Stress lässt das Gehirn schrumpfen

Wie wirkt sich Stress im mittleren Alter aus?

Stress kann negative Auswirkungen auf Körper und Geist haben. Forscher fanden jetzt heraus, dass Stress im mittleren Lebensalter sogar das Gehirn schrumpfen lassen kann und das Gedächtnis verschlechtert.


Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard Medical School stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Stress sich sehr negativ auf das Gehirn und das Gedächtnis auswirkt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Neurology“.

Stress durch das Berufsleben ist in der heutigen Zeit weit verbreitet. Forscher stellten fest, dass Stress das Gehirn verkleinern kann und sich zusätzlich auch negativ auf das Gedächtnis auswirkt. (Bild: Kaspars Grinvalds/fotolia.com)

Hohe Cortisolspiegel können auf ein Risiko für Demenz hinweisen

Die das Gedächtnis reduzierenden Effekte durch Stress, welche bei Menschen ohne Demenz zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr festgestellt wurden, hängen mit dem Stresshormon Cortisol zusammen. Hohe Niveaus des Hormons können ein Frühwarnzeichen dafür sein, dass Betroffene im späteren Leben Demenz entwickeln.

Was können Betroffene mit erhöhten Cortisolwerten tun?

Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 2.231 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren, welche nicht an Demenz erkrankt waren. Bei der Studie konnte ein Abbau des Gedächtnis und sogar eine Schrumpfung des Gehirns festgestellt werden, erklärt Studienautor Dr. Justin Echouffo-Tcheugui von der Harvard Medical School in Boston. Deshalb sei es besonders wichtig, dass Menschen Wege finden, um ihren Stress abzubauen, wie beispielsweise ausreichend Schlaf, moderates Training und Entspannungstechniken. Sie können auch ihren Arzt zu ihrem Cortisolspiegel befragen und dann gegebenenfalls ein Cortisol reduzierendes Medikament einnehmen. Ärzte sollten unbedingt alle Patienten mit einem höheren Cortisolspiegel ausreichend über mögliche Auswirkungen beraten, fügen die Forscher hinzu.

Welche Untersuchungen wurden an den Teilnehmenden durchgeführt?

Zu Beginn der Studie wurden bei jedem Probanden die Gedächtnis- und Denkfähigkeiten überprüft. Acht Jahre später wurde ein solcher Test erneut durchgeführt. 2.018 Teilnehmende wurden zusätzlich einer sogenannten Magnetresonanztomographie unterzogen, um so das Volumen ihres Gehirns zu messen.

Ein hoher Cortisolspiegel war mit einem kleineren Hirnvolumen verbunden

Die Ergebnisse wurden dann an Alter, Geschlecht, Rauchen und Körpermasse angepasst. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass Personen mit höheren Cortisolspiegeln niedrigere Werte bei Gedächtnis- und Denktests erzielten. Darüber hinaus hatten Probanden mit einem höheren Cortisolspiegel ein kleineres Hirnvolumen, wobei Teilnehmende mit hohen Cortisolwerten einen Gehirnanteil von 88,5 Prozent des gesamten Schädelvolumens aufwiesen. Bei Menschen mit einem normalen Hormonspiegel lag der Gehirnanteil bei 88,7 Prozent des gesamten Schädelvolumens

Welche Aufgabe hat Cortisol?

Cortisol wird von den Nebennieren produziert. Das Hormon wird vom als Reaktion auf Stress ausgeschüttet. Das sogenannte Stresshormon kann auch dabei helfen, Entzündungen zu reduzieren, Blutzucker und Blutdruck zu kontrollieren, den Stoffwechsel zu regulieren und die Immunantwort zu unterstützen. Hohe Cortisolspiegel können durch Stress, Erkrankungen oder Medikamente verursacht werden. Cortisol beeinflusst viele verschiedene Funktionen, daher ist es wichtig vollständig zu untersuchen, welche Auswirkungen hohe Spiegel des Hormons auf das Gehirn haben können, fügt Dr. Echouffo-Tcheugui hinzu. (as)