Kreuzschmerzen

Fabian Peters

Schmerzen im Kreuz

Kreuzschmerzen sind ein in der Bevölkerung weit verbreitetes Phänomen, das durch unterschiedlichste Ursachen bedingt werden kann. Insgesamt bilden Gelenk- und Rückenschmerzen bis heute einen der häufigsten Krankschreibungsgründe in Deutschland. Immer häufiger sind auch junge Menschen betroffen. Die „Deutsche Rückenschmerzstudie“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) kommt zu dem Ergebnis, dass bis zu 85 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben unter Rückenschmerzen leiden. Rund 25 Prozent der Frauen und ein Sechstel der Männer gaben in einer Umfrage des RKI an, in den letzten zwölf Monaten unter chronische Rückenschmerzen gelitten zu haben.

Zwar sind Kreuzschmerzen nicht grundsätzlich mit Rückenschmerzen gleichzusetzen, doch verdeutlichen die Zahlen wie verbreitete das Beschwerdebild in der Bevölkerung ist. Da die Wahrscheinlichkeit der Rückenbeschwerden mit dem Alter ansteigt, ist im Zuge des demographischen Wandels mit einer deutlich wachsenden Zahl an entsprechenden Behandlungsfällen zu rechnen.

Inhaltsverzeichnis:
Definition
Beschwerdebild: Symptom Kreuzschmerzen
Risikofaktoren für Schmerzen im unteren Rücken
Diagnose
Behandlungsoptionen bei Kreuzschmerzen

Mehr zum Thema:

Definition

Als Kreuzschmerzen werden allgemein Schmerzen im Bereich des unteren Endes der Wirbelsäule bezeichnet, wobei der Begriff umgangssprachlich häufig jedoch auch synonym zu dem allgemeineren Begriff Rückenschmerzen verwendet wird. Die Kreuzschmerzen sind in diesem Artikel als schmerzhafte Beschwerden im Abschnitt zwischen dem letzten Brustwirbel bis zum Steißbein zu verstehen. In der medizinischen Fachwelt ist hier häufig auch von Schmerzen im unteren Rücken, Schmerzen der Lendenwirbelsäule und Kreuzbeinschmerzen die Rede.

Kreuzschmerzen

Beschwerdebild: Symptom Kreuzschmerzen

Als Auslöser der Kreuzschmerzen kommen zahlreiche Faktoren in Betracht, die von eher harmlosen kurzfristigen Beschwerden in Folge einer Fehlbelastung über Hexenschüsse und Bandscheibenvorfälle bis hin zu rheumatischen und tumorösen Erkrankungen reichen können. Auch Infektionen im Bereich der Wirbelsäule, wie die Osteomyelitis und Spondylodiszitis, können die Schmerzen im Bereich der unteren Wirbelsäule bedingen. Gleiches gilt für eine Arthrose der Wirbelgelenke (Spondylarthrose) oder des Kreuz-Darmbeingelenks (Iliosakralgelenk) sowie für Verengungen des Spinalkanals, die sogenannte Spinalkanalstenose.

Das naturheilkundliche Verfahren der Osteopathie geht davon aus , dass die Rückenschmerzen zudem durch Blockierungen, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule und der Iliosacralgelenke, verursacht werden können. Als potenzielle Auslöser der Beschwerden müssen darüber hinaus entzündliche Erkrankungen wie Morbus Scheuermann oder Morbus Bechterew bedacht werden. Außerdem bringt die durch Zecken (Zeckenbiss) übertragene Borreliose mitunter wandernde Rückenschmerzen mit sich.

Des Weiteren sind Nierensteine, eine Nierenbeckenentzündung, Harnwegsinfekte sowie verschiedenen Erkrankungen des Darmes und der Bauchspeicheldrüse als mögliche Auslöser der Kreuzschmerzen zu nennen. Sogenannten Aortenaneurysmen (Aussackungen der Aorta) führen ebenfalls unter Umständen zu einem heftigen stechenden Schmerz im Bereich des Rückens. Selbstverständlich können auch Prellungen und Frakturen in Folge von Stürzen oder Unfällen Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie des Kreuz- und Steißbeins bedingen. Bei Kreuzschmerzen der Lendenwirbelsäule sind zudem nicht selten Verspannungen des Hüftbeugemuskels (Musculus Psoas) der Auslöser. Des Weiteren können anatomische Besonderheiten wie eine Längendifferenz der Beine, die Kreuzschmerzen bedingen. Auch kann eine Osteoporose-Erkrankung und der hiermit verbunden Verlust der Knochensubstanz die Beschwerden verursachen. Darüber sind die Schmerzen nicht selten psychosomatisch bedingt. Da die Schmerzen im Bereich des unteren Rückens unter Umstände auf eine schwerwiegende Erkrankung zurückgehen und die Schonhaltung zur einer Verstärkung der Symptomatik führen kann, sollte bei Kreuzschmerzen dringend ein Arzt aufgesucht werden.

