Sexuelle Krankheiten

Dr. Utz Anhalt

Unter sexuellen Krankheiten versteht man Erkrankungen, die sich durch Geschlechtsverkehr oder sexuelle Handlungen übertragen können. Viele Formen dieser Krankheiten sind weit verbreitet und können je nach Schweregrad und Ausmaßen lästig bis lebensgefährliche werden. Einige Gemeinsamkeiten der sexuellen Erkrankungen vorab:

  • Ansteckung: Alle hier beschriebenen sexuellen Krankheiten werden durch Viren oder Bakterien hervorgerufen, die bei ungeschützten sexuellen Handlungen, insbesondere vaginalem oder analem Geschlechtsverkehr, übertragen werden können.
  • Erreger: Die Erreger befinden sich häufig im Sperma, im Scheidensekret und/oder im Blutserum und gelangen beim Geschlechtsakt durch kleinste Verletzungen in den Kreislauf des Sexualpartners.
  • Risikogruppen: Grundsätzlich kann eine sexuelle Krankheit jeden treffen, der intimen Kontakt mit anderen Menschen hat. Personen, die häufig ihre Sexualpartner wechseln und mit diesen ungeschützten Sex ausüben, sowie Drogensüchtige, die sich Spritzen teilen und so einen direkten Blut-zu-Blut-Kontakt haben, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
  • Prävention: Die beste Sicherheitsmaßnahme gegen sexuellen Krankheiten ist Kondome zu verwenden. Bei trockener Vagina sowie beim analen Geschlechtsverkehr sollte zusätzlich ein Gleitmittel verwendet werden, um ein eventuelles Reißen des Kondoms zu verhindern.

Bakterielle Vaginose

Bakterielle Vaginosis ist verbunden mit einem Ungleichgewicht der Bakterien, die normalerweise in der weiblichen Vagina leben. Unklar ist, wie dieses Ungleichgewicht entsteht. Die Vaginalflora enthält im gesundem Zustand zahlreiche Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die Krankheitserreger abwehren. Ähnlich wie beim Scheidenpilz ist auch bei der bakteriellen Vaginose dieses Gleichgewicht gestört und es können sich andere Kulturen ausbreiten.

Eine Übersicht über häufige sexuell übertragbare Krankheiten. (Bild: Eigenbearbeitung/SENTELLO/nazar12/fotolia.com)

Ursachen einer bakteriellen Vaginose

Die Lactobazillen produzieren Milchsäure und reichern so die Scheide mit Säure an, was andere Bakterien davon abhält, sich hier auszubreiten. Bei einer bakteriellen Vaginose werden diese Milchsäurebakterien von krankheitserregenden (pathogenen) Keimen wie Gardnerella vaginalis, Chlamydien, Mykoplasmen oder Bacteroides-Bakterien verdrängt. Als Folge steigt der pH-Wert in der Vagina an und bietet so einen besseren Lebensraum für Krankheitserreger.

Keine klassische sexuell übertragbare Erkrankung

Die bakterielle Vaginose ist keine Erkrankung, die man sich nur über sexuellen Kontakt zuziehen kann. Die Erkrankung kann bei jeder Frau im gebärfähigen Alter auftreten (häufig zwischen 15 und 44 Jahren). Dennoch können die zugrunde liegenden Bakterien beim Sex ausgetauscht werden und Frauen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern haben ein erhöhtes Risiko.

Symptome einer bakteriellen Vaginose

Bei bakterieller Vaginose kommt es zu einem verstärkten Ausfluss der Scheide bei Frauen im gebärfähigen Alter. Es handelt sich um eine der häufigsten Infektionen der Vagina. Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Stark riechender Ausfluss aus der Scheide (fischähnlich),
  • Ausfluss ist wässrig und hat eine grau-weiße Farbe,
  • gelegentlich Juckreiz und Brennen,
  • Symptome verstärken sich nach dem Sex oder während der Regelblutung.
Ein Überblick über die weiblichen Geschlechtsorgane. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Auswirkungen einer bakteriellen Vaginose

Die Vaginose an sich verläuft in vielen Fällen weitgehend beschwerdefrei und ist eher unangenehmer Natur. Dennoch sollte eine Behandlung erfolgen, denn während einer Vaginose finden andere Krankheitserreger gute Bedingungen vor und es herrscht ein deutlich erhöhtes Risiko, sich weitere Entzündungen und schwerwiegende Infektionen wie Aids zuzuziehen. Bei Schwangeren besteht das Risiko einer Frühgeburt oder einer Infektion des Neugeborenen.

