Wadenwickel

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Wadenwickel stellen ein bewährtes Hausmittel zur Fiebersenkung dar, welches bei einer Körpertemperatur über 39 Grad Celsius und gleichzeitig bestehender innerer Unruhe eingesetzt werden kann. Gerade wenn Kinder fiebern, bilden die Wickel für viele Eltern eine wirksame Alternative zu fiebersenkenden Medikamenten, durch welche die natürliche Abwehrreaktion des Körpers unterdrückt wird. Dabei sollte im Vorfeld jedoch immer erst die Ursache für das Fieber ärztlich abgeklärt sowie eine Einschätzung des Arztes eingeholt werden, denn in einigen Fällen können die kalten Auflagen sogar gefährlich werden und zu einem Kreislaufzusammenbruch führen. Daher sollten Eltern gerade bei Babys unter sechs Monaten auf dieses natürliche Heilverfahren verzichten und versuchen, die Beschwerden ihres Kindes bei Bedarf mit Alternativen wie dem so genannten „Pulswickel“ zu lindern.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Wadenwickel bei Fieber
Anwendung
Wadenwickel bei Kindern
Wadenwickel beim Baby

Definition

Bei den so genannten Wadenwickeln handelt es sich um ein altbewährtes Hausmittel zur Kühlung des Körpers, welches vor allem zur Senkung von hohem Fieber eingesetzt wird. Das Prinzip gleicht dabei dem Vorgang des Schwitzens, denn durch die Wickel wird eine Verdunstungskälte verursacht, durch welche die erhöhte Temperatur des Körpers ausgeglichen wird. Wadenwickel zählen zu den Anwendungen der Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp, der bereits im 19. Jahrhundert im Rahmen seiner naturkundlichen Medizin erfolgreich Wickel und Kompressen einsetzte. Je nach dem, wie lange die Anwendung erfolgt, können mit einem Wickel ganz unterschiedliche Wirkungen erzielt werden. Bliebt er bis zu 10 Minuten lang auf den Waden, wird dem Körper Wärme (z. B. bei Fieber) entzogen, während eine längere Anwendung von 20 Minuten oder länger entzündungshemmend, schlaffördernd, blutdrucksenkend und gewebsstraffend wirken sowie zu einer Kräftigung der Venen und Beruhigung des vegetativen Nervensystems führen kann.

Krankes Kind mit Wadenwickel
Wadenwickel sind vor allem als Mittel zur Fiebersenkung bekannnt, doch sie können auch bei anderen Beschwerden Linderung verschaffen. Bild: photophonie/fotolia.com

Wadenwickel bei Fieber

Wadenwickel stellen zwar ein altbewährtes Hausmittel gegen Fieber dar, dennoch kommen sie nicht bei jedem Patienten in Frage und können im Ernstfall sogar zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen wie einer Kreislaufschwäche oder sogar einem Kreislaufzusammenbruch führen. Dementsprechend sollte sich vor der Selbstbehandlung zunächst immer an einen Arzt bzw. Kinderarzt gewandt werden, um die Ursache für die erhöhte Temperatur und mögliche notwendige Behandlungsschritte abzuklären. Werden die Umstände konkret geschildert, kann der Arzt klar abgrenzen, ob Wadenwickel angezeigt sind oder nicht. Meist kommen diese bei einer Temperatur von mehr als 39°C in Betracht, vor allem, wenn der Patient zugleich über innere Unruhe und Schlafstörungen klagt. In diesem Fall kann mithilfe der Wickel das Fieber um ein halbes bis ein Grad Celsius gesenkt werden, zudem wird der Kopfbereich entlastet, wodurch weitere Symptome wie Kopfschmerzen,Benommenheit oder Schwindel gelindert sowie die innere Ruhe und Entspannung gefördert werden. Gerade bei Fieber gilt es jedoch generell zu berücksichtige, dass dieses eine natürliche und wichtige Abwehrreaktion des Körpers darstellt. Dementsprechend empfiehlt es sich, fiebersenkende Maßnahmen nur dann einzusetzen, wenn die erhöhte Temperatur den Patienten sehr stark schwächt oder gefährdet bzw. das Allgemeinempfinden stark beeinträchtigt.

