Mediziner: Magnesium- und Kaliummangel können massive Schäden am Herz anrichten

Welche Folgen haben Kalium- und Magnesium für das Herz?

Viele Menschen leiden an einem Mineralstoffmangel, ohne davon zu wissen. Liegt ein Mangel an Kalium und Magnesium vor, kann dies jedoch dramatische Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben, warnen Experten der Deutschen Herzstiftung in einer aktuellen Mitteilung. Aufgrund des erhöhten Risikos sollten insbesondere bei Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Nierenerkrankungen und Einnahme bestimmter Herzmedikamente die Kalium- und Magnesiumwerte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.


Durch einen Mangel an Kalium und Magnesium werden Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen begünstigt, so die Experten der Deutschen Herzstiftung. Daher gelte es einem entsprechenden Mangel durch Zuführung von Kalium und Magnesium entgegenzuwirken. Allerdings ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass ihre Werte bei diesen Mineralstoffen zu niedrig liegen. Regelmäßige ärztliche Kontrollen wären hier insbesondere für bestimmte Risikogruppen geboten.

Magnesium- und Kaliummangel können fatale Auswirkungen auf das Herz haben. (Bild: abhijith3747/fotolia.com)

Mineralstoffe mit entscheidendem Einfluss auf die Herzfunktion

Kalium und Magnesium sind für eine normale Herzfunktion wichtig, weil sie die Herzzellen elektrisch stabilisieren, erläutert die Deutsche Herzstiftung. Die Mineralstoffe bilden elektrische Impulse in den Herzzellen und sind für die Signalübertragung zwischen den Zellen von entscheidender Bedeutung, so die Fachgesellschaft weiter. „Stabilisierend wirken Kalium und Magnesium allerdings nur, wenn ihre Konzentration im Normbereich liegt“, betont Professor Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Der Normbereich liege bei Kalium zwischen 3,6 und 4,8 mmol/l, bei Magnesium bei 0,7 bis 1,05 mmol/l – mit geringen Abweichungen je nach Labormethode.

Erhöhte Anfälligkeit für Herzrhythmusstörungen

Bei Unterschreitung der unteren Grenzwert führen Kaliummangel (Hypokaliämie) und Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) in den Zellen zu einer verstärkten Erregbarkeit der Zellmembrane, was zur Folge hat, dass sich verstärkt Extraschläge des Herzens (Extrasystolen) bilden, erläutern die Experten. Das Herz werde dadurch anfälliger für Rhythmusstörungen in den Vorhöfen (Vorhofflimmern) und den Herzkammern. Schlimmstenfalls könne extremer Magnesiummangel das lebensbedrohliche Kammerflimmern begünstigen.

Symptome bei Kalium- und Magnesiummangel

Als weitere Symptome bei Kaliummangel nennt die Deutsche Herzstiftung Beschwerden wie Ermüdbarkeit, Muskelschwäche und Verstopfung. Magnesiummangel könne seinerseits zu Symptomen wie Muskelzittern, Muskelschwäche und Muskelkrämpfen führen.

Wann sollten die Kalium- und Magnesiumwerte kontrolliert werden?

Regelmäßige Kontrollen der Konzentration von Kalium und Magnesium im Blut sind laut Aussage der Experten vor allem bei Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Nierenerkrankungen und bestimmten Herz- und Bluthochdruckmedikamenten angebracht, um sich vor möglichen Komplikationen bis hin zu Vorhofflimmern und lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen wie Kammerflimmern zu schützen.

Auch gelte es bei vorliegenden Herzrhythmusstörungen die Kalium- und Magnesiumwerte „hochnormal“ einzustellen (z. B. auf einen Kaliumwert von 4,4 mmol/l und einen Magnesiumwert von 0,9 mmol/l). In manchen Fällen könne so die Herzrhythmusstörung beseitigt werden, doch häufig müsse nach anderen Ursachen gesucht und die Rhythmusstörung selbst behandelt werden, erläutert Professor Götte.

Ernährung mit erheblichem Einfluss

Zum Ausgleich des Kalium- und Magnesiummangels kann bereits eine veränderte Ernährung einen erheblichen Beitrag leisten. Normalerweise erhalte der Körper durch die Nahrung genug Kalium und Magnesium. Gute Kaliumlieferanten seien vor allem getrocknete Aprikosen und getrocknete Bananen sowie Gemüse wie Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Erbsen, weiße Bohnen und Linsen, so Professor Götte. Gute Lieferanten von Magnesium seien Trockenobst, Bohnen, Linsen, Getreideprodukte und Nüsse.

