Schlagen und treten im Schlaf – Gewalttätige Schlafstörungen durch Antidepressiva?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Studie identifiziert Risikofaktoren für sogenannte REM-Schlafstörung

Manche Menschen leiden unter einer sogenannten REM-Schlafstörung, die mit scheinbar aggressivem Verhalten wie Schreien, Treten und Schlagen im Schlaf verbunden ist. In einer aktuellen Studie hat ein kanadisches Forschungsteam nun bislang unbekannte Risikofaktoren für diese besondere Form der Schlafstörungen identifiziert.


„Die Einnahme von Antidepressiva gegen Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder von Ärzten diagnostizierte Angstzustände sind Risikofaktoren für eine störende und manchmal gewalttätige Schlafstörung, die auch als REM-Schlafstörung bezeichnet wird“, berichten Studienautor Ronald Postuma und Kollegen von der McGill University in Montreal. Ihre aktuellen Studienergebnisse haben sie in der Online-Ausgabe des Fachmagazins „Neurology“ veröffentlicht.

Wilde Schläge und Tritte im Schlaf sind ein typisches Anzeichen der REM-Schlafstörung. (Bild: juniart/fotolia.com)

Was ist eine REM-Schlafstörung?

Der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement; schnelle Augenbewegungen) ist die Traumphase des Schlafs. „Während des normalen REM-Schlafs sendet Ihr Gehirn Signale, um zu verhindern, dass sich Ihre Muskeln bewegen, doch bei Menschen mit einer REM-Schlafstörung sind diese Signale gestört“, erläutern die Experten. Betroffene zeigen im Zuge ihrer Träume daher ungewöhnliche Verhaltensweisen: Sie brüllen, schlagen mit den Armen um sich oder treten, bis sie sich selbst oder einen Schlafpartner verletzen.

Mehr als 30.000 Personen untersucht

Bisher ist über die REM-Schlafstörung vieles noch nicht bekannt. So sind auch die Risikofaktoren weitgehend unklar. In der aktuellen Studien versuchten die Forschenden hier Licht ins Dunkel zu bringen. Dafür wurden 30.097 Menschen im Durchschnittsalter von 63 Jahren untersucht. Die Forschenden überprüften eine Vielzahl von Gesundheitsfaktoren und fragten auch nach Lebensstil, Verhalten, sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Aspekten. Im Zuge der Untersuchungen konnten sie 958 Personen (3,2 Prozent der Probanden) mit einer möglichen REM-Schlafstörung identifizieren. Teilnehmende mit einer Parkinson-Krankheit, Demenz, Alzheimer oder Schlafapnoe wurden dabei ausgeschlossen.

Identifizierte Risikofaktoren

Die weiteren Auswertungen ergaben, dass die Betroffenen mehr als zweieinhalb Mal häufiger als Probanden ohne Schlafstörung berichteten, Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen einzunehmen. Auch seien sie zweieinhalbmal häufiger von einer posttraumatischen Belastungsstörung betroffen und hatten doppelt so häufig eine psychische Erkrankung und mehr als eineinhalbmal so häufig psychische Probleme, berichten die Forschenden.

Männer häufiger als Frauen betroffen

Des Weiteren hat die Studie gezeigt, dass Männer doppelt so häufig wie Frauen von einer REM-Schlafstörung betroffen sind. Auch scheint der Alkoholkonsum eine Rolle zu spielen. Menschen mit einer möglichen REM-Schlafstörung waren um 25 Prozent häufiger als Menschen ohne Schlafstörung mäßige bis starke Alkoholkonsumenten. Zudem hatten die Betroffenen eine etwas geringere Bildung, ein niedrigeres Einkommen und waren öfter Raucher, so die Studienautoren weiter.

Basis für weitere Forschung

Ein eindeutiger Kausalzusammenhang zwischen den Risikofaktoren und der REM-Schlafstörung kann mit der Studie allerdings nicht belegt werden. „Unsere Forschung zeigt nicht, dass diese Risikofaktoren eine REM-Schlafstörung verursachen, sie zeigt nur, dass sie mit ihr verbunden sind“, so der Studienleiter Postuma. Die neuen Erkenntnisse könnten jedoch als Basis zukünftiger Forschung dienen und zu einem besseren Verständnis der REM-Schlafstörung beitragen, betont der Experte. Da die REM-Schlafstörung in engem Zusammenhang mit zukünftigen neurodegenerativen Erkrankungen steht, könnten in einem nächsten Schritt möglicherweise auch Erkrankungen wie Parkinson verhindert werden, hoffen die Wissenschaftler. (fp)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.