Vitamin-D kann Kindern mit Unterernährung bei der Entwicklung helfen

Wie wirkt sich Vitamin-D auf Unterernährung von Kindern aus

Unterernährung ist ein großes Problem in einigen Ländern unserer Welt. Forscher fanden jetzt heraus, dass hochdosierte Vitamin-D-Präparate die Gewichtszunahme unterstützen und bei der Entwicklung der Sprache und Motorik bei stark unterernährten Kindern helfen.


Die Wissenschaftler der University of the Punjab und der Queen Mary University of London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Einnahme von hochdosierten Vitamin-D-Präparaten unterernährten Kindern bei der Gewichtszunahme helfen kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The American Journal of Clinical Nutrition“.

Vitamin-D hilft Kindern mit einer starken Unterernährung bei der Gewichtszunahme. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Etwa 20 Millionen Kinder leiden unter schwerer Unterernährung

Schwere akute Unterernährung ist die extremste Form der Unterernährung. Betroffene Kinder haben ein sehr geringes Gewicht für ihre Größe und leiden unter starkem Muskelschwund. Außerdem können die Betroffenen auch geschwollene Füße, Gesicht und Gliedmaßen aufweisen. Etwa 20 Millionen Kinder sind weltweit von einer schweren Unterernährung betroffen, hauptsächlich in Asien und Afrika, wo sie eine der Haupttodesursachen darstellt. Kinder mit schwerer akuter Unterernährung haben in der Regel auch einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Dieser Mikronährstoff ist wichtig für die Gesundheit von Muskeln und Knochen und für die Aufrechterhaltung eines gesunden Immunsystems, erklären die Mediziner.

Vitamin-D-Mangel führt zu Muskelschwund

Vitamin-D-Mangel ist ein bekannter Risikofaktor für Muskelschwund bei unterernährten Kindern, aber die Standardbehandlung – eine energiereiche Nahrungspaste – enthält relativ geringe Mengen dieses lebenswichtigen Mikronährstoffs. Frühere Forschungsarbeiten deuteten darauf hin, dass Vitamin-D zur Behandlung der Unterernährung hilfreich sein könnte, da es sowohl anti-infektiöse als auch entzündungshemmende Eigenschaften hat. Diese Eigenschaften sind spezifisch für Vitamin-D, weshalb die Forscher die Wirkung des Mikronährstoffs bei Kindern mit schwerer Mangelernährung untersuchten. Menschen mit schwerer akuter Mangelernährung sind anfälliger für Infektionen und übermäßige Entzündungen.

1,4 Millionen Kinder mit Unterernährung leben in Pakistan

Die Untersuchung wurde im südlichen Punjab in Pakistan durchgeführt. Es leben geschätzt etwa 1,4 Millionen Kinder mit schwerer akuter Unterernährung in diesem Land, sagen die Forscher. Es wurde untersucht, ob eine hohe Dosis von Vitamin-D die Erholung von 185 unterernährten Kindern beschleunigt. Das Alter der teilnehmenden Kinder lag zwischen sechs Monaten und vier Jahren. Die Probanden erhielten alle eine Standard-Lebensmittelpaste. Die Standard-Lebensmittelpaste zur Behandlung von Unterernährung enthält allerdings nur relativ geringe Mengen an Vitamin-D, erläutern die Wissenschaftler.

Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt

Dreiundneunzig Kinder erhielten randomisiert zwei Dosen von 5 mg Vitamin-D oral in 1 ml Olivenöl gelöst, während 92 Kinder randomisiert ein Placebo erhielten. Beide Gruppen erhielten außerdem eine Standardbehandlung für schwere akute Mangelernährung. Während der Studie wussten weder die Kinder noch ihre Eltern oder das Studienpersonal, welche Kinder in der Aktivgruppe oder in der Kontrollgruppe waren. Durch diesen Effekt sollte eine Verzerrung der Studienergebnisse vermieden werden, erläutern die Mediziner.

Auswirkungen der Einnahme von Vitamin-D

Nach zwei Monaten Behandlung hatten die Kinder, die hochdosiertes Vitamin-D erhielten, eine signifikant bessere Gewichtszunahme (0,26 kg zusätzliche Gewichtszunahme im Vergleich zu den Kindern, die das Placebo erhielten). Diese Kinder zeigten außerdem auch eine deutlich bessere motorische und sprachliche Entwicklung, sagen die Autoren der Studie. Alle Teilnehmern wurden auf Symptome einer Hyperkalzämie (erhöhter Blutkalziumspiegel – eine anerkannte Komplikation der Vitamin-D-Toxizität) untersucht. Bei keinem der Kinder konnten diese Symptome festgestellt werden. Am Ende der Studie wurde außerdem bei einer Untergruppe von 90 Kindern der Kalziumspiegel überprüft. Der Kalziumspiegel war bei Kindern, welche Vitamin-D eingenommen hatten, nicht höher als bei Kindern aus der Kontrollgruppe.

Weitere Forschung ist nötig

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung deuten drauf hin, dass hochdosiertes Vitamin-D, ein wichtiger kostengünstiger Faktor bei der Behandlung von stark unterernährten Kindern sein könnte. Die Ergebnisse müssen jedoch durch weitere Studien gesichert werden, bevor hochdosiertes Vitamin-D in die Standardbehandlung aufgenommen werden kann, erläutern die Experten. Insbesondere sein weitere klinische Studien erforderlich, um festzustellen, ob die Ergebnisse in anderen Ländern reproduziert werden können, in denen schwere akute Unterernährung ein Problem darstellt. Ein größere Studie mit einer längerer Zeit der Nachbeobachtung ist in Pakistan bereits geplant. So soll herausgefunden werden, ob hoch dosiertes Vitamin-D die Sterblichkeit bei Kindern mit der schwersten Form akuter Unterernährung senken kann. (as)