Glutenallergie – Anzeichen, Ursachen und Therapie

glutenallergie
Nina Dehmlow

Glutenallergie: Beschwerden, Therapie und Diagnose

Die Glutenallergie, die korrekte medizinische Bezeichnung lautet Zöliakie bzw. bei Erwachsenen Sprue, ist im eigentlichen Sinne keine klassische Nahrungsmittelallergie. Sie gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen, da sowohl Antikörper gegen Gluten (Getreideeiweiß) als auch gegen das eigene Gewebe gebildet werden. Durch die Antikörper wird der typische Aufbau der Dünndarmschleimhaut zerstört. Doch was sind eigentlich die Ursachen für die Glutenallergie? Ist es eine typische Zivilisationskrankheit oder hat ein Teil der Menschheit schon immer mit einer Glutenunverträglichkeit zu kämpfen gehabt?

Inhaltsverzeichnis

Was ist eigentlich eine Glutenallergie?
Funktionen des menschlichen Dünndarms
Dünndarm bei Menschen mit einer Glutenallergie
Symptome
Diagnose der Glutenunverträglichkeit
Behandlung der Zöliakie
Besteht eine Heilungschance?

Was ist eigentlich eine Glutenallergie?

Von einer Zöliakie sprechen Mediziner, wenn der Körper das Getreideeiweiß Gluten, welches in Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt, nicht verträgt. Das Gluten sorgt nun dafür, dass der typische Aufbau der Dünndarmschleimhaut zerstört wird. Dies führt dazu, dass Menschen mit einer Glutenallergie unter einer Unterversorgung mit Nährstoffen leiden.

Glutencheck
Eine Zöliakie kann mit zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden einhergehen. Bild: www.fotolia.com © klickerminth

Funktionen des menschlichen Dünndarms

Der Dünndarm ist mit 5-6 m Länge eines der längsten Verdauungsorgane. Im Wesentlichen werden im Dünndarm die Nährstoffe aus der schon verdauten Nahrung über die Dünndarmschleimhaut ins Blut überführt. Der medizinische Fachbegriff für diesen Vorgang wird Resorption genannt. Um dieser Aufgabe nachkommen zu können, ist die Darmwand bei einem Menschen ohne akute Zöliakie in Falten gelegt, die Dünndarmschleimhaut ist mit fingerförmigen Ausstülpungen (Darmzotten) versehen. Auf den Darmzotten siedeln sich Enzyme an, die wichtig für die Verdauung der Nahrung sind. Aufgrund der Faltungen und Ausstülpungen vergrößert sich die Oberfläche des Dünndarms, so ist der Dünndarm in der Lage die große Menge an Nährstoffen aus der Nahrung ins Blut zu übertragen.

Dünndarm bei Menschen mit einer Glutenallergie

Bei Menschen mit einer Glutenallergie verursachen die Klebereiweiße, die in den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer vorkommen aufgrund von chemischen Prozessen eine Zerstörung des typischen Aufbaus der Dünndarmschleimhaut. Diese chemischen Prozesse werden vermehrt bei Menschen festgestellt, bei denen eine genetische Disposition für eine Zöliakie festgestellt wurde. Bei diesen Menschen kann der HLA-Typ HLA-DQ 2 und der HLA-Typ DQ 8 festgestellt werden. Doch nicht bei allen Menschen mit dieser genetischen Disposition kommt es auch zu einer Glutenunverträglichkeit. Umweltfaktoren wie eine Infektion mit dem Pilz , Stress mit enormen seelischen Belastungen oder hoher Alkoholkonsum können die Entstehung der Zöliakie fördern. Der komplexe Zusammenhang zwischen der genetischen Disposition für die Zöliakie und den letztendlich auslösenden Faktoren konnte noch nicht hinreichend geklärt werden. Fest steht jedoch, dass eine einmal ausgebrochene Zöliakie nicht geheilt werden kann.

Das Gluten führt bei Menschen mit einer Glutenallergie zur Bildung von Antikörpern gegen das aufgenommene Gluten. Im weiteren Verlauf kommt es zu Entzündungen und zur Bildung von Antikörpern, die für den Abbau von körpereigenem Gewebe verantwortlich sind. Diese Autoantikörper führen zu einem Abbau der Zotten im Dünndarm. In der Folge wird so die Aufnahme von Nährstoffen über die Dünndarmschleimhaut verhindert. Daher gehört die Glutenallergie zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen; es werden nicht nur Antikörper gegen den allergieauslösenden Stoff gebildet, sondern auch gegen den eigenen Körper.

