Insektenstichallergie

Susanne Waschke

Bei einer Insektenstichallergie reagiert der Betroffene mit einer allergisch bedingten Überempfindlichkeit auf das Gift von bestimmten Insekten. Meist sind hier Wespen und Bienen die Übeltäter. Von Hummeln, Hornissen oder Blutsaugern wie Mücken und Bremsen geht ein sehr geringes Allergierisiko aus. Eine Insektenstichallergie kann für Betroffene eine lebensbedrohliche Situation, einen sogenannten anaphylaktischen Schock, bedeuten.

Inhaltsverzeichnis

Verschiedene Allergie Typen
Ablauf der Typ I Allergie: Insektenstichallergie
Auslöser
Symptome
Diagnose
Medikamentöse Behandlung
Wichtig bei einer Insektenstichallergie
Hyposensibilisierung bei Insektenstichallergien
Notfallmaßnahmen bei einem Insektenstich
Notfallmittel aus der Naturheilkunde

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Verschiedene Allergie Typen

Bei den Allergien sind vier verschiedene Typen bekannt. Der Typ, dem auch die Insektenstichallergie zugeordnet wird, ist der Typ I, der Soforttyp, bei dem der Körper durch eine besonders starke Bildung von Immunglobulinen des Typs IgE innerhalb von Sekunden bis Minuten reagiert. Weitere Allergie-Arten sind Typ II, oder auch zytotoxischer Typ, mit einer Reaktionszeit von Stunden oder Tagen. Beim Typ III, oder auch Immunkomplextyp genannt, reagiert der Organismus innerhalb von sechs bis acht Stunden auf das Antigen und beim Typ IV, auch als Spättyp bezeichnet, ist mit Symptomen der Allergie im Zeitraum von ein bis drei Tagen zu rechnen.

Insektenstich in den Atemwegen [Abdruck nur mit Honorar, Namensnennung und Belegexemplar Henning Riediger Tannenhof 117c 22397 Hamburg Tel. 040/6080742 E-Mail: henning.riediger@t-online.de Steuer-Nr. 50/198/00549 USt.-IdNr. DE 118420134 Bankverbindung: Hamburger Sparkasse BLZ 200 505 50 Konto-Nr. 1299/475663 IBAN DE 27 2005 0550 1299 475663 BIC HASPDEHH]
Ein Insektenstich in den Atemwegen ist auch für Nicht-Allergiker gefährlich. Bild: www.fotolia.com © Henrie

Ablauf der Typ I Allergie: Insektenstichallergie

Der Insektenstichallergie liegt eine Veranlagung zugrunde, die im Laufe des Lebens zu einer allergischen Reaktion führen kann. Bei Kontakt mit dem Antigen, hier das Gift eines Insektes, produziert der Körper große Mengen an Immunglobulinen des Typs IgE. Diese bleiben an der Oberfläche von Mastzellen (Blutzellen, die zu den Leukozyten gehören) haften.Hat der Betroffene ein zweites Mal Kontakt mit einem Insektengift, startet der Körper eine sogenannte Antigen-Antikörper-Reaktion, worauf die Mastzellen sofort Histamin und andere Inhaltsstoffe freisetzen.

Innerhalb von Sekunden oder Minuten zeigen sich die allergischen Symptome. Dies ist bei einer Insektenstichallergie meist eine Anaphylaxie. Dabei kommen nach anfänglichem Juckreiz, Rötung und Schwellung der Einstichstelle Symptome hinzu, die nicht mehr lokal begrenzt sind, sondern sich immer mehr im ganzen Körper ausbreiten können. Dies sind Ödeme in Gesicht und Oberkörper, Luftnot und anfallartige Rötung, vor allem des Gesichtes (Flush). Durch das freigesetzte Histamin, das einen gefäßerweiternden Effekt hat, sinkt der Blutdruck. Auch Bauch- und Unterleibskrämpfe können entstehen. Die Anaphylaxie kann in einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock enden. Dieser geht mit Bewusstseinsverlust, Pulsbeschleunigung und Blutdruckabfall einher, bis letztendlich Kreislaufversagen und Atemstillstand eintreten können.

