Knöchelschmerzen – Schmerzen am Knöchel: Ursachen und Behandlung

Fabian Peters

Schmerzen am Knöchel

Knöchelschmerzen sind aufgrund der enormen Belastungen, denen das Sprunggelenk im Alltag und bei sportlichen Aktivitäten ausgesetzt ist, ein durchaus verbreitetes Beschwerdebild. Der Knöchel bildet den oberen Teil des Sprunggelenkes, also den Übergang zwischen Bein und Fuß. Er ist unterteilt in den Außenknöchel am unteren Ende des Wadenbeins und den Innenknöchel am unteren Ende des Schienbeines.

Definition

Schmerzen am Knöchel sind aus medizinisch-anatomischer Sicht auf den Bereich des oberen Sprunggelenkes beschränkt, doch im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen sie sämtliche schmerzhaften Beschwerden im Bereich zwischen Unterschenkel und Fuß. Diese können sowohl im oberen Sprunggelenk (OSG) als auch im unteren Sprunggelenk (USG) auftreten. Neben Schmerzen des Gelenkes, werden auch Schmerzen der umliegenden Bänder und Muskeln als Knöchelschmerzen wahrgenommen.

Schmerzen am Knöchel werden oft von Schwellungen und Rötungen in diesem Bereich begleitet. (Bild: Csaba Deli/fotolia.com)

Symptom Knöchelschmerzen

Die Knöchel sind bei Sportarten wie Basketball, Fußball, Tennis oder Hockey extremen Belastungen ausgesetzt. Entsprechend häufig leiden Sportler an schmerzhaften Verstauchungen, Bänderdehnungen oder gar Brüchen im Bereich zwischen Fuß und Bein. Je nachdem, ob die Knochen, Muskeln oder Bänder die Ursache der Beschwerden bilden, sind diese in einer unterschiedlichen Intensität und Lokalisation zu beobachten.

Beeinträchtigungen am Übergang zwischen Knochen und Bändern werden beispielsweise als punktueller Schmerz wahrgenommen, während sich die Schmerzen bei Rupturen der Innen- oder Außenbänder eher flächiger auf der jeweiligen Seite des Fußes ausbreiten. Denn Bänderrisse und Bänderdehnungen gehen mit einer massiven Schwellung einher, die auf das umliegende Gewebe drückt und so auch hier Schmerzen verursacht.

Knöchelschmerzen werden generell häufiger von Schwellungen, Rötungen und Blutergüssen im Bereich des Sprunggelenkes begleitet.

Unabhängig davon, ob die Beschwerden als punktuelle oder flächige Schmerzen auftreten, nehmen sie bei Druck und Belastung meist zu. Beim Stehen, Gehen und Laufen ist der Schmerz am Knöchel in der Regel deutlich erhöht und äußerer Druck, wie beispielsweise beim Abtasten, führt zu einem verstärkten Schmerzempfinden.

Nicht selten zeigt sich begleitend eine Instabilität im Sprunggelenk. Die Patienten knicken beim Treppensteigen, an der Bordsteinkante oder auf unebenem Gelände leicht um. Damit erhöht sich das Risiko von Bänderdehnungen, -rissen und Knöchelbrüchen weiter. Der Fuß kann theoretisch nach innen oder außen abknicken, in den meisten Fällen knicken die Betroffenen jedoch mit dem Fuß nach innen weg. Entsprechend neigen sie zu Schädigungen der Außenbänder. Durch das Umknicken können auch die Knochen des Sprunggelenks in Mitleidenschaft gezogen werden, was ebenfalls zu Knöchelschmerzen führt.

Das Sprunggelenk wird durch zahlreiche Bänder und sogenannte Syndesmosen (bandhafte Verbindungen aus Bindegewebe) stabilisiert. Im Bereich des Knöchels sind hier das Ligamentum tibiofibulare interosseum, Ligamentum tibiofibulare anterius (vorderes Syndesmosenband), das Ligamentum tibiofibulare posterius (hinteres Syndesmosenband) und das Ligamentum tibiofibulare transversum zu nennen. Sie verleihen dem oberen Sprunggelenk Stabilität, sind jedoch entsprechend hohen Belastungen ausgesetzt.

Weitere Bänder, die das Sprunggelenk zusammen halten, sind das Ligamentum deltoideum (sogenanntes Deltaband) und das Ligamentum collaterale laterale (Außenband). Im hinteren Bereich zwischen Fuß und Unterschenkel sitzt das kräftigste Band des menschlichen Körpers, die Achillessehne. Sämtliche genannten Bänder können in ihre Struktur geschädigt werden oder gar reißen und somit entsprechende Knöchelschmerzen bedingen. Am häufigsten sind jedoch Zerrungen, Dehnungen und Rupturen der Außenbänder.

Knöchelschmerzen gehen häufig mit einer Instabilität im Gelenk einher, was die Gefahr des Umknickens stark erhöht. (Bild: auremar/fotolia.com)

Ursachen der Knöchelschmerzen

Mögliche Ursache für Schmerzen im Knöchelbereich sind Schädigungen der umgebenden Bänder. Diese können ihrerseits auf eine chronische Überlastung, eine Traumaverletzung durch Umknicken oder auf eine angeborene Bänderschwäche zurückgehen.

Angesichts der hohen Belastung, denen das Sprunggelenk insbesondere bei sportlichen Aktivitäten ausgesetzt ist, sind bei Sportlern häufig Verschleißerscheinungen im Gelenk zu beobachten, die unter Umständen auch zu einer Sprunggelenk-Arthrose führen können. Bei dieser schwindet die Knorpelschicht im Gelenk, die Belastbarkeit geht deutlich zurück und die Betroffenen klagen über ziehende Schmerzen im inneren des Sprunggelenks. Langfristig verliert das Sprunggelenk vollständig seine Funktionsfähigkeit und wird steif.

