Schlafmangel erhöht Hunger auf ungesunde und fettreiche Lebensmittel

Junge Frau liegt mit geöffneten Augen im Bett

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Zunehmen durch falsche Ernährung nach Schlafmangel?

Wenn wir schlecht geschlafen haben, nehmen wir häufiger ungesunde Lebensmittel zu uns. Aber warum sehnen wir uns nach einer Nacht mit Schlafproblemen nach kalorienreichen und fettreichen Lebensmitteln und wie können wir einen Heißhunger auf solche Lebensmittel verhindern?


Bei einer aktuellen Untersuchung der Northwestern University Feinberg School of Medicine wurde jetzt analysiert, warum Menschen nach einer schlaflosen Nacht Hunger auf fettreiche und kalorienreiche Lebensmittel haben. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „eLife“ veröffentlicht.

Junge Frau liegt mit geöffneten Augen im Bett
Bei Schlafstörungen und Schlafmangel erhöht sich der Hunger auf ungesunde Lebensmittel. (Bild: drubig-photo/fotolia.com)

Welche Rolle spielte der Geruchssinn?

Der Geruchssinn wird durch Schlafentzug beeinflusst. Schlafentzug schärft beispielsweise die Wahrnehmung von Gerüchen, so kann das Gehirn besser zwischen dem Geruch von Essen und anderen Gerüchen unterscheiden. Es gibt aber auch einen ZUsammenhang in der Kommunikation mit anderen Hirnarealen, welche Nahrungssignale empfangen. Damit ändert sich die Entscheidung, was für Lebensmittel verzehrt werden.

Auswirkungen von Schlafproblemen

Wenn Personen unter Schlafproblemen leiden, erhalten diese Hirnareale möglicherweise nicht genügend Informationen und überkompensieren, indem sie Nahrung mit reicherer Energiedichte auswählen, erläutern die Forschenden. Es sei zudem möglich, dass diese anderen Bereiche im Gehirn die Signale im olfaktorischen Kortex nicht berücksichtigen. So werde sich die betroffene Person bei der Nahrungsaufnahme möglicherweise eher für ungesunde Lebensmittel entscheiden.

Was sind Endocannabinoide?

Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass der Mangel an Schlaf bestimmte Endocannabinoide erhöht, die auf natürliche Weise vom Körper produziert werden und für das Ernährungsverhalten wichtig sind. Zusätzlich beeinflussen sie, wie das Gehirn auf Gerüche reagiert. Durch diese Auswirkungen fragten sich die Forschenden, ob Änderungen in der Nahrungsaufnahme nach Schlafmangel damit zusammenhängen, wie das Gehirn auf Nahrungsgerüche reagiert und ob dies auf Veränderungen bei den Endocannabinoiden zurückzuführen ist. Mit anderen Worten: Was bringt unser Gehirn dazu, anders als normal zu reagieren, und was beeinflusst unsere Auswahl der Nahrungsaufnahme?

Teilnehmende wurden in zwei Gruppen unterteilt

Diese Frage wurde in einem zweiteiligen Experiment mit 29 Männern und Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren untersucht. Die Teilnehmenden wurden zunächst in zwei Gruppen eingeteilt. Erst durften die Menschen normal schlafen, dann vier Wochen später durften die Personen nur noch vier Stunden pro Nacht schlafen. Bei der zweiten Gruppe verlief der Versuchsaufbau umgekehrt. Jeden Morgen bekamen die Teilnehmenden ein kontrolliertes Menü für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Zusätzlich wurden den Teilnehmenden verschiedene Snacks angeboten. Dabei wurde gemessen, wie viel Lebensmittel und Kalorien die Teilnehmenden zu sich nahmen.

Teilnehmende veränderten durch Schlaflosigkeit ihre Nahrungsauswahl

Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmenden ihre Nahrungsauswahl änderten. Bei Schlafentzug nahmen sie Lebensmittel mit höherer Energiedichte (mehr Kalorien pro Gramm) zu sich. Die Forschenden maßen auch die Blutwerte von zwei Endocannabinoidverbindungen, 2AG und 2OG, bei den Teilnehmenden. 2OG war nach Schlaflosigkeit erhöht und dieser Anstieg war mit Veränderungen in der Nahrungsauswahl verbunden.

Schlaflosigkeit ändert die Aktivität im piriformen Kortex stark

Zusätzlich wurde auch die funktionelle Magnetresonanztomographie verwendet, um Veränderungen im piriformen Kortex zu untersuchen. Dafür wurden die Teilnehmenden verschiedenen Lebensmittelgerüchen und Nicht-Lebensmittel-Gerüchen ausgesetzt. Diese kortikale Hirnregion wird von der Nase beeinflusst. Die Forschenden stellten fest, dass sich die Aktivität im piriformen Kortex zwischen Nahrungsmittelgerüchen und Nicht-Lebensmittelgerüchen mehr unterschied, wenn die Teilnehmenden unter Schlaflosigkeit litten. Der piriforme Kortex sendet normalerweise Informationen an ein anderes Hirnareal, die sogenannte Inselrinde. Dieses Hirnareal empfängt Signale, welche für die Nahrungsaufnahme wichtig sind, beispielsweise zu Geruch und Geschmack und wie viel Nahrung im Magen vorhanden ist.

Fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirnregionen führt zu veränderter Nahrungsaufnahme

Die Inselrinde eines schlaflosen Menschen zeigte eine verminderte Konnektivität (ein Maß für die Kommunikation zwischen zwei Gehirnregionen) mit dem piriformen Kortex. Der Grad dieser Verringerung stand im Zusammenhang mit der Zunahme von 2-OG und damit, wie sehr die Teilnehmenden ihre Nahrungsauswahl geändert haben, wenn ihnen der Schlaf entzogen wurde. Wenn der piriforme Kortex nicht richtig mit der Insula kommuniziert, dann beginnen die Menschen, mehr energiereiche Nahrung zu sich zu nehmen, berichten die Forschenden.

Wie lässt sich die veränderte Nahrungsaufnahme durch Schlafmangel verhindern?

Menschen sollten darauf achten, ausreichend Schlaf zu bekommen. Außerdem sollte bei der Nahrungsaufnahme berücksichtigt werden, wie unsere Nase unsere Nahrungsauswahl beeinflusst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schlafentzug unser Gehirn anfälliger für verlockende Essensgerüche macht. Wenn Sie also das nächste mal eine schlaflose Nacht hinter sich haben, könnte es durchaus sinnvoll sein, Fast-Food-Läden aus dem Weg zu gehen. (as)

Autor:
Alexander Stindt
Quellen:
  • Surabhi Bhutani, James D Howard, Rachel Reynolds, Phyllis C Zee, Jay Gottfried et al.: Olfactory connectivity mediates sleep-dependent food choices in humans, in eLife (Abfrage: 09.10.2019), eLife

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.