Auslöser für eine Insektenstichallergie

Die Hauptauslöser für eine Insektenstichallergie sind das Gift der Honigbiene und der Wespe. Hummeln und Hornissen sind zwar große, Angst einflößende Insekten, deren Allergiepotential ist jedoch gering. Wespen sind, was das Zustechen anbelangt etwas aggressiver. In der Regel verlieren diese auch nicht ihren Stachel, wie dies bei der Biene der Fall ist.

Symptome der Insektenstichallergie

Bei den Symptomen der Insektenstichallergie werden Lokalreaktionen von Allgemeinreaktionen unterschieden. Zu den Lokalreaktionen gehören Rötung, Juckreiz, Juckender Hautausschlag und Schwellung an der Einstichstelle. Diese kann sich verstärken und mehrere Tage anhalten. Allgemeinreaktionen treten nicht in der Nähe des Stichs auf, sondern können den ganzen Körper befallen. Leichte Ausprägungen sind eine Gesichtsrötung, Übelkeit, Schwindel und Atembeschwerden. Zu den ausgeprägteren Allgemeinsymptomen gehören anhaltende, massive Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen. Eine Insektenstichallergie kann im schlimmsten Fall zu Atemnot und/oder Kreislaufstillstand führen.

Diagnose

Um eine Insektenstichallergie diagnostizieren zu können ist eine ausführliche Anamnese nötig. Dabei wird der Betroffene nach Ausprägung und Ablauf des Stichs genau befragt. Ein anschließend durchgeführter Allergie-Test, bei dem kleinste Mengen an Bienen- und Wespengift mit Hilfe einer Lanzette in die Haut eingebracht werden, kann den Verdacht auf eine Insektenstichallergie erhärten. Meist folgt daraufhin noch ein Bluttest, beim dem die Anzahl der Immunglobuline des Typ E bestimmt wird.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung einer Insektenstichallergie ist keine ursächliche, sondern eine reine Symptombehandlung. Jedoch ist diese äußerst wichtig, um die allergischen Reaktionen im Akutfall schnellstens in den Griff zu bekommen und einem anaphylaktischen Schock entgegenwirken zu können. Zu den angewandten Medikamenten gehören Antihistaminika, Glucocorticoide und Mastzellstabilisatoren.

Histamin ist eine Substanz, die der Körper selbst herstellt. Bei einem Allergenkontakt wird aus den Mastzellen Histamin freigesetzt, was zu den verschiedensten, unangenehmen Allgergiesymptomen führt. Eine Erschlaffung der Gefäßmuskulatur, was sich durch einen Blutdruckabfall bemerkbar macht, eine erhöhte Gefäßpermeabilität, wodurch Schwellungen, sowohl lokal als auch im ganzen Körper auftreten können und eine Beeinträchtigung der Darmschleimhaut, was zu Durchfall führen kann. All dies sind Symptome, ausgelöst durch das frei gewordene Histamin. Hier greift der Einsatz eines Antihistaminikums. Dieses beeinflusst nicht die Ausschüttung und den Abbau der Substanz, sondern blockiert die Rezeptoren im Körper, an denen diese angreift. Mastzellenstabilisatoren hingegen greifen in den Mechanismus der Histaminausschüttung ein, indem sie die Zellwände der Mastzellen stabilisieren. Glucocorticoide, die ebenfalls bei der Behandlung der Insektenstichallergie zum Einsatz kommen, wirken entzündungshemmend, was gerade bei allergischen Symptomen sehr wichtig ist.

Da bei einem Insektenstich das Histamin nicht die alleinige, verantwortliche Substanz ist, werden auch andere Gegenspieler, wie zum Beispiel Alpha – oder Beta-Sympathomimetika verwendet. Bei einem anaphylaktischen Schock ist das wichtigste Mittel das Adrenalin. Dies wirkt erweiternd auf die Bronchien und Blutdruck erhöhend. Eine fertige Notfallspritze, die Adrenalin enthält, genannt Autoinjektor, ist ein Teil jedes Notfallsets, das Personen mit einer Insektenstichallergie möglichst immer griffbereit haben sollten, da es im Ernstfall lebensrettend ist.

