Rückenschmerzen Ursachen und Therapie

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Etwa jeder dritte Deutsche leidet aktuellen Statistiken zufolge unter Rückenschmerzen. Schmerzen im Rücken können dabei vielseitige Ursachen haben. Wir bieten Ihnen hier einen Einblick zu den Hintergründen, möglichen Ursachen, Symptomen und Behandlungsansätzen bei Rückenleiden. Bei vielen Menschen verschwinden die Beschwerden nach relativ kurzer Zeit wieder von allein. Erst wenn die Schmerzen länger als 12 Wochen anhalten, spricht man von chronischen Rückenschmerzen. In solchen Fällen funktionieren die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht mehr. Die Konsultierung eines Facharztes (Orthopäden) und/oder Osteopathen, der die Selbstheilung des Körpers unterstützt und bestärkt, wird notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Rückenschmerzen in Deutschland
Ausprägungen
Funktionelle Erklärungsmodelle
Wo und wie treten die Schmerzen auf?
Wann treten die Schmerzen auf?
Rückenschmerzen am Morgen
Der Hüftbeugemuskel
Beine und Kreuz-Darmbeingelenke
Verbindungen zur Brustwirbelsäulenregion
Rückenschmerz als Krankheitssymptom
Knochenkrankheiten, -verletzungen und -brüchen
Rückenschmerz und Psychosomatik
Diagnosestellung
Behandlungen und Therapien
Naturheilkunde bei Rückenschmerzen
Rückenschmerzen vermeiden
Rückenschmerzen Übungen
Wirbelsäulentherapie bei Rückenschmerzen (Video)

Definition

Rückenschmerzen beschreiben ein breites Spektrum schmerzhafter Beschwerdebilder im Bereich zwischen unterem Nacken und der Spitze des Steißbeins. Sie können sowohl nach ihrer Ursache als auch nach ihrer zeitlichen Ausprägung weiter untergliedert werden. Gängig ist eine Einteilung in akute, subakute und chronische Rückenschmerzen. Akute Rückenschmerzen zeigen sich dabei über einen Zeitraum von maximal sechs Wochen. Halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an ist zunächst von subakuten Rückenschmerzen die Rede. Ab einer Dauer von zwölf Wochen gelten die Rückenschmerzen als chronisch. In der Fachliteratur werden die Rückenschmerz nach ihren Ursachen außerdem in spezifische (bei Vorliegen feststellbarer körperlicher Ursachen) und unspezifische Rückenschmerzen (keine pathophysiologischen Ursache feststellbar) unterschieden.

Rückenschmerzen in Deutschland

Den jährlich erscheinenden Berichterstattungen der gesetzlichen Krankenkassen und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge, sind Rückenschmerzen hierzulande seit Jahren einer der häufigsten Krankschreibungsgründe. Expertenschätzungen zufolge haben aktuell über 25 Millionen Menschen in Deutschland mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Im Jahr 2011 waren laut Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems – von denen die Rückenschmerzen den größten Anteil ausmachen – die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Fehltage. Hiermit sind Kosten durch Produktionsausfälle verbunden, die je nach Berechnungsmethode bis in den zweistelligen Milliardenbereich reichen. Hinzu kommen die Kosten, die für die Behandlung der Rückenschmerz-Patienten fällig werden.

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Ausprägungen

Zunächst ist es der Ort des Schmerzes und das Auftreten, von dem Betroffene und Therapeuten sich eine Spur zur Ursache erhoffen. Dabei werden immer wieder bestimmte Schmerzbereiche und Positionen genannt, hinter denen sich zahlreiche Funktionsstörungen und Erkrankungen verbergen können. Meist treten die Rückenschmerz als Beschwerden im unteren Rücken auf. Die zeitliche Ausprägung der Schmerzen gestaltet sich jedoch sehr unterschiedlich. Wie bereits erwähnt, ist von chronischem Rückenschmerz die Rede, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern, ansonsten gelten die Rückenschmerzen als akutes beziehungsweise subakutes Beschwerdebild. Jedoch macht die Einteilung nur bedingt Sinn, denn Patienten, die mit zeitlichen Unterbrechungen immer wieder unter heftigen Rückenschmerzen leiden, empfinden ihr Leiden zu Recht als chronisch. Andere Definitionen bezeichnen die Rückenschmerzen daher als chronisch, sobald diese an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres auftreten.

Funktionelle Erklärungsmodelle

Eine häufige Selbstdiagnose oder Befürchtung von Betroffenen ist der Bandscheibenvorfall. Dabei tritt Material aus den elastischen Knorpelscheiben zwischen den Rückenwirbeln aus und kann auf die hier verlaufenden Nervenbahnen drücken. Eindeutig diagnostiziert werden kann dies nur durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT oder Kernspin). Die Beschwerden, die lokal oder im Verlauf eines abgeklemmten Nervs auftreten, werden als Bandscheiben- Syndrom bezeichnet.

Da die Bandscheiben optimal durch einen Wechsel von Zusammenpressen und Entlasten versorgt werden müssen, um in ihrer Funktionsfähigkeit erhalten zu bleiben, nimmt man an, dass das viele Sitzen – beispielsweise im Rahmen einer Bürotätigkeit – hier als massiver Risikofaktor zu bewerten ist, da dies die erforderliche Pumpbewegung nicht bietet. Hierdurch ist dem funktionellen Ansatz zufolge die „Ernährung“ der Bandscheiben nicht optimal gewährleistet und sie sind nicht mehr so belastbar. Daher wird auch ein möglicher Zusammenhang mit der Entstehung der Osteochondrose beziehungsweise Osteochondrosis inter- vertebralis (Störung der Umwandlung von Knorpel zu Knochen) diskutiert. Bei diesem, durch bildgebende Verfahren feststellbaren, Phänomen sind die Bandscheiben vermindert und scheinen durch verringerte Elastizität ihre Funktion nicht mehr voll erfüllen zu können. Aus scheinbar kompensatorischen Gründen bilden sich sogenannte Randanbauten (knöcherne Ausziehungen) der Wirbel. Diese degenerativen Veränderungen der Wirbel werden als Spondylosis deformans oder einfach nur als Spondylose bezeichnet.

Der sogenannte Hexenschuss oder auch Lumbago, bei dem meist nach dem Heben und gleichzeitigem nach vorne Beugen mit einer Last akute Schmerzen auftreten, wurde in seiner Entstehung lange Zeit den Gelenken an der Wirbelsäule zugeordnet, da diese sehr sensibel sind. Durch falsche Bewegungen, zu hohe Belastung oder auch Verkühlungen können Verspannungen der Muskulatur und/oder Verschiebungen der Wirbelkörper auftreten, was zu Kompressionen der Nervenbahnen führt, die sich wiederum in Form von Rückenschmerzen äußern. Begleitend zeigen die Betroffenen oftmals eine deutlich eingeschränkte Bewegungsfähigkeit. Bei schweren Formen eines Hexenschusses können darüber hinaus Probleme beim Harn- und Stuhlgang, ein Taubheitsgefühl beziehungsweise Kribbeln in den Gliedern und Lähmungen hinzukommen. Bewegungsmangel und eine unterentwickelte Rückenmuskulatur gelten allgemein als Risikofaktoren für einen Hexenschuss.

