Sommerzeit: Durch Hitze sinkt unsere Denkfähigkeit signifikant

Wie wirkt sich Hitze auf die kognitiven Fähigkeiten aus?

Zur Sommerzeit steigen die Temperaturen an. Wie wirken sich die höheren Temperaturen auf die Leistung des Gehirns aus? Forscher fanden jetzt heraus, dass extreme Hitze negative Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten haben kann. Diese halten sogar noch an, wenn die Temperaturen bereits wieder gesunken sind.


Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard T.H. Chan School of Public Health stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass sich extreme Hitze negativ auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „PLOS Medicine“.

Hohe Temperaturen im Sommer führen dazu, dass bei Menschen die Wahrnehmung und die kognitiven Fähigkeiten reduziert werden. (Bild Thaut Images/fotolia.com)

Hohe Temperaturen beeinflussen die Wahrnehmung

Die Studie konzentrierte sich auf die Auswirkungen intensiver Hitzeperioden auf teilnehmende Studenten. Natürlich war bereits bekannt, dass extreme Wetterbedingungen (beispielsweise Hitzewellen) die körperliche Gesundheit negativ beeinflussen können, sagen die Experten. Dies gilt insbesondere für die Gesundheit älterer Menschen. Die aktuelle Studie ist jedoch eine der ersten, die nahe legt, dass hohe Temperaturen unabhängig vom Lebensalter auch die Wahrnehmung beeinflussen können, erläutern die Forscher.

Studie umfasste 44 Probanden

Im Rahmen der Studie wurden 44 Studenten in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde in einem Gebäude mit Klimaanlage untergebracht, während die andere Gruppe in einem Gebäude untergebracht wurde, welches keine Klimaanlage hatte. Die Studie dauerte 12 Tage und wurde auf dem Höhepunkt des Sommers 2016 durchgeführt. Die ersten fünf Tage der Studie waren saisonal warm, gefolgt von einer fünftägigen Hitzewelle. Die verbleibenden zwei Tage der Studie markierten eine signifikante Abkühlungsdauer.

Wie wurde die Untersuchung durchgeführt?

Bei der aktuellen Untersuchung mussten alle Probanden nach dem Aufwachen jeden Morgen einen kurzen Test auf ihrem Smartphone machen. Die Studenten ohne Klimaanlage schnitten dabei schlechter ab. Zusätzlich verschlechterten sich auch fünf verschiedene Maße der Wahrnehmung. Wenn die Probadnen grundlegende arithmetischen Fragen beantworten sollten, erzielten die Teilnehmenden ohne Klimaanlage 13,3 Prozent niedrigere Werte, verglichen mit Probanden mit einer Klimaanlage. Zusätzlich dauerte es 13,4 Prozent länger, um auf einen Test zu reagieren, bei dem die Teilnehmenden die Farbe bestimmter Wörter im Text identifizieren mussten.

Einfluss der Hitzewellen bleibt nach Temperaturabfall bestehen

Als in den verbleibenden zwei Tagen der Studie die Temperaturen abkühlten, setzte sich die Wirkung fort. Dies deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass der Einfluss einer Hitzewelle zumindest gewisse Zeit nach einem Temperaturabfall bestehen bleiben kann, was teilweise auf die Bauart von Gebäuden zurückzuführen sei. Gebäude wurden häufig so konzipiert, dass sie die Wärme speichern, erläutern die Experten. Eine solche Bauart hat natürlich unangenehme Folgen, wenn man bedenkt, dass amerikanische Erwachsene 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, fügen die Autoren der Studie hinzu. Vieles deute darauf hin, dass Menschen in den wärmeren Monaten an beeinträchtigter Wahrnehmung leiden, ohne ihre Situation oder die Ursachen zu erkennen. Da der Klimawandel dazu führt, dass die Temperaturen weiter ansteigen, könnte das Problem bald noch gravierender werden.

Die Bevölkerung muss informiert werden

Die an der Studie beteiligten Forscher hoffen, dass mehr Menschen sich Sorgen über den Klimawandel machen, wenn sie auf die persönlichen Auswirkungen von extremer Hitze und Erderwärmung aufmerksam gemacht werden. Wenn den Menschen klargemacht wird, wie sich Klimaveränderungen auf individueller Ebene auswirken, könnte dies die Menschen dazu veranlassen, sich aktiver für die Bekämpfung des Klimawandels einzusetzen, betonen die Wissenschaftler. (as)