Wärme lindert Kreuzschmerzen
Wärme lindert Kreuzschmerzen. (Bild: PeJo/fotolia.com)

Risikofaktoren für Schmerzen im unteren Rücken

Als verbreiteter Risikofaktor für Kreuzschmerzen gilt allgemein die ungünstige Körperhaltung bei den heutigen Bürotätigkeiten. Stundenlanges arbeiten am Computer führt zu Fehlbelastungen der Muskulatur. Verspannungen und entsprechende Schmerzen sind die Folge. Bewegungsmangel und eine unzureichend trainierte Rückenmuskulatur werden ebenfalls häufig in Verbindung mit dem vermehrten Auftreten der Kreuzschmerzen gebracht. Allerdings kann auch ein Übermaß an Bewegung beziehungsweise Belastung die Kreuzschmerzen verursachen, insbesondere bei ungünstigen Bewegungsabläufen, wie beispielsweise wiederholtem Bücken und Heben schwerer Gegenstände.

Aus gutem Grund raten die Experten Gewichte nicht aus dem Rücken, sondern aus den Knien zu heben. Da der untere Rücken ohnehin eine höhere Gewichtsbelastung als der Rest der Wirbelsäule trägt, zeigen sich Belastungsbeschwerden häufig in diesem Bereich der Wirbelsäule. Vor allem an der Schnittstelle der Kraftübertragung zwischen Wirbelsäule und Beinen, dem Kreuzbein-Darmbein-Gelenk, sind Fehlbelastungen besonders oft schmerzhaft spürbar.

Diagnose

Um die Ursachen der Kreuzschmerzen zu erörtern, erfolgt zu Beginn der Untersuchung eine ausgiebige Anamnese, bei der die Patienten unter anderem zu bestehenden Vorerkrankungen und den Situationen befragt werden, in denen die Beschwerden vorzugsweise auftreten. Im Zuge der klinischen Untersuchung folgt anschließend zunächst die Überprüfung möglicher anatomischer Besonderheiten (unterschiedlich lange Beine). Durch Abtasten der Wirbelsäule ergeben sich weitere Hinweise auf zugrundeliegende Erkrankungen. Mit Hilfe bildgebender Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) kann die Diagnose schließlich präzisiert werden.

Behandlungsoptionen bei Kreuzschmerzen

Entsprechend den unterschiedlichen Ursachen der Kreuzschmerzen kommen zahlreiche Therapieansätze bei der Behandlung der Kreuzschmerzen zum tragen. Grundsätzlich zielt die Therapie dabei zunächst meist auf eine Linderung der Schmerzen anstatt die Ursachen der Beschwerden direkt anzugehen. Hier kommen neben Schmerzmitteln vor allem alternative Verfahren wie Krankengymnastik, Massage oder Akupunktur zum Einsatz. Nach Behandlung der akuten Schmerzen sollten die Ursachen der Beschwerden therapeutisch behoben werden. Dies gestaltet sich je nach Auslöser der Beschwerden unterschiedlich schwierig. Schlimmstenfalls wird eine Operation erforderlich, um beispielsweise einen Bandscheibenvorfall oder einen möglicherweise bestehenden Tumor zu beseitigen.

Die bei unspezifischen chronischen Kreuzschmerzen häufig angewandte Osteopathie setzt auf eine manuelle Behandlung der Beschwerden, wobei durch Druck die Blockierungen gelöst werden sollen, die den Schmerz verursachen. Auch Entspannungsübungen und autogenes Training sind häufig Bestandteil einer alternativen Kreuzschmerz-Therapie, insbesondere wenn ein psychosomatischer Hintergrund vermutet wird. Darüber hinaus verspricht die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bei Kreuzschmerzen unter Umständen eine Linderung der Beschwerden.

Rückenschmerzen Übungen
Rücken- und Kreuzschmerzen vorbeugen. (Bild: Trueffelpix/fotolia.com)

Um den Schmerzen im Rücken vorzubeugen, sind zudem begleitend zur Behandlung bestimmte Regeln im Alltag zu beachten. Gewichte sollten nicht aus dem Rücken gehoben werden, der Arbeitsplatz ist möglichst rückenschonend zu gestalten und der Rücken im Zweifelsfall durch einige einfache gymnastische Übungen zu stärken. (fp)

1: Alfred Heiler / pixelio.de