Im Bereich der Wirbelkörper und Bandscheiben kann es auch zu einer Entzündung durch Erreger kommen. Dies wird als Spondylodiszitis, oder Spondylitis (Wirbelentzündung), beziehungsweise Diszitis (Bandscheibenentzündung) bezeichnet. Neben den Rückenschmerzen sind unter Umständen Symptome wie übermäßiges nächtliches Schwitzen, Fieber und ein deutlicher Gewichtsverlust zu beobachten.

Eine Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, die sogenannte Spondylarthrose, ist häufig ein Nebenbefund bei der Diagnose von Rückenschmerz mittels bildgebender Verfahren. Das Beschwerdebild wird auch unter dem Begriff Facettensyndrom zusammengefasst. Ob die Wirbelgelenkarthrose den Schmerz neben der Wirbelsäule erklären kann oder hier eher andere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen, ist bislang jedoch nicht abschließend geklärt. Denn neuere Untersuchungen der US-amerikanischen Forscherin Helene Langevin belegen, dass bei Patienten mit Rückenschmerzen die unterste Schicht des die Muskeln überziehenden Bindegewebes, der sogenannten thorakolumbalen Faszien (TLF), verdickt ist. Und weitere Studien der Universität Heidelberg an Ratten zeigten, dass die obere Schicht der thorakolumbalen Faszie sehr reich mit Nerven und Schmerzfasern versorgt ist. Durch verminderte Bewegung könnte die thorakolumbale Faszie verkleben und demnach auch für die Beschwerden verantwortlich sein. Zudem sind einseitige Belastungen bei Asymmetrien, wie sie zum Beispiel durch Skoliosen (Seitenverbiegungen der Wirbelsäule), oben beschriebene Haltungsfehler oder durch Beinverkürzungen entstehen, als mögliche Ursachen zu nennen.

Wo und wie treten die Schmerzen auf?

Sitzen die Beschwerden im mittleren unteren Drittel des Rückens, werden Sie häufig als Kreuzschmerzen bezeichnet. Ist dabei die Lendenregion neben der Wirbelsäule ein- oder beidseitig betroffen, spricht man von Flankenschmerzen. Bei vielen Menschen ist der Schmerz indes ganz punktuell auf Höhe des Gelenkes von Beckenschaufel und Kreuzbein im Bereich des sogenannten Iliosakralgelenkes lokalisiert. Einige Patienten empfinden den Schmerz auch quer über diesem Bereich. Oftmals zieht der Schmerz neben der Wirbelsäule herunter – gerade beim Beugen nach unten und morgens nach dem Aufstehen. Aber auch ein sehr punktueller Schmerz zwischen Rippen und Beckenschaufel wird von vielen Rückenschmerz-Betroffenen angegeben, ebenso wie ein Ziehen über den ganzen Rücken.

Rückenschmerzen, die die Betroffenen vor allem als Schmerzen der Muskulatur schildern, bei denen sie jedoch den Schmerzort nicht genau ausmachen können, werden auch diffuse Rückenschmerzen genannt. Hierfür kann es sehr viele Ursachen geben, die nicht selten außerhalb des Rückens liegen. Die verschiedenen Ursachen der Rückenschmerzen gehen jeweils mit einer sehr speziellen Symptomatik einher, sowohl was die Rückenschmerzen an sich, als auch was die Begleitsymptome betrifft. Daher erfolgt weiter unten jeweils im Zusammenhang mit den Auslösern der Beschwerden eine eingehendere Darstellung der Symptomatik.

Wann treten die Schmerzen auf?

Viele Menschen klagen über morgendliche Steifheit im Rücken, Schmerzen beim nächtlichen Umdrehen im Bett und nach langem Sitzen oder Autofahren. Zusätzlich können viele Betroffene nicht lange Stehen oder Sitzen, ohne Schmerzen im unteren Rücken zu bekommen. Häufig fällt das nach vorne Beugen akut schwer und das längere Stehen in gebeugter Haltung – zum Beispiel morgens beim Zähneputzen, dem Haarebürsten oder bei der Gartenarbeit – führt zu anschließenden Problemen und Schmerzen beim Wiederaufrichten. Hier ist eine gewisse Bewegungssteife festzustellen. Oftmals verbessern sich die Beschwerden nach dem warmen Duschen oder mit dem Bewegen. Bei vielen Menschen zeigt sich der Schmerz punktuell auf Höhe des Gelenkes von Beckenschaufel und Kreuzbein. Bei anderen zieht der Schmerz quer über den Rücken oder neben der Wirbelsäule herunter. Ein häufiger Schmerzort ist außerdem der Punkt zwischen Rippen und Beckenschaufel. Teilweise zieht der Schmerz auch über den gesamten Rücken.

Einseitige Belastungen bzw. das Nicht-Beanspruchen von Muskeln führt sich erheblichen Beschwerden.
Einseitige Belastungen bzw. das Nicht-Beanspruchen von Muskeln führt zu erheblichen Beschwerden. (Bild: pongsuwan/fotolia)

Rückenschmerzen am Morgen

Zahlreiche verschiedene Ursachen werden in Zusammenhang mit Rückenschmerzen gebracht, wobei das Spektrum von psychosomatischen Auslösern über Beeinträchtigungen der Wirbelsäulenstrukturen, Muskeln und Nerven bis hin zu Erkrankungen wie einer Speiseröhrenentzündung oder einem Herzinfarkt reicht. Die anschließend aufgeführten funktionellen Erklärungsmodelle bilden insbesondere bei Rückenschmerzen, die im Zusammenhang mit den Bandscheiben, Wirbelgelenken und dem Bindegewebe stehen eine gute Basis zur Diagnose und Behandlung.

Der Hüftbeugemuskel

Eine Schiefstellung des Beckens und eine entsprechende Schonhaltung ist nach derzeitigem Forschungsstand hauptsächlich durch einen Hartspann des Hüftbeugemuskels (M. Iliopsoas) bedingt, der an der Innenseite der Wirbelsäule ansetzt. Vermutet wird, dass er auch die Biomechanik der Region derart nachhaltig beeinträchtigt, dass auf diese Weise die Entwicklung einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) begünstigt wird. Hierbei rutscht ein Wirbel aus seiner gewöhnlichen Position, was häufig erhebliche Rückenschmerzen verursacht. Begleitend empfinden die Betroffenen eine unangenehme Instabilität im Bereich der Wirbelsäule. Meist ist in der Praxis der fünfte Lendenwirbel (L5) betroffen und die Patienten klagen über einen diffusen oder stechenden Schmerz am Dornfortsatz von L5. Das Verrutschen kann soweit gehen, dass der Duralsack (quasi eine Fortführung der harten Hirnhaut als Schlauch um Rückenmark und teilweise abgehende Nerven oder Nervenwurzeln) abgeklemmt wird. Je nachdem welcher beziehungsweise wo der Nerv eingeklemmt ist, kann dies lokale Schmerzen und Lähmungen verursachen oder auch eine sogenannte Ischialgie (Ischiasschmerzen) auslösen.

In der Osteopathie wird der oben erwähnte Hüftbeugemuskel auch als „die Müllkippe des Körpers“ bezeichnet, weil sich in ihm Schlackenstoffe oder eine Übersäuerung des Organismus niederschlagen sollen. Denn Annahmen zufolge kann dies zur Reizungen des Hüftbeugemuskels führen. Des Weiteren geht die Osteopathie davon aus, dass durch vermehrtes Sitzen der Muskel zusätzliche verkürzen kann und die Wirbel hierdurch zu stark aufeinanderpressen, was entsprechende Schmerzen in den Gelenken oder an den Muskelansätzen auslöst.