Neben dem gibt es auch Fälle, in denen Wadenwickel grundsätzlich NICHT angewendet werden dürfen, da ansonsten eine Verschlechterung des Zustandes oder sogar ernstere gesundheitliche Folgen eintreten können. Dies gilt zum einen, wenn der Patient trotz erhöhter Temperatur kalte Hände und Füße hat, friert bzw. unter Schüttelfrost leidet, was häufig zu Beginn einer Erkrankung auftritt, wenn das Fieber noch steigt. Zum anderen sollte bei einem akuten Harnwegsinfekt wie beispielsweise einer Blasenentzündung oder einer arteriellen Durchblutungsstörungen auf Wadenwickel verzichtet werden.

Anwendung

Für die Anwendung der Wadenwickel werden zwei saubere Tücher aus Baumwolle, Leinen oder Wolle (z.B. Geschirr- oder Handtücher, Mullwindeln) benötigt, da synthetische Stoffe aus dünnen Fasern bestehen, die nur wenig bzw. gar keine Feuchtigkeit und Luft durchlassen. Hinzu kommt ein dickeres Woll- oder Badehandtuch zum Aufsaugen überschüssiger Flüssigkeit und eine Schüssel mit leitungskaltem (ca.16 bis 20 Grad Celsius) bzw. lauwarmem Wasser (bei Kindern). Zudem empfiehlt sich ein Bettschutz (Molton), welcher jedoch immer nur untergelegt und nicht um die Waden gewickelt werden darf, da ansonsten die Gefahr eines Hitzestaus besteht. Ebenso dürfen die feuchten Wickel nicht mit dicken Laken oder einer Bettdecke zugedeckt werden, da auch hier die Gefahr besteht, dass die entstandene Wärme nicht mehr abgegeben werden kann. Der Patient sollte bei der Anwendung liegen bzw. die Beine in eine horizontale Position bringen sowie im Anschluss noch etwa eine halbe Stunde im Bett bleiben und ruhen, um den Kreislauf nicht zu überlasten.

Zur Vorbereitung werden die Innentücher auf Wadenbreite zurecht gefaltet und aufgerollt sowie das Bade- bzw. Wolltuch quer unter die Beine des Patienten gelegt. Nun werden die Baumwolltücher in dem kalten Wasser getränkt und soweit ausgewrungen, dass sie noch nass sind, aber nicht mehr tropfen. Anschließend werden die Wickel glattgestrichen und um die Unterschenkel gelegt, wobei die Gelenke frei bleiben. Um das feuchte Tuch wird nun ein trockenes gewickelt, welches das erste an beiden Seiten bedecken sollte, um überschüssige Feuchtigkeit aufzusaugen und das dickere Außentuch trocken zu halten. Dieses wird entweder unter gelegt oder als dritte „Schicht“ lose um die Beine gewickelt, wobei das Tuch etwas schmaler als die anderen sein sollte, um den Patienten nicht zu stören (z.B. bei Wolle).

Da Wadenwickel immer beidseitig angelegt werden, folgt nun das andere Bein. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, straff zu wickeln, denn ein zu lockerer Verband bleibt meist wirkungslos und kann zudem für den Patienten sehr unangenehm werden. Die fertigen Wickel bleiben schließlich so lange auf den Unterschenkeln, bis sie körperwarm geworden sind (bei Erwachsenen etwa nach 20 bis 30 Minuten), wobei währenddessen weder aufgestanden noch umhergegangen werden darf. Nach Ablauf der Zeit werden sie abgenommen und die Beine sorgfältig abgetrocknet, anschließend können die Tücher erneut vorbereitet und bei Erwachsenen im Bedarfsfall zwei bis drei Mal im Abstand von 10-15 Minuten wieder aufgelegt werden. Wichtig ist, sich selbst bzw. den Patienten während der Anwendung gut zu beobachten und schnell zu reagieren, wenn Frieren oder Frösteln einsetzt bzw. der Körper auskühlt. Hier sollte zunächst geprüft werden, ob die Wickel eventuell nicht straff genug sitzen und dadurch Luft durchlassen, ist dies nicht der Fall sollten diese umgehend entfernt und stattdessen eine Wärmeanwendung (z.B. Wärmflasche, warmes Fußbad) durchgeführt werden.

