Weltweit zweiter Fall von Ratten-Hepatitis E beim Menschen

Erneut ein Mensch mit Ratten-Hepatitis E infiziert

Erst vor wenigen Wochen ist der weltweit erste Fall von Ratten-Hepatitis E beim Menschen bekannt geworden. Nun wird berichtet, dass sich eine weitere Person mit dem gefährlichen Virus infiziert hat. Experten zufolge sind die beiden Infektionen nicht miteinander verbunden.


70-jährige Frau mit Ratten-Hepatitis E infiziert

Vor rund zwei Monaten hatten Wissenschaftler der University of Hong Kong über den ersten Fall von Ratten-Hepatitis E beim Menschen berichtet. Laut den Forschern hatte sich ein 56-jähriger Mann mit dem Ratten-Hepatitis-E-Virus infiziert. Nun wurde eine weitere Infektion bekannt. Einem Bericht der „South China Morning Post“ zufolge ist diesmal eine 70-jährige Frau aus Hongkong betroffen. Obwohl sie nur rund drei Kilometer vom ersten Patienten leben soll, seien die beiden Infektionen nicht miteinander verbunden.

Nachdem vor rund zwei Monaten über den weltweit ersten Fall von Ratten-Hepatitis E beim Menschen berichtet wurde, ist nun eine weitere Infektion bekannt geworden. (Bild: kichigin19/fotolia.com)

Kein Grund zur Panik

Die Staatssekretärin für Lebensmittel und Gesundheit, Sophia Chan Siu-chee, erklärte Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht, sie sei sehr besorgt über das Auftreten des zweiten Falls.

Dr. Siddharth Sridhar, Professor an der Universität von Hongkong, sagte, der zweite Fall habe gezeigt, dass das Hepatitis-E-Virus der Ratte auf Menschen übertragen werden könne.

„Wenn das Immunsystem eines Menschen schwach ist, könnte er sich mit diesem Virus infizieren“, so Sridhar, der jedoch hinzufügte, dass kein Grund zur Panik bestehe, da sich der Fall bereits letztes Jahr ereignete.

Patientin hat sich erholt

Den Angaben zufolge wurde die Frau Anfang Mai vergangenen Jahres mit Symptomen wie Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Unwohlsein in das Kwong Wah Krankenhaus eingeliefert.

Sie habe auch an anderen Krankheiten gelitten. Zudem sei ihr Immunsystem geschwächt gewesen.

Vier Tage später sei sie erholt entlassen worden.

Bei der Blutprobe der Patientin, die während ihres Krankenhausaufenthalts entnommen wurde, ist später festgestellt, dass sie das Ratten-Hepatitis-E-Virus in sich trug.

Die Frau erinnerte sich nicht an den direkten Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen oder an Ratten in ihrem Haus.

„Aufgrund der verfügbaren epidemiologischen Informationen konnte die Quelle und der Infektionsweg nicht ermittelt werden“, erklärte daher ein Sprecher des Distrikts.

Sridhar sagte jedoch, es sei möglich, dass die Frau unwissentlich mit Nagetieren in Kontakt kam:

„Nicht zu sehen bedeutet nicht, dass es keinen Kontakt gab“, so Sridhar. „Es ist möglich, dass die Ausscheidungen von Nagetieren irgendwie in die Nahrung kamen, die die Patientin aß.“

Keine Verbindung zwischen den zwei Fällen

Ende September war über den weltweit ersten Fall von Ratten-Hepatitis E bei einem Menschen berichtet worden.

Der 56-jähriger Mann hatte sich im Mai letzten Jahres einer Lebertransplantation unterzogen und zwei Monate später eine anhaltende anomale Leberfunktion entwickelt.

Die Mediziner vermuteten damals, dass sich der Betroffene möglicherweise infiziert hatte, weil er Nahrungsmittel konsumierte, welche mit Rattenkot kontaminiert waren.

Die Metropole habe seit langem mit einer Rattenplage zu kämpfen.

Das Haus der Frau im zweiten Fall liegt etwa drei Kilometer von dem des Mannes entfernt.

Sridhar sagte jedoch, dass die aktuellen Belege keine direkten Verbindungen zwischen den beiden Patienten zeigten.

Infektionen durch Schweinefleisch

Laut den Wissenschaftlern der Universität von Hongkong ist das Ratten-Hepatitis-E-Virus sehr entfernt verwandt mit menschlichen Hepatitis-E-Virus-Varianten.

In Europa gilt der Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Schweinefleisch und Leber als häufigster Auslöser für Hepatitis-E-Infektionen.

Die meisten dieser Infektionen heilen bei den Betroffenen ohne oder mit kaum spürbaren Beschwerden aus.

Manchmal kommt es erst nach Wochen zu grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen oder auch dunklem Urin.

Später kommen oft Gelbsucht und Oberbauchschmerzen hinzu, wobei erstere nicht bei allen Patienten auftritt.

Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder mit einer chronischen Lebererkrankung kann eine Infektion allerdings auch sehr gefährlich werden.

Bei diesen Personen drohen chronische Verläufe mit akuten Beschwerden oder eine gefährliche Leber-Zirrhose. (ad)