Beine und Kreuz-Darmbeingelenke

Die Füße, Beine und Hüftgelenke sind unter anderem als Stoßdämpfer der Wirbelsäule zu betrachten. Dies bedeutet, dass ein ausgeprägter Varus (O- Beine) oder Valgus (X- Beine) oder eine vehemente Hüftgelenkarthrose (Coxarthrose), welche die Stoßdämpferfunktion beeinträchtigen, die Wirbelsäule verstärkt belasten können. Diese überhöhte (Fehl-)Belastung kann ebenso wie bei möglicherweise vorliegendem Übergewicht zu Verhärtungen der Muskulatur im Rückenbereich und Abnutzungserscheinungen an den Gelenken führen.

Kreuz- und Gesäßschmerzen werden auch in Verbindung mit Schädigungen des sogenannten Iliosakralgelenks gebracht. Dieses Gelenk zwischen den Darmbeinschaufeln, welche die Hüftgelenkspfanne und den Beckenkamm bilden, und dem Kreuzbein überträgt die Kraft von den zwei Beinen auf eine Säule (Wirbelsäule) und ist dabei erheblichen Belastungen ausgesetzt. Verminderungen der Stoßdämpferfunktion der unteren Extremität werden daher oftmals in Verbindung mit der Entstehung von akuten Entzündung des Iliosakralgelenks (Sakroiliitis) gebracht, auch wenn sich hier ein unmittelbarer Zusammenhang nur schwer herstellen lässt. Wissenschaftlich belegte Auslöser der Sakroiliitis sind indes Erkrankungen wie Morbus Bechterew und rheumatische Beschwerden, wie eine Reaktive Arthritis oder Morbus Behçet. Insbesondere die Reaktive Arthritis (auch Morbus Reiter genannt) lässt sich anhand der typischen Begleitsymptome – einer Augenentzündung beziehungsweise Bindehautentzündung und einer Harnröhrenentzündung (Urethritis) – relativ leicht identifizieren. Auch Morbus Behçet ist anhand der auffälligen Begleitsymptome deutlich von anderen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Rückenschmerzen gebracht werden, zu unterscheiden. So zeigen die Betroffenen zu Beispiel oftmals die Bildung von Aphthen im Genitalbereich und Mund. Zudem sind Augenentzündungen in unterschiedlichen Formen (zum Beispiel Hornhautentzündung, Bindehautentzündung, Uveitis oder Sehnerventzündung) möglich. Hinzu kommen die bei rheumatischen Erkrankungen üblichen Gelenkschmerzen. Entzündungen des Iliosakralgelenks werden des Weiteren auch vermehrt bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn beobachtet.

Auch ganz am Ende der Wirbelsäule, am Steißbein, können Schmerzen auftreten. Meistens leiden die Betroffenen nach langem Sitzen unter entsprechenden Beschwerden. Die Symptomatik wird Kokzygodynie genannt. Vermutet wird unter anderem eine Reizung der Bänder, die am Steißbein ansetzen. Gerade im Rahmen von Schwangerschaften berichten Frauen hier vermehrt über Beschwerden. Als mögliche Ursachen für die Schmerzen im untersten Abschnitt der Wirbelsäule werden unter anderem angeborene Fehlbildungen, schlecht verheilte Frakturen, aber auch Tumore genannt, weshalb eine ärztliche Überprüfung bei wiederholtem Auftreten dringend geboten ist.

Verbindungen zur Brustwirbelsäulenregion

Der weiter oben gelegen Anteil der Wirbelsäule, die sogenannte Brustwirbelsäule (BWS), kann durch Bewegungseinschränkungen den unteren Rücken indirekt ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Zum Beispiel kann es in der Pubertät während der Wachstumsphase zu einer Diskrepanz zwischen Belastung und Belastbarkeit der BWS kommen. Dies führt mitunter zu einer Verformung der Wirbel in der BWS, die Morbus Scheuermann oder auch Scheuermann-Krankheit genannt wird. Die Wachstumsstörung der Wirbelsäule führt dabei nicht selten zu einer ausgeprägten Fehlhaltung, die mit erheblichen Rückenschmerzen und deutlichen Bewegungseinschränkungen einhergehen kann. Da die darunter (Lendenwirbelsäule) oder darüber liegenden (Halswirbelsäule) Anteile der Wirbelsäule eine durch Morbus Scheuermann entstandene Bewegungseinschränkung kompensieren müssen, könne in weiterer Folge auch hier erhebliche Beschwerden auftreten.

In der Brustwirbelsäulenregion liegen Wirbelsäule, Lunge, Herz, Magen, Zwerchfell und Speiseröhre sehr eng beieinander und können sich wechselseitig beeinflussen. Es gibt Überschneidungen zwischen den Nerven, die die Organe versorgen und bestimmten Hautarealen (Dermatome) am Rücken – den sogenannten Headschen Zonen. Bei Problemen der Organe kann es demnach zu einer reflektorischen Sensibilität in den Dermatomen am Rücken kommen. So können bei Magenkrankheiten im Bereich etwa des fünften bis neunten Brustwirbelsäulenareals auf der linken Seite Beschwerden auftreten. Das Areal für die Gallenwege und die Leber, welches bei Lebererkrankungen oder Erkrankungen der Gallenblase und -wege beeinflusst werden kann, liegt ungefähr parallel dazu auf der rechten Rückenseite. Probleme des Zwerchfells (Diaphragma), welches sehr großflächig ansetzt, können ebenfalls für von der Brustwirbelsäule ausgehende Beschwerden und Bewegungseinschränkungen sorgen. Das Zwerchfell wird zum Beispiel bei einem Gewebebruch der Bauchhöhle (Hernie), bei der Teile des Magens nach oben rutschen können, in Mitleidenschaft gezogen.

Rückenschmerz als Krankheitssymptom

Rückenschmerzen können auch Ausdruck einer Erkrankung sein, die nicht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Muskel-Skelett-System steht. Beispielsweise kann die durch das Zwerchfell verlaufende Speiseröhre, da sie recht weit hinten vor der Wirbelsäule liegt, durch eigene Erkrankungen wie zum Beispiel den Barrett- Ösophagus (Speiseröhrenentzündung) für Projektionen und Beschwerden im Rückenbereich sorgen. Natürlich können Erkrankungen des Herzens, wie eine Verengung der Blutgefäße am Herzen (koronare Herzkrankheit= KHK) oder ein Herzinfarkt ebenfalls für die Beschwerden verantwortlich sein. Nach dem Herzen beginnt die Hauptschlagader (Aorta). Auch diese kann Rückenschmerzen verursachen, wenn sie eine Aussackung in ihrer Wand aufweist (Aortenaneurysma). Des weiteren sind Beeinträchtigung der Blutgefäße im Lungenbereich wie beispielsweise bei einer Lungenembolie als mögliche Ursache der Rückenprobleme zu nennen. Sind neben den Rückenschmerzen Symptome wie Herzschmerzen beziehungsweise Brustschmerzen, Herzrasen, ein Engegefühl im Brustkorb, Atemnot und ausstrahlende Schmerzen in den Armen und im Oberbauch zu beobachten, sollte dringend ein Arzt beziehungsweise Notarzt kontaktiert werden, da den Beschwerden ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis zugrunde liegen kann.