Wadenwickel bei Kindern

Wadenwickel gelten gerade bei Kindern als bewährtes Naturheilmittel zur Fiebersenkung, da diese sehr viel häufiger als Erwachsene fiebern und dabei nicht selten eine sehr hohe Körpertemperatur entwickeln. Das Fieber selbst stellt dabei keine Krankheit dar, stattdessen ist es vielmehr ein Signal dafür, dass der Körper sein Abwehrsystem aktiviert, um Krankheitserreger besser bekämpfen zu können. Dementsprechend ist Fieber also eine wichtige und natürliche Reaktion, die nicht sofort durch fiebersenkende Mittel oder Verfahren unterdrückt werden sollte.

Von Fieber wird bei Kindern normalerweise ab einer Temperatur von 38,5°C gesprochen, hohes Fieber besteht aus medizinischer Sicht ab 39°C. Ist dies der Fall, empfehlen sich vor allem Bettruhe, besondere Zuwendung durch die Eltern, häufiges Trinken (Wasser, Tee) sowie eine regelmäßige Kontrolle der Temperatur. Ist das Kind stärker beeinträchtigt, geschwächt oder abgeschlagen sollte auf jeden Fall ein Kinderarzt aufgesucht werden, welcher bei Bedarf fiebersenkende Mittel in Form von Zäpfchen oder Saft (Paracetamol, Ibuprofen) verschreiben kann. Gleiches gilt grundsätzlich, wenn das Kind jünger ist als ein Jahr und bei parallel auftretenden Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen oder Bauchschmerzen. Auch wenn das Fieber länger als einen Tag bei unter bzw. länger als 3 Tage bei über 2-jährigen anhält oder wiederholt auftritt, das Kind nicht trinkt, krampft oder die Medikamente keine Besserung bewirken, sollten Eltern keinesfalls zögern, sondern ihr Kind umgehend von einem Kinderarzt bzw. dem kinderärztlichen Notdienst untersuchen lassen.

Neben den fiebersenkenden Mitteln, können in vielen Fällen bei hohem Fieber ergänzend auch Wadenwickel zum Einsatz kommen. Hier sollte im Vorfeld jedoch immer mit einem Arzt gesprochen werden, um ernste Ursachen für das Fieber und somit gesundheitliche Risiken ausschließen zu können. Generell gilt zudem, dass hydrotherapeutische Anwendungen jeglicher Art niemals gegen den Willen des Kindes durchgeführt werden dürfen. Zeigt der kleine Patient also schon im Vorfeld klare Ablehnung oder Angst, hilft es oft bereits, durch eine geduldige und liebevolle Erklärung der Notwendigkeit zu überzeugen. Bleibt die Angst jedoch bestehen, sollte das Einverständnis des Kindes jedoch keinesfalls „erzwungen“, sondern stattdessen mit dem Arzt über Alternativen gesprochen werden. Grundsätzlich sollte außerdem bei jeglicher Anwendung darauf geachtet werden, dass diese in einer entspannten und ruhigen Atmosphäre durchgeführt wird, in der sich das Kind tatsächlich sicher behütet fühlt.

Wichtig ist, dass bei Kindern keinesfalls kaltes, sondern lauwarmes Wasser für die Wadenwickel verwendet werden darf (ca. 1 bis 5 Grad Celsius unter der Körpertemperatur), um den Kreislauf nicht zu überlasten und die Durchblutung zu vermindern. Die Anwendung erfolgt dabei wie bei Erwachsenen auch, allerdings erwärmen sich die Tücher bei hohem Fieber sehr schnell, sodass diese meist schon nach etwa 10 Minuten wieder entfernt werden können. Sind die Waden wieder warm geworden, kann die Anwendung gegebenenfalls bis zu drei Mal wiederholt werden, allerdings sollte zur Kontrolle regelmäßig Fieber gemessen werden, im Anschluss an den ersten Durchgang jedoch frühestens nach 30 Minuten. Bestimmte Zusätze können die lindernde Wirkung der Wadenwickel noch verstärken. Beispiele sind hier ein Schuss Obstessig als Zugabe oder der Saft einer halben Zitrone, welche direkt auf dem Boden der Wasserschale ausgedrückt wird, und dadurch ätherische Öle direkt ins Wasser abgibt.

