Mundwasser kann blutdrucksenkende Wirkung von Sport erheblich verringern

Frau spült mit einem kleinen Becher Mundwasser

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Gesundheitliche Vorteile von Sport werden durch Mundspülungen beeinträchtigt

Es ist lange bekannt, dass regelmäßige Bewegung dazu beiträgt, den Blutdruck zu senken. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun aber gezeigt, dass die blutdrucksenkende Wirkung von Sport erheblich verringert wird, wenn Mundwasser verwendet wird.


Laut neuen Forschungsergebnissen können die gesundheitlichen Vorteile durch Sport durch den Gebrauch von Mundwasser beeinträchtigt werden. Die von der University of Plymouth (Großbritannien) in Zusammenarbeit mit dem Center of Genomic Regulation in Barcelona (Spanien) durchgeführte Studie zeigt die Bedeutung von Mundbakterien für die kardiovaskuläre Gesundheit. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Free Radical Biology and Medicine“ veröffentlicht.

Frau spült mit einem kleinen Becher Mundwasser
In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass die Verwendung von Mundwasser die blutdrucksenkende Wirkung von Sport deutlich reduziert. (Bild: Christoph Hähnel/fotolia.com)

Durchblutung der aktiven Muskeln wird erhöht

Laut dem Hauptautor Dr. Raul Bescos von der Universität von Plymouth war bereits bekannt, dass beim Training die Produktion von Stickstoffmonoxid den Durchmesser der Blutgefäße vergrößert und die Durchblutung der aktiven Muskeln erhöht. Was jedoch rätselhaft blieb, ist, wie die Durchblutung nach dem Training höher bleibt, was wiederum eine blutdrucksenkende Reaktion auslöst, die als Hypotonie (niedriger Blutdruck) nach dem Sport bekannt ist.

„Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Stickoxid nicht an dieser Reaktion nach dem Training beteiligt war – und nur während des Trainings -, aber die neue Studie stellt diese Ansichten in Frage“, erklärte der Forscher in einer Mitteilung. „Das hat alles damit zu tun, dass Stickstoffmonoxid zu einer Verbindung namens Nitrat abgebaut wird, von der jahrelang angenommen wurde, dass sie keine Funktion im Körper hat. Die Forschung in den letzten zehn Jahren hat jedoch gezeigt, dass Nitrat in die Speicheldrüsen aufgenommen und dort mit Speichel ausgeschieden werden kann“, sagte Bescos.

„Einige Bakterienarten im Mund können Nitrat in Nitrit umwandeln – ein sehr wichtiges Molekül, das die Produktion von Stickstoffmonoxid im Körper fördern kann. Und wenn Nitrit im Speichel verschluckt wird, wird ein Teil dieses Moleküls schnell wieder zu Stickoxid. Dies hilft, eine Erweiterung der Blutgefäße aufrechtzuerhalten, die zu einer anhaltenden Senkung des Blutdrucks nach dem Training führt.“

Wenn Nitrat nicht mehr in Nitrit umgewandelt werden kann

„Wir wollten herausfinden, ob die Blockierung der Fähigkeit von Nitrat, sich durch Hemmung oraler Bakterien in Nitrit umzuwandeln, Auswirkungen auf die Hypotonie nach dem Training hat“, so der Wissenschaftler. Für die Studie wurden 23 gesunde Erwachsene gebeten, insgesamt 30 Minuten lang bei zwei verschiedenen Gelegenheiten auf einem Laufband zu laufen. Danach wurden sie zwei Stunden lang überwacht.

Jeweils 1, 30, 60 und 90 Minuten nach dem Training wurden sie gebeten, den Mund mit einer Flüssigkeit zu spülen – entweder mit antibakteriellem Mundwasser (0,2 Prozent Chlorhexidin) oder mit einem Placebo aus Wasser mit Minzgeschmack. Weder die Forscher noch die Teilnehmer wussten, mit welcher Flüssigkeit sie spülten.

Ihr Blutdruck wurde gemessen und Speichel und Blutproben wurden vor dem Training und 120 Minuten nach dem Training entnommen. Während des Trainings und der Erholungsphase war außer Wasser kein Essen oder Trinken erlaubt, und keiner der Studienteilnehmer hatte Probleme mit der Mundgesundheit.

Blutdrucksenkende Wirkung des Trainings nahm ab

Die Studie ergab, dass bei den Probanden, die mit dem Placebo gespült hatten, die durchschnittliche Senkung des systolischen Blutdrucks eine Stunde nach dem Training -5,2 mmHg betrug. Als die Teilnehmer jedoch mit dem antibakteriellen Mundwasser gespült hatten, betrug die durchschnittliche Senkung des systolisches Blutdruck zum gleichen Zeitpunkt -2,0 mmHg.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die blutdrucksenkende Wirkung des Trainings in der ersten Erholungsstunde um mehr als 60 Prozent abnahm und zwei Stunden nach dem Training vollständig aufhörte, wenn den Teilnehmern das antibakterielle Mundwasser verabreicht wurde.

Frühere Ansichten legten auch nahe, dass die Hauptquelle für Nitrit im Kreislauf nach dem Training Stickstoffmonoxid war, das während des Trainings in den Endothelzellen (Zellen, die die Blutgefäße auskleiden) gebildet wurde. Die neue Studie stellt dies jedoch in Frage. Wenn die Probanden mit antibakteriellem Mundwasser spülten, stiegen ihre Blutnitritwerte nach dem Training nicht an. Erst wenn die Teilnehmer das Placebo verwendeten, stieg der Nitritspiegel im Blut an, was darauf hindeutet, dass orale Bakterien zumindest während der ersten Erholungsphase nach dem Training eine wichtige Quelle dieses Moleküls im Kreislauf sind.

Antibakterielle Mundspülungen können den Blutdruck erhöhen

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Nitritsynthese durch orale Bakterien von enormer Bedeutung ist, um die Reaktion unseres Körpers auf körperliche Betätigung in der ersten Erholungsphase anzukurbeln und den Blutdruck zu senken und die Sauerstoffversorgung der Muskeln zu verbessern“, so Craig Cutler, Co-Autor der Studie, der die Forschung im Rahmen seiner Promotion an der University of Plymouth durchführte.

„Tatsächlich ist es so, als ob orale Bakterien der „Schlüssel“ zur Erweiterung der Blutgefäße sind. Wenn sie entfernt werden, kann kein Nitrit erzeugt werden und die Gefäße bleiben in ihrem aktuellen Zustand“, so der Forscher.

„Bisherige Studien zeigen, dass antibakterielle Mundspülungen den Blutdruck unter Ruhebedingungen tatsächlich erhöhen können. Daher wurde in dieser Studie der Einfluss des Mundspülens auf die Auswirkungen des Trainings untersucht. Der nächste Schritt besteht darin, die Auswirkung des Trainings auf die Aktivität oraler Bakterien und die Zusammensetzung oraler Bakterien bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko genauer zu untersuchen. Langfristig könnte die Forschung in diesem Bereich zur effizienteren Behandlung von Bluthochdruck beitragen.“ (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • University of Plymouth: Mouthwash use could inhibit benefits of exercise, new research shows, (Abruf: 04.09.2019), University of Plymouth
  • Free Radical Biology and Medicine: Post-exercise hypotension and skeletal muscle oxygenation is regulated by nitrate-reducing activity of oral bacteria, (Abruf: 04.09.2019), Free Radical Biology and Medicine

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.