In der Region vor dem Hüftbeuger befinden sich die Nieren mit den Harnleitern. Erkrankungen wie Nierensteine (Nephrolithiasis) oder generell Steine der Harnwege (Urolithiasis), eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), eine Thrombose der Nierenvene (Nierenvenenthrombose), ein Niereninfarkt oder eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) können neben Nierenschmerzen auch Schmerzen im Rücken, besonders in der Flankenregion (Flankenschmerzen), bedingen. Die Begleitsymptome sind je nach Form der Nieren- beziehungsweise Harnleiter-Erkrankung äußerst unterschiedlich. Leiden die Patienten zum Beispiel an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden beim Wasserlassen und Blut im Urin, sollte dies als Warnhinweis auf eine ernsthaftere Nierenerkrankung gewertet werden und dringend eine ärztliche Überprüfung erfolgen, da schlimmstenfalls bleibende Beeinträchtigungen der Nierenfunktion bis hin zum vollständigen Nierenversagen drohen.

Knochenkrankheiten, -verletzungen und -brüchen

Bewegungsunabhängige, anhaltende Rückenschmerzen sind zum Beispiel bei einer Wirbelfraktur (Bruch eines Wirbels) zu beobachten, wie sie aufgrund eines Unfalls, einer Osteoporose-Erkrankung, eines Tumors im Rückenmark (Plasmozytom beziehungsweise Multiples Myelom) oder auch der Knochenzersetzung (Osteolyse) bei Metastasenbildung auftreten kann. Die Schmerzen werden dabei häufig im umgebenden Gewebe der Wirbelsäule wahrgenommen.

Durch einen offenen Bruch an einem Wirbel ist es zudem möglich, dass Erreger einwandern und eine Entzündung (Osteomyelitis, Knochenmarkentzündung) auslösen, die ihrerseits mit diffusen Rückenschmerzen einhergeht. Die Beschwerden können dabei denen eines sogenannten Ewing- Sarkoms, eines Knochentumors, ähneln, weswegen ein bildgebendes Verfahren zur (Ausschluss-)Diagnose hier unabdingbar ist. Solche diffusen Schmerzen sind unter Umständen auch bei Morbus Paget zu beobachten. Einer Erkrankung, die aus Knochenverdickungen besteht und deren Ursache bis heute weitgehend unbekannt ist.

Ein unterschätztes Thema bei Rückenschmerzen sind Erkrankungen oder Vorgänge, die nicht direkt am Rücken, sondern im Stoffwechsel ihre Ursache haben, wie beispielsweise die Osteomalazie. Dies ist eine Knochenerweichung, die vor allem durch einem Mangel an Vitamin D bedingt wird und ein Ausdünnen des Knochens mit sich bringt, was natürlich zu einer geringeren Belastbarkeit und Schmerzen führen kann. Einen ähnlichen Effekt hat der sogenannte Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion). Hier kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen der Nebenschilddrüsen (Parathormon), die unseren Blut-Kalzium-Spiegel steuern. Folge ist unter anderem, dass vermehrt Knochensubstanz abgebaut wird beziehungsweise der Knochen demineralisiert, was ebenfalls die oben beschriebenen Folgen haben kann. Natürlich gehört in dieses Bild auch die sogenannte Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta), die bei den meisten Betroffenen aber schon von Geburt an bekannt ist.

Rückenschmerz und Psychosomatik

Rückenschmerzen, die dauerhaft ohne jeglichen organischen oder funktionellen Befund bestehen und Behandlungsresistenz aufweisen, werden aus Sicht der psychosomatischen Medizin als Ergebnis eines Zusammenwirkens von psychischen und physischen Faktoren betrachtet. So findet sich heute in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) die Somatoforme beziehungsweise Somatisierungsstörung (früher: larvierte Depression), die körperliche Symptome ohne organische Ursachen wie beispielsweise chronische Rückenbeschwerden umfasst.

Lässt man die (künstlich gezogenen) Grenzen zwischen Körper und Seele verschwimmen und betrachtet Körper und Seele als Gesamtorganismus, so kommt man nicht umhin, in jeder körperlichen Erkrankung psychische und in jeder seelischen Störung körperliche Aspekte zu vermuten. Diese enge Verflechtung wird bereits im Sprachgebrauch deutlich, wenn wir (in Bezug auf den Rücken) einerseits von „aufrechten“ Menschen „mit Rückgrat“ sprechen oder von denen, die „ein schweres Kreuz tragen“, die „buckeln“, denen „die Angst im Nacken sitzt“ oder die den „Halt verloren“ haben, den eine gesunde Wirbelsäule als tragendes Fundament dem Körper eigentlich gibt.

Diagnosestellung

Liegen den Schmerzen spezifische körperliche Ursachen zugrunde, bestehen zahlreiche unterschiedliche Diagnoseverfahren mit denen diese aufgespürt werden können. Die zunächst wichtigsten Hinweise liefert jedoch eine gründliche Befragung der Patienten. Denn die Beschreibung der Symptome ermöglicht im Zusammenspiel mit einigen einfachen Bewegungsübungen beziehungsweise Tests und einer ersten körperlichen Untersuchung meist bereits eine relativ deutliche Eingrenzung des Beschwerdebildes. Bei der Sicherung der Diagnose kommt den bildgebenden Verfahren (Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie, Computertomographie) eine wesentliche Bedeutung zu. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bandscheibenvorfälle und andere pathologische Veränderungen der Wirbelsäulenstruktur erkennen. Blutuntersuchungen, Urin- und Stuhlproben können weitere wichtige Hinweise zur Diagnose liefern, insbesondere bei Verdacht auf vorliegende systemische Erkrankungen oder Organleiden wie beispielsweise eine Nierenentzündung. Wird bei den Patienten eine Osteoporose vermutet, bietet sich unter Umständen auch eine Messung der Knochendichte an.

Sind sämtliche möglichen Auslöser im Bereich der Rückenmuskulatur, Wirbelsäule und hier verlaufender Nervenbahnen ausgeschlossen, können weitergehende körperliche Untersuchungen folgen, um zum Beispiel einen möglichen Zusammenhang der Rückenschmerzen mit Erkrankungen des Herzens oder anderen Organen zu überprüfen. Hinweise auf die Organleiden ergeben sich, wie bereits erwähnt, oftmals aus dem Blutbild sowie der Laboruntersuchung einer Urin- und Stuhlprobe. Vermutete Herzkrankheiten bedürfen indes in der Regel deutlich umfassenderer Untersuchung, um ihnen auf die Schliche zu kommen. Hier sind vor allem das Elektrokardiogramm (EKG) und die Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzen) zu erwähnen.

Lassen sich im Zuge der Untersuchungen keine körperlichen Auslöser der Beschwerden feststellen, ist von unspezifischen Rückenschmerzen die Rede und es bietet sich eine psychotherapeutische Untersuchung an, um möglicherweise vorliegende psychische Ursachen der Rückenschmerz zu ermitteln.

