Warum leiden manche stärker unter Erkältungen und Grippe?

Alexander Stindt

Bakterien in der Nase bestimmen, wie stark ein Erkältung ausfällt

Mediziner haben herausgefunden, warum manche Menschen schlimmer unter Erkältung, Grippe und Halsschmerzen leiden. Wie schlimm eine Erkältung sich auswirkt und wie lange sie dauert, hängt davon ab, welche Bakterien in Ihrer Nase leben.


Die Wissenschaftler der University of Virginia stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Bakterien in unserer Nase beeinflussen, wie stark eine Erkältung oder Grippe ausfallen wird. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Scientific Reports“.

Bakterien in der Nase haben Einfluss darauf, wie stark eine Erkältung ausfällt. (Bild: Rido/fotolia.com)

Staphylokokken verstärken die Erkältung

Wenn Menschen in ihrer Nase mehr Staphylokokken haben, führt dies zu stärkeren Symptome einer Erkältung, als wenn Betroffene nur wenige dieser Bakterien in ihrer Nase beherbergen, sagen die Mediziner. Dieser Effekt trete auf, obwohl die Erkältungen der Betroffenen durch genau die gleichen Virusstämme verursacht werden, fügen die Autoren der Studie hinzu. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten in Zukunft dazu führen, dass spezielle Antibiotika verschrieben werden, um die Nase von Bakterien zu reinigen und somit eine Erkältung oder Grippe zu beenden.

Erwachsene bekommen durchschnittlich zwei bis drei Erkältungen pro Jahr

Es war überraschend festzustellen, wie das Mikrobiom in der Nase Einfluss darauf haben kann, wie stark Menschen von einer Erkältung betroffen sind, erklärt der Studienautor Professor Ronald Turner von der University of Virginia. Das sogenannte Hintergrundmikrobiom in der Nase habe Einfluss darauf, wie Betroffene reagieren, wenn sie sich mit einem Virus infizieren. Der durchschnittliche Erwachsene bekomme zwei bis drei Erkältungen pro Jahr, während das durchschnittliche Kind sechs bis acht bekommen kann, sagen die Experten.

Die Nase beherbergt viele verschiedene Arten von Bakterien

Unsere Körper sehen vielleicht nicht wie ein Schlachtfeld aus, aber auf mikroskopischer Ebene findet ein Kampf um Raum und Nahrung zwischen rivalisierenden Bakterienarten statt, erklären die Wissenschaftler. Staphylococcus aureus kommt in den Nasen von drei von zehn Menschen vor, zusammen mit weiteren Arten von Bakterien.

Welche Faktoren haben Einfluss auf die Bakterien in der Nase?

Es könnte eine zugrunde liegende Wirtseigenschaft geben, welche eine Person dazu bringt, mehr Staphylokokken zu bekommen, was zu einer schlimmeren Erkältung führen würde, vermutet Professor Turner. Dies könnte auf genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse, wie Verschmutzung oder Pollen oder eine Kombination beider Faktoren zurückzuführen sein. Vermutlich bestimmt eine Interaktion zwischen dem Wirt, der Umwelt und dem Krankheitserreger, wie eine Erkrankung abläuft und wie stark sie ausfällt, fügt der Experte hinzu.

152 Probanden nahmen an der Studie teil

Für die Studie wurden 152 Probanden vor und nach einer Erkältung untersucht. Diese Untersuchung schloss die Möglichkeit aus, dass das Virus oder die resultierende Krankheit die Zusammensetzung des Mikrobioms veränderte. Anschließend erhielten die Teilnehmenden ein probiotisches Getränk mit gesunden Bakterien, um festzustellen, ob das Getränk die Symptome lindert und die Bakterien in der Nase oder im Magen veränderte. Dies war allerdings nicht der Fall. Prof. Turner, der seit Jahrzehnten Erkältungen erforscht, ist skeptisch, ob ein Nasenspray mehr Wirkung hätte als solch ein probiotisches Getränk. Interessant wäre jedoch nach Ansicht des Experten, wie sich Antibiotika auswirken würde. (as)