Die Zöliakie/Sprue gehört nicht zu den modernen Zivilisationskrankheiten, sie wird nicht durch eine falsche und/oder einseitige Ernährung ausgelöst. Eine lange Stillzeit oder eine glutenfreie Ernährung des Kindes im ersten Lebensjahr verhindern nach dem heutigen Stand die Zöliakie/Sprue nicht. Es wird jedoch empfohlen auf eine glutenfreie Ernährung des Kindes im ersten halben Jahr zu achten, da sich die Symptome gerade in diesem Zeitraum sehr heftig zeigen können und es mitunter für das Baby lebensbedrohlich werden kann.

Symptome bei einer Glutenallergie

Die Symptome können insgesamt sehr unterschiedlich sein und sie unterscheiden sich auch zwischen Kindern und Erwachsenen.

Symptome Kind
Die Symptome einer Zöliakie treten meist bei der Umstellung der Nahrung von Milchnahrung auf getreidehaltige Nahrung auf. Die ersten Anzeichen äußern sich oft durch heftige Durchfälle. Es können mehrere der folgenden Symptome gleichzeitig auftreten oder aber auch nur einzelne:

– Ihr Kind verliert an Gewicht oder die Gewichtszunahme stagniert, obwohl ausreichend gegessen wird.
– Ihr Kind klagt von Zeit zu Zeit über Bauchschmerzen oder Ihr Baby schreit viel und klagt auch als Kleinkind oft über Blähungen (Blähbauch).
– Ihr Kind auffällig blass und müde ist.
– Der Bauch wirkt im Vergleich zu den dünnen Armen und Beinen aufgebläht.
– Der Stuhlgang Ihres Kindes ist sehr häufig und wirkt in der Konsistenz massig, fettig oder gärig (heller Stuhlgang).
– Die Muskulatur Ihres Kindes ist auffällig schwach entwickelt ist.
– Die Stimmung Ihres Kindes ist immer mal wieder ohne Grund missmutig.
– Eine erhöhte Infektanfälligkeit tritt auf.

Die genannten Symptome können auf eine Glutenunverträglichkeit hinweisen, müssen sie aber nicht. In jedem Fall sollte bei einem Anfangsverdacht der Kinderarzt aufgesucht werden und die Ursachen für die Beschwerden abklären.

Symptome Erwachsene
Die Symptome bei erwachsenen Menschen treten häufig nicht so deutlich zu Tage wie bei einem Kind im Kleinkindalter. Die ersten Anzeichen können Knochenschmerzen sein oder Ihr Arzt stellt einen Kalziummangel bei Ihnen fest. Erst nach und nach äußern sich die Symptome im Bauch, Durchfall kann sich mit Verstopfung abwechseln. Die Anzeichen mangelnder Nährstoff- und Vitaminversorgung können erst sehr spät auftreten, so dass es manchmal sehr lange dauert bis eine Zöliakie/Sprue diagnostiziert wird. Gerade auch wegen der unspezifischen Symptome.

Die folgenden Symptome können auf eine Glutenunverträglichkeit hinweisen:
Bauchschmerzen, Abwechselnd Durchfall und Verstopfung, Durchfälle mit hellem Stuhl und Fettstuhl, Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit , Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust trotz ausreichender Kalorienzufuhr, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit trotz genug Schlaf, Dunkle Augenringe, lang andauernde Infekte, Kopfschmerzen, Nervosität, Depressive Verstimmungen, Anämien, Eisen- und Zinkmangel, Zyklusstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Bläschen und Aphten an der Mundschleimhaut, Knochen- und Gelenkschmerzen.

Da die Aufnahme von Nährstoffen durch den typischen Aufbau der Dünndarmschleimhaut bei Zöliakie/Sprue verhindert wird kann es zu folgenden Folgeerkrankungen kommen:
Osteoporose
– Typ-1-Diabetes
– Migräne
– Gelenkentzündungen
– Epilepsie
Auch für Erwachsene gilt, dass die Ursachen für die genannten Symptome von einem Arzt abgeklärt werden sollten.