Behandlungen und Therapien

Bei den spezifischen Rückenbeschwerden steht die zielgerichtete Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung an erster Stelle, allerdings kann bei einigen Krankheiten, wie beispielsweise der Osteoporose, keine Heilung, sondern lediglich eine Linderung der Symptome erreicht werden. Sind Organleiden oder andere systemische Erkrankungen Ursache der Rückenschmerzen, so ist ebenfalls eine entsprechend ursachenbezogene Therapie einzuleiten, deren Darstellung hier jedoch deutlich den Rahmen sprengen würde. Die anschließenden Ausführungen konzentrieren sich daher auf Rückenschmerzen, die unmittelbar im Zusammenhang mit Beeinträchtigungen beziehungsweise Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems stehen.

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Grundsätze der Therapie
Zunächst gilt es im Rahmen der Therapie den Patienten die Schmerzen zu nehmen, nicht zuletzt um Schonhaltungen zu vermeiden. Denn diese können zu weiteren Muskelverhärtungen, Nervenkompressionen und Gelenkschäden führen. Zur Schmerzlinderung können hier klassische Schmerzmittel oder auch Massagen, Physiotherapie und Akupunktur angewandt werden. Massagen, Physiotherapie und Akupunktur nehmen den Patienten nicht nur die Schmerzen, sondern können darüber hinaus insbesondere, wenn den Rückenproblemen Verhärtungen der Muskulatur zugrunde liegen, auch einen wesentlichen Beitrag zur Heilung leisten.

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls
Bei einem Bandscheibenvorfall wird den konservativen Maßnahmen – also der Schmerzlinderung und dem Erhalt der Bewegungsfähigkeit – mittels Bewegungs- beziehungsweise Physiotherapie, Massagen und Akupunktur ebenfalls eine hohe Bedeutung zugeschrieben, da sie einem Großteil der Patienten dauerhaft Linderung verschaffen können. Obwohl bei konsequenter Behandlung des Bandscheibenvorfalls mit Hilfe konservativer Maßnahmen, eine sogenannte Bandscheibenoperation in den meisten Fällen vermeidbare wäre, verzeichneten die gesetzlichen Krankenkassen in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme der Bandscheibenoperationen. Als berechtigte Gründe für eine derartige Operation sind zum Beispiel nachweisbare Lähmungserscheinungen oder neurologische Ausfallerscheinungen in Form des sogenannten Cauda-equina-Syndroms zu nennen. Im Zuge des Eingriffs wird das Bandscheibengewebe, welches auf die Nervenbahnen drückt, entfernt und gegebenenfalls erfolgt eine Versteifung der benachbarten Wirbelkörper (Spondylodese).

Behandlung Spondylolisthesis
Bei einem vorliegenden Wirbelgleiten kann ebenfalls schlimmstenfalls eine Operation erforderlich werden, wenn die Versuche der konservativen Therapie, wie das Tragen einer Orthese (Stützkorsett) und die Stärkung der Muskulatur mittels Physiotherapie, nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Dies gilt insbesondere bei Patienten, die mit erheblichen Beeinträchtigungen aufgrund der Nervenkompression zu kämpfen haben. Im Zuge der Operation werden hier die verschobenen Wirbel wieder in Position gebracht und anschließend fixiert.

Therapie entzündeter Bandscheiben und Wirbelgelenke
Sind die Bandscheiben und Wirbelgelenke entzündet, ist zunächst eine Behandlung mit Antibiotika vorgesehen, die in den meisten Fällen auch eine Heilung bewirken kann. Zeigen die Antibiotika jedoch nicht die gewünschte Wirkung, wird das Gewebe zunehmend geschädigt und leiden die Patienten an neurologischen Ausfallerscheinungen aufgrund der Nervenkompressionen, kann auch hier eine Operation erforderlich werden, bei der eine Entfernung des entzündeten Bandscheibengewebes erfolgt. Da das betroffene Wirbelsäulensegment anschließend möglichst keinen weiteren Belastungen ausgesetzt werden soll, werden die Nachbarwirbel durch eine steife Verbindung miteinander verbunden. Nach der Operation müssen die Patienten zudem vorübergehend ein Stützkorsett tragen.

Behandlung der Spondylarthrose
Zeigt sich eine Arthrose im Bereich der Wirbelbogengelenke, zielt die Therapie zunächst vor allem darauf, einen weiteren Gelenkverschleiß zu vermeiden. Auch hier spielt die Physiotherapie eine herausragende Rolle. Auf medikamentösem Wege lassen sich zudem die Schmerzen der Patienten lindern. Sind aufgrund der Spondylarthrose jedoch massive neurologische Beeinträchtigungen zu beobachten und zeigen die genannten Behandlungsansätze nicht den gewünschten Erfolg, bleibt bei der Spondylarthrose ein chirurgischer Eingriff ebenfalls als letzte Option.

Therapie bei Kokzygodynie
Steißbeinschmerzen in Form der Kokzygodynie werden zunächst vor allem symptomatisch mit Schmerzmitteln behandelt. Hier ist auch der Einsatz von Lokalanästhetika möglich, um die Betroffenen von den Schmerzen zu befreien. Ein Sitzring soll die Beschwerden im Sitzen lindern und Krankengymnastik zum Abklingen der Beschwerden beitragen. Oftmals zieht sich die Behandlung über mehrere Monate. Sollte sich auch nach einer ausgiebigen Behandlung keine Linderung der Beschwerden auf ein verträgliches Maß erreichen lassen, besteht die Möglichkeit einer operativen Entfernung des Steißbeins.

Osteoporose-Therapie
Zwar ist die Osteoporose bis heute nicht heilbar, doch steht eine Vielzahl von Behandlungsoptionen zur Verfügung, mit denen der Krankheitsverlauf gebremst und den Patienten eine deutlich Linderung verschafft werden kann. So wird beispielsweise auf medikamentösem Wege mit sogenannten Bisphosphonaten, selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren und anderen Arzneien versucht, die Knochenresorption zu minimieren. Auch kann mit Hilfe spezieller Arzneien eine Erhöhung der Knochendichte erreicht werden, wobei diese jedoch nicht zwangsweise mit einer verringerten Anfälligkeit gegenüber Frakturen einhergeht, sondern schlimmstenfalls sogar einen Anstieg des Knochenbruchrisikos bewirken kann. Den Osteoporose-Patienten wird außerdem empfohlen, ihre Haut täglich mindesten eine halben Stunde der Sonneneinstrahlung auszusetzen, um die Bildung von ausreichend Vitamin-D zu gewährleisten. Denn Vitamin D kann nur sehr begrenzt über die Nahrung aufgenommen werden und wird ansonsten in der Haut unter Einwirkung von ultraviolettem Licht selbst gebildet. Auch Bewegung ist für die Knochenstabilität förderlich, wobei hier jedoch das erhöhte Frakturrisiko der Osteoporose-Patienten bedacht werden sollte und daher Sportarten mit geringem Verletzungsrisiko zu bevorzugen sind. Bei der Ernährung sollten die Patienten vor allem auf eine ausreichende Calcium-Aufnahme achten, da Calcium eine wesentliche Rolle beim Knochenaufbau spielt.

