Zombie-Zellen beeinflussen die Entstehung von Demenz

Alexander Stindt

Wie wirken sich tote Zellen auf die Entstehung von Demenz aus?

Immer mehr Menschen auf der Welt erkranken an Demenz. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass sogenannte dysfunktionale Zombie-Zellen im Gehirn mit Demenz in Verbindung stehen. Diese Erkenntnis könnte helfen, den Weg für eine mögliche Heilung der degenerativen Krankheit zu ebenen.


Die Wissenschaftler der Mayo Clinic, Rochester stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass bestimmte dysfunktionale Zellen im Gehirn an der Entstehung von Demenz beteiligt zu sein scheinen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Nature“.

Mediziner sind der Heilung von Demenz wieder einen Schritt näher gekommen. Sie fanden heraus, dass bestimmte Zellen an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Beeinträchtigung der Gliazellen führt zum Absterben von Neuronen

Es ist bekannt, dass sich tote Zellen, die ihre Fähigkeit zur Teilung verloren haben, mit zunehmenden Alter im Körper ansammeln und dort chemische Signale abgeben, welche dann die Wirkung anderer Zellen in der Nähe beeinflussen, erläutern die Experten. Neueste Untersuchungen von den Forschern der Mayo Clinic rund um den Studienautor Tyler Bussian haben jedoch ergeben, dass bei einem Aufbau dieser Zellen im Gehirn nicht die Neuronen, sondern die umgebenden Gliazellen beeinflusst werden. Dies bewirkt, dass es für die Neutronen unmöglich wird, zu überleben.

Forschung wurde an Mäusen durchgeführt

Für die Untersuchung wurden genetisch veränderte Mäuse verwendet. Diese waren anfälliger für eine neurale Degeneration und boten die Möglichkeit, die gezielte Zerstörung der alternden Zellen (Zombie-Zellen) zu testen. Die Mediziner konnten feststellen, dass eine Verhinderung des Aufbaus dieser Zellen die Bildung von Tau-Proteinen reduziert. Diese Proteine werden in engen Zusammenhang mit der Entstehung von Alzheimer gebracht.

Alternde Zellen fördern die Neurodegeneration

Die verhinderte Degeneration von Neuronen in Regionen des Gehirns, welche für kognitive Prozesse bekannt sind, führte bei den Tieren zu einem verringerten Gedächtnisverlust. Dies deutet darauf hin, dass alternde Zellen die Neurodegeneration fördern können, sagen die Experten. Die Ergebnisse könnten neue Perspektiven für die Diagnose und Therapie von neurodegenerativen Erkrankungen einschließlich Alzheimer eröffnen.

Tragen seneszente Zellen zu altersbedingten Krankheiten bei?

Die Vorstellung, dass der Aufbau seneszenter Zellen zu altersbedingten Krankheiten wie Demenz, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen kann, gewinnt jetzt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft an Boden. Da die Untersuchung allerdings modifizierte Mäuse verwendete, könnten die Ergebnisse bei Menschen nicht so einfach zu reproduzieren sein.

Demenz und Alzheimer?

Die Studie wirft die Möglichkeit auf, dass die Verhinderung der Akkumulation seneszenter Zellen die Grundlage für eine Heilung von Alzheimer beim Menschen bilden könnte. Zwar werden die beiden Begriffe Alzheimer und Demenz oft synonym verwendet werden, doch ist Alzheimer nur eine der möglichen Demenzformen. Bei der Alzheimer-Krankheit gehen zunächst Neuronen im Gehirn verloren, was das Gedächtnis und die Lernfähigkeit beeinträchtigt. Die Fähigkeit der Patienten, alltägliche Aufgaben wie beispielsweise Autofahren, Kochen und Einkaufen zu bewältigen, geht zunehmend verloren. (as)