Diagnose der Glutenunverträglichkeit

Wer sich in den genannten Symptomen mit seinen Beschwerden wiederfindet und einen Anfangsverdacht auf eine Glutenallergie hat, sollte die Symptome mit dem behandelnden Arzt besprechen. Für eine gesicherte Diagnose wird das Blut auf Antikörper gegen das Getreideeiweiß untersucht. Es ist wichtig, dass bei einem Anfangsverdacht das Blut gezielt auf eben diese Antikörper hin untersucht wird. Der Bluttest ist jedoch keine hundertprozentige Gewissheit, da nicht alle Menschen die entsprechenden Antikörper bilden, obwohl sie an einer Glutenunverträglichkeit leiden. Darüber hinaus können auch Menschen Antikörper gegen das Getreideeiweiß bilden, obwohl sie nachweislich nicht unter Zöliakie/Sprue leiden.

Die Untersuchung der Dünndarmschleimhaut über eine Biopsie gibt dann die letztendliche Gewissheit, ob es sich um eine Glutenunverträglichkeit handelt. Diese Untersuchung ist nicht ganz angenehm, sollte jedoch bei einem positiven Ergebnis des Antikörpertests in jedem Fall durchgeführt werden. Nur durch die Biopsie kann eine gesicherte Diagnose erstellt werden. Darüber hinaus kann durch die Biopsie auch der Schweregrad der Schleimhautschädigung festgestellt werden. Es wird empfohlen, erst nach einer gesicherten Diagnose die Ernährung umzustellen.

Behandlung der Zöliakie

Die schulmedizinische Therapie setzt auf eine Ernährungsumstellung der Betroffenen. Die Ernährung muss konsequent und durchgängig auf glutenfreie Produkte umgestellt werden. zählen Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel, Grünkern und Lebensmittel, die daraus hergestellt werden (z.B. Mehl, Kuchen, Nudeln, Brot, Müsli, Bier). Nicht alle Hersteller geben auf den Verpackungen an, ob das Lebensmittel Gluten enthält. Daher ist eine genaue Auseinandersetzung mit den Lebensmitteln erforderlich. Durch den konsequenten Verzicht auf Gluten bilden sich die Zotten im Dünndarm wieder zurück und die Übertragung der Nährstoffe und Vitamine vom Dünndarm ins Blut funktioniert wieder.

Es kann sein, dass sich in Folge der Zöliakie/Sprue eine Laktoseintoleranz entwickelt hat, da das entsprechende Enzym für die Verdauung von Laktose in der geschädigten Darmschleimhaut fehlt. In diesem Fall, sollte zunächst auch auf laktosehaltige Lebensmittel verzichtet werden.

Es gibt zur Zeit keine Möglichkeit die Zöliakie/Sprue medikamentös zu behandeln. Jedoch wird an der Herstellung entsprechender Medikamente geforscht.

Das Gluten führt zwar zur typischen Veränderung der Dünndarmschleimhaut und damit zu einer gestörten Aufnahme von Nährstoffen. Die Ursachen für den Ausbruch der Zöliakie/Sprue sind jedoch letztendlich nicht geklärt. Neben einer genetischen Disposition wird auch vermutet, dass Stress und psychische Belastungen auch ein Auslöser für die Glutenunverträglichkeit sein können. Um auch diese Belastungen in der Therapie berücksichtigen zu können, sollte die Naturheilkundliche Behandlung nach einer gründlichen Anamnese durch den Heilpraktiker individuell festgelegt werden.

Da die Nährstoffaufnahme ins Blut im Dünndarm durch die Zöliakie/Sprue erschwert ist, ist es aus naturheilkundlicher Sicht wichtig die Selbstheilungskräfte unter anderem z. B. durch die Anwendung von Bachblüten, Immunssystem stärken und oder Schüssler Salzen zu stärken.

Besteht eine Heilungschance?

Fest steht jedoch, dass eine einmal ausgebrochene Zöliakie/Sprue nicht geheilt werden kann. Weder die Vollwertkost nach Dr. Bruker noch die sogenannte Bioresonanztherapie konnten bislang eine Glutenunverträglichkeit heilen, da die Grundlage der Unverträglichkeit in einer genetischen Disposition liegt. Einzig die transiente Zöliakie, die sehr selten und meist bei Kindern unter zwei Jahren vorkommt, stellt eine vorübergehende Form der Zöliakie dar. Nach dem Abklingen der Symptome durch eine entsprechende Diät, können bei erneuter Glutenzufuhr keine entsprechenden Antikörper und auch keine Veränderung der Dünndarmschleimhaut nachgewiesen werden. Es wird jedoch empfohlen die Antikörper im Blut regelmäßig kontrollieren zu lassen. (nd)

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Literatur:
– Hiller, Andrea: Zöliakie. Mehr wissen – besser verstehen. Trias Verlag: Stuttgart.
– Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.

Bild 1: Benjamin Thorn / pixelio.de