Osteomalazie-Behandlung
Da die Osteomalazie (bei Kindern Rachitis) maßgeblich durch einen Mangel an Vitamin D bedingt wird, zielt die Behandlung darauf, dieses Defizit zu beheben. Hier können eine Umstellung der Ernährung und das tägliche Sonnenbaden bereits eine durchaus beachtliche Wirkung entfalten. Sollte dennoch weiterhin ein Vitamin-D-Mangel bestehen, wird darüber hinaus auf Vitamin-D-Tabletten zurückgegriffen, um die Versorgung des Organismus in ausreichender Menge sicherzustellen. Besonders schwerwiegende Formen machen unter Umständen zudem das Tragen einer Orthese erforderlich. Physiotherapie bildet insbesondere bei erwachsenen Patienten, die auch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko im Zuge der Osteomalazie entwickeln, einen weiteren wesentlichen Bestandteil der Therapie.

Behandlung der Knochenmarkentzündung
Bei einer Entzündung des Knochenmarks (Osteomyelitis) beziehungsweise einer Knochenentzündung, wie sie beispielsweise durch das Eindringen von Keimen im Zuge eines offenen Knochenbruchs hervorgerufen werden kann, führt an der operativen Beseitigung des befallenen Gewebes in der Regel kein Weg vorbei. Zudem wird mit Hilfe von Implantaten die Stabilität der Knochen gesichert. In die Wunde wird ein sogenannter Antibiotikaträger – meist aus resorbierbaren Materialien, die anschließend nicht entfernt werden müssen – eingebracht, der mit hoher Konzentration unmittelbar vor Ort gegen die Keime wirkt. Unter Umständen wird auch eine Knochentransplantation erforderlich, um den Verlust des Knochengewebes auszugleichen. Nicht selten nimmt die Osteomyelitis einen ungünstigen Verlauf mit wiederholtem Auftreten der Entzündungen, so dass die Behandlung mehrfach wiederholt werden muss.

Therapie der reaktiven Arthritis
Bei einer reaktiven Arthritis steht zunächst in der Regel die medikamentöse Behandlung der Gelenkentzündungen im Vordergrund. Sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind hier oftmals das Mittel der Wahl. Auch kann der Einsatz von Antibiotika in Betracht gezogen werden, wenn die Ursache der reaktiven Arthritis eine bakterielle Infektionen bildet. Schwere Formen der Erkrankung werden mit Hilfe von Corticosteroiden therapiert, um bleibenden Schädigungen der entzündeten Gelenke zu vermeiden. Chronische Formen der reaktiven Arthritis werden mit speziellen Immunsuppressiva therapiert.

Behandlung von Morbus Bechterew
Um die Beweglichkeit der Morbus Bechterew-Patienten zu erhalten, ist Krankengymnastik von entscheidender Bedeutung. Zwar kann die Physiotherapie für die Patienten durchaus schmerzhaft ausfallen, doch leistet sie einen wesentliche Beitrag zum Erhalt der Bewegungsfähigkeit. Hinzu kommt die medikamentöse Behandlung mit NSAR und anderen Arzneien (zum Beispiel sogenannte TNF-?-Blocker), welche den Entzündungsprozessen entgegenwirken sollen. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf mit massiver Versteifungen der Wirbelsäule, entsprechenden Haltungsschäden und/oder Schädigungen des Hüftgelenks kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden, die zwar nicht zur Heilung der Patienten beiträgt, ihre Lebensqualität jedoch mitunter deutlich verbessert.

Therapie bei Morbus Scheuermann
Die Behandlung der Scheuermann-Patienten basiert im wesentlichen auf einer Kombination aus Krankengymnastik und der Korrektur von Haltungsschäden mittels des Tragens von Rumpf-Orthesen. Ziel ist es die Kyphose (Rundrücken), welche sich im Zuge der Erkrankung entwickelt, möglichst zu beheben beziehungsweise zu minimieren. Auch lässt sich auf diesem Wege oftmals eine deutliche Reduzierung der Rückenschmerzen erreichen. Letztendlich besteht auch bei Morbus Scheuermann die Möglichkeit eine chirurgische Haltungskorrektur vorzunehmen, wobei diese äußerst aufwendige Wirbelsäulenoperation jedoch nur bei Patienten mit extremen Kyphosen in Erwägung gezogen wird.

Naturheilkunde bei Rückenschmerzen

Die weithin bekannte Basis der naturheilkundlichen Behandlung bei Rückenschmerzen bilden Maßnahmen der Physiotherapie, manuelle Verfahren (Chiropraktik, Rolfing, Osteopathie, Dorn-Therapie), Massagen und die Akupunktur – als Beitrag aus dem Bereich der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ergänzend können Wärmebehandlungen wie zum Beispiel Fangopackungen oder die Radonwärmetherapie zur Schmerzlinderung angewandt werden. Darüber hinaus bieten sich bezogen auf die jeweiligen Ursachen der Rückenschmerzen verschiedene weitere Verfahren aus dem Bereich der Naturheilkunde an.

Naturheilkunde bei einem Bandscheibenvorfall
Als Sofortmaßnahme nach dem Auftreten eines Bandscheibenvorfalls raten Mediziner den Betroffenen sich am besten auf den Rücken zu legen und die Beine mit ein paar Kissen unter den Unterschenkeln hochzulegen. Auf diese Weise soll die Wirbelsäule entlastet und eine Lockerung der verkrampften Muskulatur ermöglicht werden. Oberschenke und Hüfte sollten dabei idealerweise im 90 Grad Winkel zueinander stehen. Auch wenn die Schmerzen so möglicherweise zunächst wieder nachlassen, sollte bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall dringend therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Hier haben sich medizinischen Massagen und Akupunktur-Massagen bei der naturheilkundlichen Behandlung von Rückenschmerzen vielfach bewährt. Als relativ neue komplementärmedizinische Behandlungsmethode bei einem Bandscheibenvoralls hat sich darüber hinaus in den vergangenen Jahren neben der Chiropraktik und der Osteopathie zunehmend die Dorn-Therapie etabliert, bei der durch sanften Druck die Wirbelgelenke wieder in ihre gewohnte Position gebracht werden sollen.

Begleitend können bei einem Bandscheibenvorfall verschiedene Homöopathika zum Einsatz kommen. Hier sind vor allem Mittel auf Basis von Agaricus, Bryonia und Hypericum zu nennen. Aus dem Bereich der Schüssler-Salz-Therapie werden die Schüssler Salze Nr. 1 (Calcium fluoratum), Nr.2 (Calcium phosphoricum), Nr.7 (Magnesium phosphoricum) und Nr.8 (Natrium chloratum) gegen die akuten Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls angewandt.

Naturheilkundliche Behandlung der Spondylolisthesis
Beim Wirbelgleiten bilden die manuellen Verfahren ebenfalls die bedeutendste Behandlungsoption der Naturheilkunde. Insbesondere die Osteopathie ist hier als gut geeigneter naturheilkundlicher Therapieansatz bei moderaten Formen der Spondylolisthesis zu erwähnen. Auch wenn die Osteopathie bis heute kein fester Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherungen ist, werden mittlerweile bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Osteopathie-Behandlung freiwillig übernommen.

Naturheilkunde bei entzündeten Bandscheiben und Wirbelgelenken
Sind die Wirbelgelenke und Bandscheiben entzündet, bietet die Naturheilkunde nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, die begleitend zu der konventionellen Behandlung angewandt werden können. An dem Einsatz von Antibiotika und einer Ausräumung des befallenen Gewebes führt hier in der Regel kein Weg vorbei.

