Reaktive Arthritis

Reaktive-Arthritis
Fabian Peters
Manche Menschen erleben nach einer überstandenen Infektionskrankheit plötzlich unangenehme Gelenkschmerzen, Augenjucken und Beschwerden beim Wasserlassen. Die Ursache ist in solchen Fällen oft eine sogenannte Reaktive Arthritis. Betroffene sind durch die Symptome häufig erheblich beeinträchtigt und nicht selten gehen die Beschwerden in ein chronisches Stadium über.

Definition

Die Reaktive Arthritis tritt nach einer vorausgegangenen Infektion auf und geht mit Beschwerden wie Harnröhrenentzündungen (Urethritis), Bindehautentzündungen, Gelenkentzündungen (meist große Gelenke) und anderen entzündlichen Prozessen einher. Auch Hautveränderungen können vorhanden sein. Durch die eingedrungenen Krankheitserreger wird im Immunsystem eine Autoimmunreaktion ausgelöst, die zu Entzündungen an verschiedenen Stellen des Organismus führt – es handelt sich demnach um eine Autoimmunkrankheit.

Die Symptomatik wurde ursprünglich nach ihrem Entdecker Hans Reiter (1881- 1969) als Morbus Reiter oder Reiter-Krankheit bezeichnet, wegen dessen Verstrickungen im Dritten Reich ist diese Bezeichnung heute jedoch ungebräuchlich. Heutige medizinische Bezeichnungen sind Reaktive Arthritis, Rheumatisches Fieber, akuter Gelenkrheumatismus, Urethro-okulo-synoviales Syndrom, undifferenzierte Oligoarthritis, Arthritis dysenterica oder postenteritisch reaktive Arthritis.

Reaktive-Arthritis
Plötzlich einsetzende Entzündungen in den großen Gelenken in Kombination mit Bindehautentzündungen und Beschwerden beim Wasserlassen sind ein Hinweis auf die Reaktive Arthritis. (Bild: www.Fit-and-Fresh.com /pixelio.de)

Symptome

Typisch für das Beschwerdebild ist eine Kombination aus Harnröhrenentzündung (Urethritis), Bindehautentzündung und Gelenkentzündungen, die meist große Gelenke betreffen, wie das Kniegelenk oder die Sprunggelenke. Dies wird auch als Reiter- Trias bezeichnet. Symptome wie Knieschmerzen, Knöchelschmerzen, Augenjucken, Augenschmerzen und Schmerzen beim Wasserlassen sind die Folge. Begleitendes hohes Fieber und eine wechselnde Lokalisation der Gelenkschwellungen sind weitere Anzeichen der Erkrankung. Auch Hautirritationen können autreten.

Ursachen

Betroffen sind meist jüngere Männer und Menschen mit einem speziellen Oberflächenmerkmal auf den Zellen, das sich HLA-B 27 nennt. Die Betroffenen entwicklen zum Beispiel nach einer Erkrankung an Tripper, Chlamiydien, Scharlach oder nach Magen-Darminfektionen mit Bakterien wie Campylobacter, Salmonellen und Shigellen eine Autoimmunreaktion, die zu entsprechenden Entzündungen an verschiedenen Stellen des Organismus führt. Diese Rektion kann bis zu drei Wochen nach der anfänglichen Infektion einsetzen und die ursprünglichen Krankheitserreger sind dabei nicht mehr beteiligt, sondern die Immunabwehr zeigt fälschlicherweise eine überschießende Reaktion.

Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten bei der Reaktiven Arthritis beschränken sich auf eine Linderung der Symptome, wobei gegen die Gelenkbeschwerden oft sogenannte nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt werden, jedoch auch eine Anwendung von Kortison in Betracht kommt. In der Naturheilkunde haben sich vor allem Kälteanwendungen gegen die Gelenkschmerzen bewährt. Hier ist das Eisbad aus dem Bereich der Hydrotherapie zu erwähnen, in welches die jeweiligen Gelenke für rund 30 Sekunden gehalten werden, aber auch extrem kalte Wickel könne Linderung verschaffen. Patienten mit Bluthochdruck sollten mit den Kälteanwendungen allerdings vorsichtig sein und gegebenenfalls zunächst Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Das Bad in einer Schale mit Eiswasser kann gegen die Gelenkschmerzen eingesetzt werden, allerdings ist dies nicht für alle Patienten geeignet und dient lediglich zur Symptomlinderung. (Bild: akulamatiau/fotolia.com)
Das Bad in einer Schale mit Eiswasser kann gegen die Gelenkschmerzen eingesetzt werden, allerdings ist dies nicht für alle Patienten geeignet und dient lediglich zur Symptomlinderung. (Bild: akulamatiau/fotolia.com)

Über 50 Prozent der Erkrankten sind spätestens nach einem halben Jahr wieder beschwerdefrei, in fast einem Drittel der Fälle entwickelt sich jedoch eine chronische Verlaufsform, die eine dauerhafte Medikation erforderlich macht. Auch können Komplikationen oder nachhaltige Schäden auftreten, wenn am Gelenk oder am Auge benachbarte Strukturen angegriffen oder strukturell verändert werden. (tf,fp)

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