Auch starkes Schwitzen kann einen Mangel an wichtigen Mineralstoffen auslösen. (Bild: bernardbodo/fotolia.com)

Ursachen des Mineralstoffmangels

Laut Aussage des Experten können jedoch auch Nierenfunktionsstörungen, Durchfallerkrankungen, übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln, Erbrechen, Fieber und starkes Schwitzen zu einem erheblichen Verlust von Kalium und Magnesium beitragen. So könne beispielsweise bei Patienten mit Herzschwäche die Einnahme wassertreibender Diuretika den Verlust an Elektrolyten beschleunigen. Als weitere Faktoren, die zum Absinken des Kalium- und Magnesiumspiegels beitragen können, seien sommerliche Hitze, übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes und Gallenwegserkrankungen zu nennen.

Warnung vor eigenmächtiger Magnesium- und Kaliumzufuhr

Zwar sollte wegen der erhöhten Anfälligkeit der Herzmuskelzellen für Rhythmusstörungen der Magnesium- bzw. Kaliummangel ausgeglichen werden, allerdings warnen die Experten vor einer Einnahme von Kalium- und Magnesiumpräparate ohne ärztliche Rücksprache. „Grundsätzlich sollten Kalium und Magnesium nur eingesetzt werden, wenn im Labor ein Mangel daran festgestellt wurde“, betont Professor Götte. Lassen sich die Normwerte nicht durch eine magnesium- und kaliumreiche Ernährung erreichen, sollten nicht Nahrungsergänzungsmittel, sondern Medikamente zum Einsatz kommen, so der Experte weiter.

Wie wird der Mangel behoben?

Bei Kaliummangel kommt demnach am besten Kalium als Kaliumchlorid (40 mmol pro Tag) zum Einsatz und bei Magnesiummangel Magnesiumaspartat oder Magnesiumcitrat (10 mmol pro Tag). Professor Götte erläutert weiter, dass Kaliummangel effektiv nur ausgeglichen werden kann, wenn die Magnesiumwerte im Normbereich liegen. Ein Magnesiummangel verstärke die Symptome eines Kaliummangels.

Auch erhöhte Werte sind schädlich

Zu der umgekehrten Variante – einem Überschuss der beiden Mineralstoffe – berichtet die Deutsche Herzstiftung, dass ein zu hoher Magnesiumspiegel eher selten vorkomme, wohingegen ein zu hoher Kaliumspiegel deutlich häufiger sei. Dieser habe zur Folge, dass die Erregbarkeit der Schrittmacher- und Herzmuskelzellen abnimmt, so dass das Herz langsamer schlägt. Bei extrem hohem Kaliumspiegel könne die Verlangsamung so weit gehen, dass das Herz gar nicht mehr schlägt und ein Herzstillstand eintritt.

Was kann zu überhöhten Kalium- und Magnesiumwerten führen?

Als Ursache für eine zu hohe Kaliumkonzentration im Blut nennt die Deutsche Herzstiftung eine akute Nierenschwäche, aber auch Medikamente, die für die Behandlung von Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzt werden wie ACE-Hemmer, Sartane und vor allem Aldosteronantagonisten. Auch durch kaliumsparende Diuretika könne es zu Erhöhungen des Kaliumspiegels kommen. Daher seien in diesen Fällen die Kaliumwerte und die Nierenfunktion regelmäßig zu kontrollieren. Bei lebensbedrohlich überhöhten Werten von Kalium und Magnesium könne zum Beispiel durch die Gabe von Diuretika oder eine Dialysebehandlung der Kalium- oder Magnesiumspiegel gesenkt werden.

Bei Einnahme welcher Arznei sollte eine Überwachung erfolgen?

Eine Überwachung der Kaliumwerte und der Nierenfunktion ist laut Angaben der Deutschen Herzstiftung bei Einnahme folgender Arzneien dringend angeraten:

  • Diuretika (Entwässerungsmittel),
  • ACE-Hemmer,
  • Sartane oder ARNI (Valsartan/Sacubitril),
  • Aldosteronantagonisten,
  • kaliumsparende Diuretika (Entwässerungsmittel),
  • Digitalispräparate (Digoxin und Digitoxin).

Die Kontrollen sollten jeweils vor Beginn der Therapie, vor Änderung der Dosierung und in den darauffolgenden zwei Wochen sowie anschließend in halbjährlichen Messungen erfolgen. Die Überwachung der Kalium- und Magnesiumwerte sei dabei besonders wichtig für Herzschwäche-Patienten. Denn bei ihnen könne eine Herzrhythmusstörung zu einer gefährlichen Verschlechterung der Herzschwäche, schlimmstenfalls zum Herzversagen führen, warnt die Deutsche Herzstiftung. (fp)