Studie belegt positive Gesundheitseffekte durch Bewegung bis ins hohe Alter

Bewegung bringt positive Gesundheitseffekte bis ins höhere Alter

Menschen, die sich auch bis ins hohe Alter regelmäßig bewegen, können ihren persönlichen Alltag besser und länger bewältigen, bleiben selbständiger und sind nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie.


Bewegung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewegt sich rund ein Viertel der Menschen zu wenig. Auch die Mehrheit der Deutschen sind Bewegungsmuffel. Und das obwohl regelmäßige Bewegung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit hat. Die gesundheitlichen Vorteile durch körperliche Aktivitäten sind gerade auch für ältere Menschen wichtig, Das zeigt auch eine neue Studie österreichischer Forscher.

Wer sich bis ins höhere Alter regelmäßig bewegt, bewältigt seinen persönlichen Alltag besser und länger, bleibt selbständiger und ist damit nicht auf fremde Hilfe angewiesen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Positive Effekte bis ins höhere Alter

In einer Studie von Forschenden der Medizinischen Universität (MedUni) Wien wurden positive Gesundheitseffekte durch Bewegung bis ins höhere Alter belegt.

Wie es in einer Mitteilung heißt, bewältigen Menschen, die sich bis ins höhere Alter regelmäßig bewegen, ihren persönlichen Alltag besser und länger, bleiben selbständiger und sind damit nicht auf fremde Hilfe angewiesen und sparen sich selbst und der Gesellschaft Kosten für Pflege und Betreuung.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler unter Leitung von Thomas Dorner und Richard Crevenna wurden nun in der Wiener klinischen Wochenschrift publiziert und anlässlich der europäischen Public-Health-Woche präsentiert.

Empfohlene Bewegungseinheiten pro Woche

Den Experten zufolge werden die Aktivitäten des täglichen Lebens generell in ADLs (engl.: Activities of Daily Living) und IADLs (engl.: Instrumental Activities of Daily Living) eingeteilt.

Erstere umfassen wiederkehrende Basis-Tätigkeiten wie das Aufstehen, sich waschen und anziehen, essen und trinken oder die Toilette selbständig aufsuchen.

Und die IADLs sind Tätigkeiten wie telefonieren, einkaufen, kochen, den Haushalt machen und führen, Medikamente ordnungsgemäß einnehmen oder Geldgeschäfte abwickeln.

Das Ergebnis der nun veröffentlichten Studie unter den Über-65-jährigen Teilnehmern zeigt: Wer sich mehr und regelmäßig bewegt, kann diese Aufgaben leichter und länger selbstständig bewältigen.

„Wer die empfohlenen Bewegungseinheiten pro Woche absolviert, hat eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit mit den ADLs zurecht zu kommen und eine doppelt so hohe mit den IADLs umgehen zu können“, so Dorner.

Diese Empfehlungen sind: Pro Woche zweimal muskelkräftigende Einheiten wie Kniebeugen mit einem Sessel – das ist die klassische Übung für ältere Personen – oder Kraftübungen mit einem Theraband oder im Fitness-Center sowie 150 Minuten pro Woche moderate Ausdaueraktivitäten, wie zügiges Gehen.

Dorner erklärt, was moderat bedeutet: „So schnell zu gehen, dass man noch problemlos reden, aber nicht mehr singen kann.“

Er präzisiert auch den Umfang der Kraftübungen: „Empfohlen sind etwa 10 Übungen für die jeweils großen Muskelgruppen im Körper, jede Übung zu Beginn einmal, und eine Steigerung auf zwei- bis dreimal, und jede Übung so intensiv, dass etwa 12-15 Wiederholungen möglich sind, und nach der 15. Wiederholung sollte keine weitere Wiederholung mehr möglich sein.“

Nur rund ein Drittel absolviert das empfohlene Krafttraining

Fakt ist jedoch, dass von den rund 3.300 Studienteilnehmern in Österreich nur rund ein Drittel das empfohlene Krafttraining absolviert und nur rund die Hälfte der Über-65-Jährigen die nötige Ausdauerbewegung macht.

Diese Zahlen lassen sich laut Einschätzung der Fachleute auch auf Europa umlegen.

Dabei sind die positiven Effekte offensichtlich: „Wer sich bewegt und regelmäßig kräftigt, bleibt selbständiger, verfügt über einen höheren Selbstwert und ist dadurch weniger pflegebedürftig, das ist für den einzelnen Menschen, aber auch für die Gesellschaft ein Gewinn, weil er nicht von jemand anderem abhängig wird.

„In eine Abhängigkeit zu geraten, löst eine Kettenreaktion an negativen Konsequenzen aus – bis hin zur Isolierung“, betont Dorner, der auch Präsident der österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) ist.

Und Richard Crevenna, Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin der MedUni Wien, ergänzt:

„Was mich immer wieder überrascht, ist, dass – trotz der erwiesenen Benefits von Bewegung – nach wie vor viel zu viele Menschen viel zu wenig körperlich aktiv sind. Dabei sollte man sich von jung bis alt mehr bewegen, um länger gesund, unabhängig und selbstbestimmt leben zu können. Hier bleibt nur eines: Weiterhin an einer breiten Awareness arbeiten!“ (ad)