Sind plastikfressende Bakterien eine Lösung für Umweltprobleme?

Plastikfressende Bakterien sind weit verbreiteter als bislang angenommen

Die Eintrag von Plastikmüll in die Umwelt stellt ein massives Problem dar, auch weil sich die Mikropartikel in zahlreichen Lebewesen anreichen und so in die Nahrungskette gelangen. Grundsätzlich sind hier neue Ansätze des Recyclings ebenso gefragt, wie die Berücksichtigung der stofflichen Verwertung bereits im Rahmen der Produktion und die Müllvermeidung. Vorhandene Belastungen müssen zudem abgebaut werden. Hier könnten plastikfressende Bakterien helfen, von denen es laut einer aktuellen Studie weit mehr gibt, als bislang angenommen.


„Kunststoffe wie PET (Polyethylenterephalat), aus dem Flaschen oder Verpackungen bestehen, werden nur zu einem geringen Teil recycelt, der Großteil gelangt in die Umwelt“, mahnen Wissenschaftler der Universität Hamburg. Hoffnung auf einen beschleunigten Abbau weckte vor rund zwei Jahren die Entdeckung eines Bakteriums, das Kunststoff angreift und zersetzt. Nun konnten Forscher der Universität Hamburg nachweisen, dass weit mehr plastikfressende Bakterienarten existieren, als bislang angenommen. Ihre Studienergebnisse wurden in dem Fachjournal „Applied and Environmental Microbiology“ veröffentlicht.

Der Plastikmüll ist ein massives Umweltproblem. Plastikfressende Bakterien zersetzen Kunststoffe und könnten hier die Belastung verringern. (Bild: kranidi/fotolia.com)

Eine Kunststoffflasche ist erst nach 450 Jahren zersetzt

In der Umwelt werden die Kunststoffe nur sehr langsam abgebaut und entsprechend findet eine zunehmende Anreicherung statt, welche über die Nahrungskette auch uns Menschen betrifft. Bis zu 450 Jahre dauert es, bis eine Kunststoffflasche sich aufgelöst hat, berichtet die Universität Hamburg unter Berufung auf das Umweltbundesamt. Plastikfressende Bakterien könnten diese Prozess möglicherweise beschleunigen.

Viele Bakterienarten verantwortlich für den Kunststoffabbau

Das Forscherteam um Prof. Dr. Wolfgang Streit vom Biozentrum Klein Flottbek der Universität Hamburg hat sich auf die Suche nach solchen Bakterien gemacht und hierfür das Erbgut von Bakterien aus verschiedenen Lebensräumen zu Land und im Wasser analysiert. Die Auswertung mithilfe von globalen Datenbanken ergab, „dass viele Bakterien mitverantwortlich für den Abbau von PET sein können und dass die beteiligten Bakterien von ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung vielfältiger sind, als bisher angenommen“, so die Mitteilung der Universität.

Abbau erfolgt prinzipiell sehr langsam

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Abbauprodukte, welche in den Bakterien beim Abbau des Kunststoffs entstehen und die daran beteiligten Enzyme. Sie entdeckten nach eigenen Angaben „mehrere hundert neuartige Enzyme, die so genannten PET-Hydrolasen“, welche offensichtlich eine entscheidende Rolle spielen. „Wir waren überrascht, dass die beteiligten Bakterienarten viel diverser sind, als bisher angenommen“, betont Prof. Streit. Die nun vorgelegte Charakterisierung von vier ausgewählten PET-Hydrolasen erweitere das Verständnis von den Abbaumechanismen. Allerdings habe sich auch bestätigt, „dass der Abbau von PET durch die Bakterien prinzipiell sehr langsam ist“; so der Studienleiter weiter. (fp)