Sonne tut gut: Stimmungsaufhellung durch Licht

Zwei Menschen liegen bei Sonnenschein auf einer Wiese

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Sonnenschein: Licht sorgt für bessere Stimmung

Wohl jeder Mensch hat schon erlebt, dass sich bei Sonnenschein die Stimmung verbessert. Gesundheitsexperten zufolge hat dieser Effekt aber nichts damit zu tun, wie stark und wie lange wir unsere Haut dem Sonnenlicht aussetzen.


Viel Sonnenschein in den vergangenen Wochen

In den vergangenen Tagen und Wochen wurden wir wahrlich mit ausreichend Sonnenschein versorgt. Zwar setzte die lang anhaltende Hitzewelle vielen Menschen gesundheitlich auch zu, doch bei den meisten dürften die Sonnenstrahlen für gute Stimmung gesorgt haben. Doch warum wirkt Sonnenlicht eigentlich stimmungsaufhellend? Darüber klärt die hkk Krankenkasse auf ihrer Webseite auf.

Zwei Menschen liegen bei Sonnenschein auf einer Wiese
Dass Sonne gut tut, weiß Jeder aus eigener Erfahrung. Experten erklären, warum Sonnenschein unsere Stimmung verbessert. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Krank durch zu wenig Licht

Laut den Experten gibt es Hinweise, dass der regelmäßige Aufenthalt in der Sonne Menschen mit einer ernsthaften Depression hilft, besser durchs Leben zu kommen.

Erkenntnisse aus den skandinavischen Ländern zeigen, dass es dabei gar nicht nur darum geht, sich überhaupt aufzuraffen und die eigenen vier Wände zu verlassen.

Denn in Island, Norwegen, Schweden und Finnland leiden während der dunklen Jahreszeit rund 20 Prozent an einer sogenannten Winterdepression, die in Fachkreisen als Seasonal Affective Disorder (SAD) bezeichnet wird.

Die Erkrankung ist aber nicht zu verwechseln mit einer echten Depression. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Störung, die zu temporärer Antriebslosigkeit, Müdigkeit, und – untypisch für echte Depressionen – zu verlängerter Schlafdauer, Heißhunger auf Süßes sowie Gewichtszunahme führt.

Der hkk zufolge kommt SAD umso häufiger vor, je weiter man sich in den Norden begibt. Denn dort sind die Tage im Winter besonders kurz.

Da sich mit dem Frühling das Krankheitsbild verflüchtigt, ist es laut der Krankenkasse offensichtlich, dass es einen Zusammenhang mit dem Sonnenlicht gibt.

Auswirkungen auf die Psyche

Wie die Experten weiter erläutern, wirkt das Licht indirekt auf die menschliche Psyche – und zwar über den Umweg unseres Hormonhaushalts.

In unseren Augen befinden sich spezielle Rezeptoren, die gar nicht zum Sehen benötigt werden und teilweise auch bei Blinden funktionieren.

Ab einer gewissen Lichtintensität senden diese Rezeptoren Impulse an die Zirbeldrüse, zu deren Aufgaben es gehört, das Schlafhormon Melatonin zu produzieren. Wenn diese Impulse ausbleiben, läuft die Melatonin-Produktion auf vollen Touren.

Folglich werden wir bei Lichtmangel müde und schläfrig. Der Organismus signalisiert uns so, dass es Zeit ist, Schlafen zu gehen.

Das besondere an diesen Impulsen ist, dass sie vollständig ausbleiben, wenn die Lichtintensität unter ein bestimmtes Niveau fällt – gerade so, als würde man einen Schalter umlegen.

Für die Lichtintensität ist dabei nicht nur eine bestimmte Helligkeit gefragt, sondern auch die Zusammensetzung des Lichts spielt eine wichtige Rolle.

So hat das Tageslicht am Morgen und zur Mittagszeit einen deutlich höheren Blauanteil als in den Abendstunden – oder als die meisten künstlichen Lichtquellen.

Bewusst nehmen wir diese farblichen Unterschiede kaum wahr, da unser Gehirn automatisch einen sogenannten Weißabgleich durchführt – so wie die meisten modernen Kameras auch. Aber die unbewussten Auswirkungen sind erheblich.

Wenn am Tag die benötigte Lichtintensität nicht erreicht wird, um die Melatonin-Produktion der Zirbeldrüse zu unterbinden, fühlen wir uns zwangsläufig müde und antriebslos. Dazu kann es auch leicht kommen, wenn man den ganzen Tag in geschlossenen Räumen verweilt.

Bildung des Wohlfühlhormons Serotonin wird angeregt

Wenn man sich aber hinaus in die Sonne begibt, erhält die Zirbeldrüse umgehend entsprechende Signale.

Das Organ stoppt die Melatonin-Produktion und regt stattdessen die Bildung des Hormons Serotonin an, das als Wohlfühlhormon gilt und die Stimmung aufhellt.

Wir werden also nicht nur wach und munter, sondern bekommen darüber hinaus auch gute Laune! Zudem verbessert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus, weil das Sonnenlicht bewirkt, dass wir uns tagsüber lebendiger fühlen und den Tag entsprechend aktiv gestalten.

So stellt sich auch die Müdigkeit am Abend zuverlässiger ein. Wenn die Melatonin-Produktion durch das Licht für mehrere Stunden unterdrückt wurde, steigt sie am Abend deutlich an, wodurch wir schnell (ein-)schlafen können.

Keine Sonnenbäder nötig

Wie die hkk schreibt, sind keine Sonnenbäder notwendig, um den psychisch wohltuenden Effekt des Tageslichts zu nutzen.

Denn die entsprechenden Lichtrezeptoren sitzen nicht in der Haut, sondern in den Augen. Es genügt bereits ein Spaziergang unter freiem Himmel. Und das funktioniert auch, wenn dieser von einer leichten Wolkendecke verschleiert ist.

Zur Stimmungsaufhellung ist außerdem gar nicht unbedingt das Sonnenlicht notwendig. Die entsprechende Lichtzusammensetzung und -intensität, die die Rezeptoren in den Augen aktiviert, lässt sich auch mit künstlichen Lichtquellen erzeugen.

Möglich ist dies mit sogenannten Vollspektrumlampen, die in den nordischen Ländern erfolgreich zur Vorbeugung und Behandlung von Winterdepressionen eingesetzt werden.

Im Frühling und im Sommer macht es aber Sinn, das Tageslicht zu nutzen. Schon ein halbstündiger Aufenthalt draußen hat einen durchschlagenden Effekt auf unseren Hormonhaushalt – und damit auch auf unser psychisches Gleichgewicht. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • hkk Krankenkasse: Bessere Stimmung durch Licht, (Abruf: 02.07.2019), hkk Krankenkasse