Heftiges Umknicken des Fußes kann eine Fraktur des Knöchels bedingen, die ihrerseits massive Knöchelschmerzen verursacht. Ein solcher Knöchelbruch ist meist mit einer Dehnung oder Ruptur der Bänder verbunden. Als weiterer Auslöser kommt das sogenannte Os-trigonum-Syndrom in Betracht. Das Os trigonum ist ein kleiner Knochen am hinteren Ende des Sprungbeins. Werden die umgebenden Bandstrukturen (Ligamentum fibulotalare posterius und Ligamentum deltoideum) stark beansprucht, können Reizungen in Höhe des Os trigonums auftreten, die zu anhaltenden Schmerzen hinter dem Außenknöchel führen.

Da sowohl Bänderrisse beziehungsweise –dehnungen als auch Knöchelbrüche meist mit massiven Schwellungen und Blutergüssen einhergehen, droht bei der Abheilung unter Umständen eine Vernarbung des Gewebes, die zu schmerzhaften Blockaden im Knöchelbereich führen kann. Die Bewegungsfähigkeit des Sprunggelenks ist deutlich eingeschränkt und in bestimmten Positionen zeigt sich ein äußerstes schmerzhaftes Ziehen.

Diagnose

Neben dem Abtasten des Sprunggelenks sind bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen und die Magnetresonanztomographie gut zur Diagnosestellung geeignet. Mit ihnen lassen sich Bänder, Muskeln, Knorpel und Knochen in ihrer Struktur darstellen und Knöchelbrüche, Bänderrisse oder Arthrose-Erkrankungen eindeutig erkennen. Auch das Os-trigonum-Syndrom ist mit Hilfe bildgebender Verfahren festzustellen. Letztendlich ist die Diagnosestellung bei Knöchelschmerzen in der Regel kein Problem. Die Behandlung der Ursachen gestaltet sich hingegen oftmals deutlich schwieriger.

Durch eine Röntgenaufnahme des Knöchels lassen sich Brüche, ein Bänderriss oder Gelenkverschleiß gut erkennen. (Bild: stockdevil/fotolia.com)

Behandlung bei Knöchelschmerzen

Grundsätzlich richtet sich die Therapie bei einem schmerzenden Knöchel nach den jeweiligen Ursachen der Beschwerden. So führt beispielsweise bei einem Bänderrisse bis heute kein Weg an einer Schiene vorbei, bei einem Knöchelbruch wird meist ein Gips erforderlich und Verstauchungen werden mit einem Verband fixiert. Begleitend zur Ruhigstellung soll das Kühlen und Hochlegen gegen die Schwellung helfen.

Wachsen gerissene Bänder trotz Schiene nicht wieder zusammen, kann eine Operation erforderlich werden, bei der entweder die bestehenden Bänder wieder verbunden oder ersetzt werden. Ein operativer Eingriff ist unter Umständen auch bei einer Sprunggelenk-Arthrose und dem Os-trigonum-Syndrom geboten.

Mit dem minimalinvasiven Verfahren der sogenannten Sprunggelenks-Arthroskopie (Spiegelung des Sprunggelenks) können nach einem Knöchelbruch losgelöste Knochensplitter, die das Gelenk zu blockieren drohen, entdeckt und entfernt werden. Auch lässt sich mit dieser Methode dem Arthrose-bedingten Schwinden der Knorpelschicht Einhalt gebieten.

In jedem Fall ist bei der Behandlung der Schmerzen am Knöchel die Physiotherapie eine elementarer Bestandteil. Durch Krankengymnastik sollen Fehlbelastungen vermieden, die Gelenke stabilisiert und die Schmerzen langfristig behoben werden. Auch wird im Rahmen der Physiotherapie versucht, bestehende Bewegungsbeeinträchtigungen zu beseitigen.

Ganzheitliche Behandlungsansätze

Massagen können ebenfalls zur Linderung der Beschwerden beitragen. Zudem bieten das sogenannte Rolfing und die Osteopathie mögliche Behandlungsansätze zur Therapie. Gemäß ihrem ganzheitlichen Ansatz werden bei diesen Methoden weitere Beschwerden der Patienten, wie Knieschmerzen, Kniescheibenschmerzen, Gehschwierigkeiten, Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen oder gar Nackenverspannungen bei der Behandlung der Knöchelschmerzen berücksichtigt. Zwar mag sich für Außenstehende der Zusammenhang zwischen den Beschwerdebildern häufig nicht auf den ersten Blick erschließen, doch der Erfolg gibt diesen ganzheitlichen Behandlungsansätzen oftmals recht.

Schmerzen am Knöchel vorbeugen

Um das Risiko von Knöchelschmerzen zu minimieren, ist insbesondere beim Sport auf das Tragen geeigneten Schuhwerks zu achten. Zudem können Dehnungsübungen unter Umständen gegen bereits bestehende Probleme helfen und gleichzeitig eine vorbeugende Wirkung gegenüber Sprunggelenkbeschwerden entfalten.

Die Physiotherapie spielt auch bei der Prävention eine herausragende Rolle. Denn werden beispielsweise im Anschluss an einen Bänderriss beziehungsweise eine Bänderdehnung, die Bänder nicht durch entsprechendes Training ausreichend stabilisiert, droht eine dauerhafte Instabilität und das Risiko erneuter Verletzungen steigt. Durch Tapen des Knöchels beim Sport oder einen stabilisierenden Stützstrumpf lässt sich die Anfälligkeit für das Umknicken zwar beseitigen, doch können diese Hilfsmittel keineswegs die voll belastbare und funktionsfähige Struktur der Bänder ersetzen. (fp, zuletzt aktualisiert am 15.1.2018)