Generell sollte darauf geachtet werden, dass das Fieber nicht mehr als 1 Grad absinkt, denn eine zu rasche Temperatursenkung kann den Kreislauf schnell überlasten. Dementsprechend ist es ratsam, dem Kind zwischendurch Ruhe zu gönnen und in den Pausen durch verstärkte Zuwendung und Aufmerksamkeit für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen. Damit die Wadenwickel eine größtmögliche Wirkung erzielen können, sollten diese auch bei Kinder nur liegend angewendet werden, zudem ist es wichtig, dass die kleinen Patienten nach der Anwendung noch mindestens eine halbe Stunde im Bett liegen bleiben und sich ausruhen. Grundsätzlich gilt, dass das Kind während der Auflagen zu keiner Zeit allein gelassen werden darf, damit Eltern schnellstmöglich reagieren können, wenn plötzliches Frieren, Schüttelfrost oder andere Beschwerden auftreten. In diesem Fall müssen die Wickel sofort abgenommen werden, gleiches gilt natürlich auch, wenn das Kind diese als unangenehm empfindet. Ganz wichtig ist es in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass die lauwarmen Wickel nur an tatsächlich warmen Hautstellen aufgelegt werden dürfen, hat das Kind stattdessen kalte Beine oder Füße kommt eine Anwendung hingegen nicht in Betracht. Darüber hinaus sollten die Wickel bei Kleinkindern generell nicht länger als zehn Minuten auf den Beinen bleiben, da ansonsten ein erhöhtes Auskühlungsrisiko besteht.

Wadenwickel beim Baby

Fieber tritt gerade bei Babys relativ oft auf, was aber nicht in jedem Fall gleich auf eine ernstere Erkrankung hinweisen muss. Dennoch sollten Babys unter drei Monaten bereits bei einer Temperatur ab 38°C sicherheitshalber umgehend von einem Kinderarzt untersucht werden, gleiches gilt für etwas ältere Kinder bei mehr als 39°C. Ist die Ursache für das Fieber medizinisch abgeklärt und spricht seitens des Arztes nichts gegen unterstützende Wadenwickel, können diese – je nach Bereitschaft des Kindes – in einigen Fällen bereits ab ca. sechs Monaten, meist aber eher ab etwa einem Jahr eingesetzt werden (siehe Anwendung). Bei Kindern unter einem halben Jahr eignet sich das Hausmittel jedoch nicht, denn hier besteht die erhöhte Gefahr für einen Kreislaufzusammenbruch. Eine Alternative bieten in diesem Fall Pulswickel an Hand- und Fußgelenken, welche auf sanfte Art fiebersenkend wirken und daher auch schon bei den Kleinsten angewendet werden können. Für diese werden kleine Tücher aus Baumwolle (z.B. Taschen- oder Moltontuch) zunächst auf etwa 2 cm Breite gefaltet, bis zur Hälfte in lauwarmes Wasser getaucht, ausgewrungen und anschließend auf die Gelenke des Babys aufgelegt. Dabei sollte mit der nassen Hälfte begonnen und im Anschluss der Wickel mit einem abgeschnittenen Söckchen, Schlauchverband, Pflaster o.ä. fixiert werden. Verträgt das Kind die Pulswickel gut, können diese bis zu drei Mal hintereinander für je 10 Minuten wiederholt werden, bis zum nächsten Durchgang sollte dann aber eine Pause von mindestens drei Stunden eingehalten werden, in welcher regelmäßig die Temperatur überprüft und das Baby weiterhin genau beobachtet wird. (nr)

Bild1: flown / pixelio.de