Naturheilkundliche Therapie der Spondylarthrose
Um den Krankheitsverlauf zu stoppen beziehungsweise weitere Schäden an den Wirbelbogengelenke zu vermeiden, setzt die Naturheilkunde bei einer Spondylarthrose – wie auch die konventionelle Behandlung – auf Bewegungs- beziehungsweise Physiotherapie. Die ganzheitlich Betrachtung der Erkrankung bezieht jedoch auch die Ernährung und Lebensweise als entscheidende Faktor mit ein. So wird einer begleitenden Ernährungstherapie – beispielsweise zum Abbau einer möglicherweise vorliegenden Übersäuerung des Organismus – im Rahmen der naturheilkundlichen Behandlung der Wirbelbogengelenkarthrose oftmals eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Auch wird den Betroffenen ein Verzicht auf Alkohol und Tabak angeraten.

Therapie der Kokzygodynie auf Basis der Naturheilkunde
Die Behandlung der Steißbeinschmerzen mittels Physiotherapie, Osteopathie oder anderen manuellen Verfahren zieht sich oftmals über einen längeren Zeitraum, in dem die Patienten weiterhin unter Schmerzen leiden. Hier kann als homöopathisches Mittel Hypericum perforatum (Echtes Johanniskraut) angewandt werden, um die Beschwerden der Betroffenen zu lindern. Auch äußerliche Anwendungen mit sogenanntem „Rotöl“, gewonnen aus Johanniskraut und einem Trägeröl (zum Beispiel Oliven- oder Sonnenblumenöl), werden in der Naturheilkunde zur Behandlung der Kokzygodynie eingesetzt.

Naturheilkundliche Osteoporose-Therapie
Die Naturheilkunde bietet zur Behandlung der Osteoporose zahlreiche Ansätze, die darauf zielen den Knochenabbau zu bremsen und/oder den Knochenaufbau zu stimulieren. Aufgrund des vermuteten Zusammenhangs einer verstärkten Knochenresorption mit dem Säure-Basen-Haushalt beziehungsweise einer möglicherweise vorliegenden Übersäuerung des Organismus, wird hier der basischen Ernährung ebenfalls eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Einen weiteren naturheilkundlichen Ansatz zur Behandlung der Osteoporose bildet die Orthomolekulare Medizin. Mit hochdosierten Konzentrationen von Vitaminen (insbesondere Vitamin D und Vitamin C) und Mineralstoffen (vor allem Kalzium und Magnesium) soll hierbei der Knochenaufbau positiv beeinflusst werden. Weitere Therapieoptionen der Naturheilkunde bei Knochenschwund sind das sogenannte Vibrationstraining (Wachstumsstimulation durch mechanische Reizung) und die Magnetfeldtherapie (Wachstumsstimulation durch pulsierende elektromagnetische Felder). Begleitend werden die Schüssler Salze Nr. 1 (Calcium fluoratum), Nr. 2 (Calcium phosphoricum) und Nr. 11 (Silicea) sowie verschiedene Homöopathika angewandt, wobei die Auswahl der geeigneten Mittel erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben sollte.

Osteomalazie-Behandlung in der Naturheilkunde
Eine Knochenerweichung macht zunächst die Beseitigung des zugrunde liegenden Vitamin-D-Mangels dringend erforderlich. Die Naturheilkunde berücksichtigt hier jedoch im Rahmen der Therapie auch die Gründe für den Mangel. So wird den Patienten nicht nur empfohlen täglich ausreichend direkte Sonneneinstrahlung zu genießen, sondern darüber hinaus kann zum Beispiel eine sogenannte Darmsanierung durchgeführt werden. Diese findet Anwendung, wenn der Verdacht besteht, dass das Kalzium, welches mit der Nahrung aufgenommen wird, von der Darmschleimhaut aufgrund einer Störung der Darmflora (Darmdysbiose) nur ungenügend resorbiert werden kann

Alternative Therapie der reaktiven Arthritis
Gegen die reaktive Arthritis beziehungsweise Morbus Reiter setzt die Naturheilkunde vor allem auf Maßnahmen, die allgemein das Immunsystem stärken, aber auch auf pflanzliche Extrakte und Tinkturen beispielsweise aus Brennnesseln, Weidenrinde oder Weihrauch, die gezielt den Schmerz lindern und der Entzündung entgegenwirken sollen. Zu dem bietet sich unter Umständen eine Blutegeltherapie an, um den Schmerz der entzündeten Gelenk zu lindern. Ergänzend setzt die Naturheilkunde hier häufig auch Verfahren der Hydrotherapie ein, die bei Morbus Reiter auf vielfache Weise eine positive Wirkung entfalten sollen.

Naturheilkunde bei Morbus Bechterew
Die Naturheilkunde greift zur Linderung der Beschwerden bei Morbus Bechterew auf ein breites Spektrum therapeutischer Maßnahmen zurück, das von der Osteopathie, Akupunktur und Massagen über ernährungstherapeutische Ansätze, den Einsatz von Homöopathika und pflanzenheilkundliche Verfahren bis hin zur Orthomolekularen Medizin, einer Radonwärmetherapie und der Neuraltherapie reicht. Die Auswahl der geeigneten Behandlungsmethoden sollte dabei in Abhängigkeit von der jeweiligen Konstitution der Betroffenen, dem individuellen Beschwerdebild und möglicherweise vorliegenden weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen stehen, um einen möglichste umfassenden Behandlungserfolg zu erreichen. Eine Heilung der Betroffenen ist jedoch sowohl mit den den schulmedizinischen als auch mit den naturheilkundlichen Therapieansätzen nicht möglich.

Naturheilkundliche Therapie bei Morbus Scheuermann
Als Wachstumsstörung der Wirbelsäule bei Jugendlichen ist der Krankheitsverlauf bei Morbus Scheuermann ohnehin zeitlich limitiert und die Erkrankung gerät mit dem Abschluss der Wachstumsphase zum Stillstand. Allerdings können die bis dahin eingetretenen Schädigungen massive lebenslange Beeinträchtigungen für die Betroffenen mit sich bringen. Ziel der Therapie ist es daher, die Schäden an der Wirbelsäule während der Wachstumsphase möglichst zu minimieren. Hier führt an der klassischen Physiotherapie und dem Tragen eines Stützkorsetts in der Regel kein Weg vorbei. Um den Betroffenen die Schmerzen zu nehmen und den Krankheitsverlauf weiter zu bremsen können jedoch begleitend verschiedene naturheilkundliche Verfahren, wie beispielsweise die Baunscheidttherapie, Schröpfmassagen, eine Neuraltherapie und eine Behandlung mit Homöopathika oder Schüssler Salzen angewandt werden. Darüber hinaus wird den manuellen Verfahren und vor allem der Osteopathie auch bei der naturheilkundlichen Behandlung eines Morbus Bechterew ein besonders hoher Stellwert zugeschrieben.

Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen
Da die Schulmedizin bei der Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen oftmals an ihre Grenzen stößt, erfreuen sich die naturheilkundlichen Verfahren hier einer besonders hohen Beliebtheit. Die angewandten Methoden sind dabei im Wesentlichen die gleichen, die bei den spezifischen Rückenschmerzen angewandt werden (allerdings in unterschiedlichen Kombinationen), wobei ergänzend oftmals eingehender auf die psychischen Faktoren eingegangen wird. Methoden, die sowohl Körper als auch den Geist im Blick haben, wie beispielsweise Yoga oder Tai-Chi, kommt hier daher eine besondere Bedeutung zu. Insgesamt ist die ganzheitliche Betrachtung des Beschwerdebildes bei unspezifischen Rückenschmerzen im Rahmen der naturheilkundlichen Therapie für die Patienten häufig von Vorteil, da auch Auslöser, die auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang mit den Rückenschmerzen gebracht werden, so in den Fokus der Behandlung rücken können – oftmals mit Erfolg.

Allgemein wird Patienten mit Rückenschmerzen empfohlen, für ausreichend körperliche Bewegung zu sorgen, da die Beschwerden vielfach in Zusammenhang mit Bewegungsmangel gebracht werden. Zunächst bedarf es jedoch meist einer Eliminierung der Schmerzen, damit sich die Betroffenen überhaupt zu sportlichen Aktivitäten in der Lage sehen. Hier können neben Schmerzmitteln und muskelentspannenden Arzneien (Muskelrelaxantien) auch Wärmebehandlungen, Massagen und Akupunktur eine durchaus überzeugende Wirkung entfalten. Die manuellen Verfahren wie beispielsweise aus dem Bereich der Osteopathie, Chiropraktik oder des Rolfing werden hier ebenfalls vielfach angewandt. Aufbauend kommt anschließend der Bewegungstherapie beziehungsweise physiotherapeutischen Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Sie dienen nicht nur der Stärkung der Muskulatur, sondern die Betroffenen sollen auch lernen möglicherweise vorliegende Haltungsfehler zu korrigieren. Hierzu zählt nicht zuletzt die richtige Körperhaltung beim Arbeiten, was bei Bürotätigkeiten die Auswahl geeigneter Büromöbel und deren Positionierung umfasst. Die Ergotherapie kann hier ebenfalls einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Bewegungsabläufe im Alltag zu optimieren.

Rückenschmerzen Übungen
Rückenschmerzen können sehr leicht vorgebeugt werden, wenn einige wichtige Aspekte bedacht werden. (Bild: Trueffelpix/fotolia.com)

Wird ein Zusammenhang der Rückenschmerzen mit psychischen Faktoren vermutet, bietet sich eine psychotherapeutische Behandlung an, in deren Rahmen die Patienten zum Beispiel spezielle Entspannungstechniken (beispielsweise Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation) erlernen oder mit Hilfe der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie gegen die ursächlichen psychischen Belastungen angegangen wird. Insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen wird nicht selten auf eine Kombination aus Psychotherapie und herkömmlichen Behandlungsmethoden zurückgegriffen.

Rückenschmerzen vermeiden

Ein Großteil der Rückenschmerzen ließe sich mit einer gesunden Ernährung, ausreichend körperlicher Bewegung und der richtigen Körperhaltung im Alltag von vornherein vermeiden. Allerdings sind nicht alle Sportarten gleichermaßen zur Stärkung des Rückens geeignet. Das Stemmen hoher Gewichte gilt es zum Beispiel möglichst zu meiden und stattdessen wäre ein gezieltes Training der Rückenmuskulatur sowie gegebenenfalls ihrer Gegenspieler zu empfehlen. Solang die Betroffenen es mit dem Sport nicht übertreiben und dieser keine einseitigen Belastungen des Muskel-Skelett-Systems mit sich bringt, können jedoch die meisten Sportarten einen Beitrag zur Prävention der Rückenschmerzen leisten. Möglicherweise bestehendes Übergewicht sollte idealerweise abgebaut werden, da mit ihm erhöhte Belastungen der Wirbelsäule und Rückenmuskulatur verbunden sind.

Gestaltung des Arbeitsplatzes
Die Gestaltung des Arbeitsplatzes hat insbesondere bei Bürotätigkeiten einen maßgeblichen Effekt auf den Rücken. Der Bürostuhl beziehungsweise dessen Einstellung sowie die Positionierung von Tastatur, Maus und Monitor entfalten hier eine größere Wirkung, als den meisten Menschen bewusst ist. Als Warnhinweise für eine falsche Sitzposition während der Arbeit treten – bevor sich Beschwerden des Rückens ergeben – oftmals bereits Symptome wie Nackenverspannungen beziehungsweise ein Steifer Nacken, Schulterblattschmerzen und auch Oberarmschmerzen auf. Der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge sind „schmerzhafte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, schmerzende Muskelpartien, schmerzende Sehnenansatzstellen und Veränderungen des Bewegungsmusters“, typische Folgen einer falsche Sitzposition bei der Arbeit. Um derartigen Beschwerden vorzubeugen wird von der BAuA eine Position empfohlen, bei der die Füße immer Bodenkontakt haben. Waden und Oberschenkel sollten dabei im 90-Grad-Winkel zueinander stehen. Ein geringerer Winkel weist auf eine zu niedrige Sitzfläche hin, ein zu großer Winkel ist bei einer zu hohen Stuhleinstellung zu beobachten. Ober- und Unterarm befinden sich bei richtiger Einrichtung des Arbeitsplatzes ebenfalls im 90 Grad Winkel zueinander, sobald die Hände auf dem Tisch abgelegt werden.

Außerdem sollte der Bildschirm zentral mittig im Blickfeld so positioniert werden, dass die Oberkante des Bildes mit den Augen abschließt oder minimal darunter liegt. Des Weiteren wird eine Einstellung der Rückenlehne des Bürostuhls empfohlen, die beim Sitzen einen Kontakt des Rückens mit der Lehne gewährleistet. Wünschenswert sind hier laut BAuA Rückenlehnen, die beim Anlehnen mit zurückkippen oder noch besser: Stühle bei denen die Sitzfläche automatisch mit nach vorne rutscht, wenn die Lehne nach hinten gedrückt wird. Um monotone Belastungen durch das ganztägige Arbeiten im Büro zu vermeiden, empfehlen sich des Weiteren kurze Unterbrechungen der Arbeitszeit, in denen mit einfachen Bewegungsübungen, wie beispielsweise dem Hochstrecken der Arme oder dem Kreisen der Schultern, für eine Lockerung der Muskulatur gesorgt wird. Welche Übungen sich hier gute eignen und wie diese exakt ausgeführt werden sollten, lässt sich bei jedem Physiotherapeuten oder auch dem Betriebsarzt erfragen.

Um Rückenschmerzen zu vermeiden, wird unter anderem von verschiedenen Krankenkassen und Kliniken regelmäßig eine sogenannte Rückenschule angeboten, in der die Teilnehmer nicht nur lernen, wie sie sich im Alltag auch unter Belastung richtig bewegen, sondern darüber hinaus einige Übungen an die Hand gegeben bekommen, die zur Vermeidung der Rückenschmerzen beitragen sollen. Hierunter sind auch Entspannungsmethoden und Strategien zur Stressbewältigung. Hinweise wie „Lasten nicht aus dem Rücken, sondern aus den Beinen heben!“ oder „Bei monotonen Arbeiten regelmäßig die Körperhaltung wechseln!“ gehören hier zu den leicht erlernbaren Grundlagenkenntnissen, die langfristig einen erheblichen Beitrag zur Prävention der Rückenschmerzen leisten können. (tf, fp)

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