Minnesota School of Public Health stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine Lungenkrankheit im mittleren Lebensalter zu einem erhöhten Risiko für Demenz im späteren Alter führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“.

Lungenerkrankungen im mittleren Alter erhöhen das Risko der Betroffenen, in ihrem späteren Leben an Demenz zu erkranken. (Bild: RFBSIP/fotolia.com)

Was sind restriktive und obstruktive Lungenerkrankungen?

Demenz bezieht sich auf eine Reihe von neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen das Gedächtnis und andere kognitive Fähigkeiten einer Person abnehmen.

Mediziner untersuchten jetzt, wie sich Lungenerkrankungen auf das Risiko für Demenz auswirken. Die Studie zeigt, dass es sowohl bei restriktiven und obstruktiven Lungenerkrankungen Zusammenhänge mit Demenz beziehungsweise einem Risiko für kognitive Beeinträchtigungen gibt. Ärzte verwenden den Begriff restriktive Lungenkrankheiten, wenn sich die Lunge nicht ausdehnen kann. Zu diesen Erkrankungen gehören idiopathische Lungenfibrose, bei der die Lunge Narben aufweist, und Sarkoidose, bei der etwas Lungengewebe anormal geschwollen ist. Bei obstruktiven Lungenerkrankungen ist der Luftstrom in oder aus der Lunge beeinträchtigt. Die häufigste Form einer obstruktiven Lungenerkrankung ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Eine schlechte Gesundheit der Lunge ist oftmals vermeidbar

Die Prävention von Demenz ist eine Priorität der öffentlichen Gesundheit. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass eine schlechte Lungengesundheit, die oftmals vermeidbar ist, mit einem höheren Risiko für Demenzerkrankungen verbunden ist, erklärt Studienautorin Dr. Pamela Lutsey von der University of Minnesota’s School of Public Health.

Daten von über 14.000 Probanden wurden ausgewertet

Die Forscher arbeiteten bei ihrer Studie mit den Daten von 14.184 Personen mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren, welche aus der Atherosclerosis Risk in Communities Study (ARIC) stammten. Alle Teilnehmenden wurden einer sogenannten Spirometrie unterzogen, einem Standardtest, den Ärzte häufig zur Diagnose von Lungenerkrankungen verwenden. Durchschnittlich überwachten die Forscher die Entwicklung der Gesundheit der Probanden über einen Zeitraum von 23 Jahren. In dieser Zeit erhielten 1.407 Personen eine Demenz-Diagnose.

Wie stark war das Risiko für Demenz erhöht?

Nach der Analyse all dieser Daten stellten die Autoren der aktuellen Studie fest, dass Personen, welche während des mittleren Lebensalters an einer Lungenerkrankung litten, ein erhöhtes Risiko für Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigungen aufwiesen, obwohl das Risiko bei Menschen mit restriktiven Lungenerkrankungen noch höher war. So hatten Personen mit restriktiven Lungenerkrankungen im mittleren Lebensalter ein um 58 Prozent höheres Risiko für Demenz oder kognitive Beeinträchtigungen im späteren Leben, verglichen mit Menschen ohne Lungenerkrankungen. Bei obstruktiven Lungenerkrankungen bestand ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko.

Was wurde untersucht?

Die Forscher fanden auch einen Zusammenhang zwischen dem Risiko für Demenz und niedrigen Bewertungen bei zwei Spirometrie-Beurteilungen: Erzwungenes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde (FEV1) und erzwungene Vitalkapazität (FVC). FEV1 misst, wie viel Luft eine Person innerhalb einer Sekunde kräftig ausatmen kann, während FVC die Größe der Lunge einer Person bestimmt, erklären die Wissenschaftler.

Niedriger Sauerstoffgehalt im Blut kann Entzündungen fördern

Warum können kognitive Probleme mit den Symptomen der Atemwege zusammenhängen? Die Forscher glauben, dass die Erklärung in der Tatsache liegen kann, dass Menschen mit Lungenerkrankungen einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut haben. Diese Tatsache könne zu abnormalen Entzündungen im Körper führen und zu einer Schädigung der Blutgefäße im Gehirn beitragen, fügen die Experten hinzu.

Weitere Forschung ist nötig

Die Forschenden gestehen ein, dass es bei ihrer Studie eine Reihe von Einschränkungen gab, einschließlich der Tatsache, dass die Lungenfunktion der Teilnehmenden nur bei Studienbeginn getestet wurde und viele dieser Personen starben, bevor die Mediziner die Möglichkeit hatten, sie auf Demenz zu untersuchen. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können die Ergebnisse nicht beweisen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Lungenerkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz besteht, sagen die Experten. Wenn weitere Versuche eine Kausalität nachweisen, könnte dies jedoch öffentliche Initiativen fördern, welche versuchen die Luftqualität zu verbessern und Menschen dabei unterstützen, das Rauchen aufzugeben. (as)