Ohne Stress und Schweiß: Bereits leichte körperliche Aktivitäten halten das Gehirn fit

Alfred Domke

Schon ein Minimum an Training verbessert die Gedächtnisfunktion

Schon ein Minimum an Sport dient unserer Gesundheit: So hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass bereits moderate regelmäßige Bewegung dazu beitragen kann, die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit zu reduzieren. Zudem helfen leichte körperliche Aktivitäten, das Gehirn fit zu halten, wie sich nun in einer Studie zeigte.


Regelmäßige Bewegung hält uns gesund

Gesundheitsexperten rufen immer wieder dazu auf, den Bewegungsmuffel in sich zu überwinden und Sport zu treiben. Schließlich trägt regelmäßige Bewegung dazu bei, den Körper zu kräftigen und sich vor Krankheiten zu schützen. Schon länger ist bekannt, dass körperliche Fitness nicht nur das Herz, sondern auch das Gehirn jung hält. Und dafür ist es nicht mal nötig, sich ständig schweißtreibendem Training hinzugeben. Denn wie Forscher nun herausgefunden haben, profitiert das Gehirn bereits von einem Minimum an körperlichen Aktivitäten.

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass bereits ein Minimum an Bewegung dabei hilft, das Gehirn fit zu halten und die Gedächtnisfunktion zu verbessern. (Bild: upixa/fotolia.com)

Demenz-Risiko reduzieren

Häufig wird dazu geraten, sich regelmäßig zu bewegen, um das Alzheimer-Risiko im Alter zu reduzieren.

Zu viel sollte es allerdings offenbar nicht sein, denn wie sich in einer Studie britischer Wissenschaftler zeigte, könnte intensiver Sport die Entwicklung einer Demenz sogar fördern.

Leichte Bewegung hingegen ist wirksam gegen Demenz, wie deutsche Experten vor kurzem berichteten.

Und auch in einer neuen Studie gibt es Hinweise darauf, dass bereits leichtes Training das Gehirn fit hält und die Gedächtnisfunktion verbessert.

Schon leichte Trainingseinheiten fördern das Gehirn

Menschen, die etwas Yoga oder Tai Chi treiben, erinnern sich wahrscheinlich eher daran, wo sie ihre Schlüssel ablegen.

Denn wie Forscher von der University of California in Irvine (UCI) und der japanischen Universität von Tsukuba herausgefunden haben, erhöhen selbst sehr leichte Trainingseinheiten die Konnektivität zwischen Teilen des Gehirns, die für die Gedächtnisbildung und Speicherung verantwortlich sind.

Wie es in einer Mitteilung der US-amerikanischen Uni heißt, entdeckten die Wissenschaftler in einer Studie an 36 gesunden jungen Erwachsenen, dass eine einzige 10-minütige Phase leichter Anstrengung erhebliche kognitive Vorteile bringen kann.

Mittels hochauflösender funktioneller Magnetresonanztomographie untersuchte das Team die Gehirne der Probanden kurz nach den Trainingseinheiten und sah eine bessere Verbindung zwischen dem Gyrus dentatus im Hippocampus und der Großhirnrinde.

Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachmagazin „Proceedings der National Academy of Sciences“ veröffentlicht.

Die Datenerhebung für die Studie fand in Japan statt und die Analyse wurde sowohl in Japan als auch in Irvine (US-Bundesstaat Kalifornien) durchgeführt.

Die Studie wurde von UCI-Professor Michael Yassa und Hideaki Soya, Professor für Gesundheits- und Sportwissenschaften an der Universität von Tsukuba, geleitet.

Positive Ergebnisse innerhalb von zehn Minuten

„Der Hippocampus ist entscheidend für die Schaffung neuer Erinnerungen; es ist eine der ersten Regionen des Gehirns, die sich mit zunehmendem Alter verschlechtern – und bei der Alzheimer-Krankheit noch viel stärker“, sagte der Co-Leiter der Studie, UCI-Professor Michael Yassa.

„Die Verbesserung der Funktion des Hippocampus ist sehr vielversprechend, um das Gedächtnis im Alltag zu verbessern.“

Frühere Forschungen haben sich laut Yassa darauf konzentriert, wie Sport die Generierung neuer Gehirnzellen in Gedächtnisregionen fördert.

Dies sei auch in der aktuellen Studie nicht außer Acht gelassen worden, doch habe man vor allem die verstärkte Kommunikation zwischen Gedächtnis-fokussierten Teilen des Gehirns beobachtet.

„Was wir beobachteten, war, dass diese 10-minütigen Trainingseinheiten unmittelbar danach Ergebnisse zeigten“, so Yassa.

Verbesserung des Gedächtnisses

Schon mit ein bisschen körperlicher Aktivität kann man viel erreichen, betonte Yassa. „Es ist ermutigend zu sehen, dass mehr Menschen ihre Bewegungsgewohnheiten verfolgen – indem sie beispielsweise die Anzahl der Schritte überwachen, die sie machen“, sagte der Forscher.

„Selbst kurze Pausen während des Tages, die zum Gehen genutzt werden, können erhebliche Auswirkungen auf die Verbesserung von Gedächtnis und Wahrnehmung haben.“

Yassa und seine Kollegen an der UCI und an der Universität von Tsukuba erweitern ihre Forschung, indem sie ältere Erwachsene testen, die ein höheres Risiko für altersbedingte geistige Beeinträchtigungen haben.

Sie wollen langfristige Interventionen durchführen, um festzustellen, ob sich regelmäßige, kurze, leichte Übungen, die täglich über mehrere Wochen oder Monate hinweg durchgeführt werden, positiv auf die Struktur und Funktion des Gehirns auswirken.

„Es liegt auf der Hand, dass es sehr wichtig ist zu verstehen, welches Übungskonzept am besten bei älteren Menschen funktioniert, damit wir Empfehlungen geben können, um den kognitiven Verfall abzuwenden“, sagte Yassa. (ad)