Wichtig bei einer Insektenstichallergie

Die Vermeidungsstrategie ist natürlich das Beste, um eine allergische Reaktion zu umgehen. Jedoch ist dies natürlich nicht immer möglich. Die Betroffenen sollten sich mit passender Kleidung schützen und stets Schuhe tragen, wenn sie sich im Garten betätigen. Beim Verzehr von Eis, Kuchen und Ähnlichem ist äußerste Vorsicht geboten. Das Pflücken von Obst oder Blumen sollte den Personen vorbehalten sein, die keine Insektenstichallergie haben. Parfümierte Kosmetika sind möglichst zu meiden, da die Insekten Düfte lieben und durch diese angelockt werden können. In der Nacht schützt ein Insektenschutzgitter vor dem Fenster.

Motorradfahrer tragen zum Schutz vor Insektenstichen am besten fest anliegende Kleidung und halten das Visier des Helms stets verschlossen. Betroffene sollten stets das Notfallset mit sich tragen. Wichtig ist es, Freunde und Bekannte von der Allergie in Kenntnis zu setzen, damit diese bei einem Stich, die Notfallsituation sofort erkennen und dementsprechend handeln können. Auch der Einsatz des Notfallsets erspart nicht den Ruf nach dem Notarzt.

Hyposensibilisierung bei Insektenstichallergie

Da ein Insektenstich im Leben niemals ausgeschlossen werden kann, ist eine ursächliche Behandlung, in Form einer spezifischen Immuntherapie, zu empfehlen. Bei einer Hyposensibilisierung wird der Organismus mit kontinuierlich sich steigernden Dosen des Insektengiftes, in Form einer Injektion, konfrontiert. Daraufhin gewöhnt sich das Immunsystem langsam an das Gift. Diese Behandlung ist nicht ganz ungefährlich. Der Beginn der Therapie wird daher stationär durchgeführt, um bei einer Überreaktion sofort handeln zu können. Die Grundbehandlung dauert in der Regel fünf bis zehn Tage. Dabei wird mit einer sehr geringen Dosis des Insektengiftes begonnen und diese dann behutsam, in kleinsten Schritten, gesteigert.

Danach kann die Therapie ambulant durchgeführt werden, jedoch stets unter ärztlicher Aufsicht. So muss der Patient nach jeder Injektion mindestens eine halbe Stunde in der Praxis verweilen, damit ein eventuelles schnelles Eingreifen des Arztes möglich ist.

Die komplette Hyposensibilisierung dauert zwischen drei und fünf Jahren. Diese Therapie bietet eine 95 prozentige Sicherheit und kann ab dem fünften Lebensjahr erfolgen.

Notfallmaßnahmen bei einem Insektenstich

Oberstes Gebot ist, Ruhe zu bewahren und sofort den Notarzt zu rufen. Bei einem vorhandenen Notfallset, das sowohl ein Antihistaminikum, als auch ein Glucocorticoid und ebenso Adrenalin enthält, sollte dieses sofort, noch bevor der Arzt kommt, zum Einsatz gebracht werden. Das Adrenalin, auch Autoinjektor genannt, wird ,sobald die ersten Symptome auftreten, angewandt. Danach werden die beiden anderen Arzneimittel verabreicht. Jeder Betroffene sollte vor dem ersten Einsatz seines Notfallsets in dessen Anwendung eingewiesen werden.

Zusätzlich ist die Einstichstelle zu kühlen. Bei einem verschluckten Insekt ist das Lutschen von Eiswürfeln zu empfehlen, jedoch nur, solange die Betroffenen bei Bewusstsein sind.

Notfallmittel aus der Naturheilkunde

Auf keinen Fall ist bei einer Insektenstichallergie auf das Notfallset und den Notarzt zu verzichten. Jedoch hält die Naturheilkunde drei Mittel parat, die in in einem solchen Notfall zusätzlich zum Einsatz kommen können. Das homöopathische Mittel Apis hilft sowohl bei Wespen – als auch bei Bienenstichen. Vespa hingegen kommt nur bei Wespenstichen zum Einsatz. Normalerweise erfolgt die Anwendung oral. Jedoch kann das Mittel in etwas Wasser aufgelöst und damit die Einstichstelle versorgt werden. Der allgemeine, plötzlich einsetzende Notfall erfordert Aconitum. Diese Mittel sollten, ebenso wie das Notfallset, stets bei sich getragen werden. (sw)

Bild 1: Peter A. / pixelio.de