Medikamente gegen bakterielle Vaginose

Das wichtigste Medikament, um bakterielle Vaginosen zu behandeln, ist das Antibiotikum Metronidazol. Die Erfolgsrate liegt bei 70 bis 80 Prozent, aber bei 30 Prozent der Patienten mit einer raschen Heilung kehrt die Krankheit in den nächsten Monaten zurück. Außerdem ist der Gebrauch verbunden mit eventuellen Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel und Übelkeit.

Naturheilkunde bei bakterieller Vaginose

Zur naturheilkundlichen Unterstützung hat sich Johanniskraut (Hypericum perforatum) mit seiner entzündungshemmenden Wirkung bewährt. Außerdem kann es gegen Menstruationsbeschwerden, Scheidenausfluss sowie Blasenstörungen helfen und gilt als natürliches Antidepressivum.

Johanniskraut hat sich mit seiner entzündungshemmenden Wirkung bei Menstruationsbeschwerden, Scheidenausfluss und Blasenstörungen bewährt. (Bild: fotoknips/fotolia.com)

Chlamydia trachomatis

Chlamydia trachomatis ist inzwischen die häufigste sexuell übertragene Krankheit in der entwickelten Welt. Die WHO schätzt, dass jährlich 100 Millionen neue Fälle weltweit auftreten. Studien zeigen, dass diese Infektion die häufigste von Bakterien übertragene Krankheit in europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten ist. Das Bakterium überträgt sich durch oralen, analen und vaginalen Sex ohne Kondom. Sowohl Männer als auch Frauen können diese verbreitete Infektion bekommen.

Chlamydia Infektionen bei Männern

Bei Männern mit Chlamydia zeigen sich häufiger Symptome, aber auch hier verlaufen circa 50 Prozent der Infektionen symptomfrei. Die Anzeichen der Infektion sind: Schmerzen während des Wasserlassens, Rötung oder Schwellung des Penisendes, Ausfluss aus dem Penis, meist in gelblich oder beige. Die Harnwege sind entzündet, dadurch wird das Wasserlassen schwierig. Die Schmerzen sind in der Regel auf die Penisspitze begrenzt, wo die Harnröhre endet. Es können auch Schmerzen beim Sex auftreten.

Ebenso wie bei Frauen kann sich auch bei Männern eine unbehandelte Chlamydia trachomatis Infektion weiter ausbreiten. Erreicht der Erreger die Prostata und die Nebenhoden, kann dies starke Schmerzen und eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit der inneren Geschlechtsorgane verursachen. Diese Funktionseinschränkung kann bis zur Sterilität führen.

Chlamydia Infektionen bei Frauen

Eine Chlamydia Infektion bei Frauen bleibt häufig unentdeckt, denn circa 80 Prozent aller Infektionen verlaufen ohne sichtbare Symptome. Das einzige Anzeichen, das häufiger auftritt, ist ein eitriger Ausfluss aus der Vagina. Wenn die Infektion unbehandelt bleibt, kann sich diese weiter ausbreiten und auch die oberen Geschlechtsorgane wie die Eileiter befallen. Dort kann es zu Entzündungen kommen, die zu Funktionseinschränkungen bis hin zur Sterilität führen können, wenn die Entzündung chronisch wird.

Wenn die Eileiter von einer chronischen Entzündung durch eine Chlamydia Infektion betroffen sind, kann dies zur Unfruchtbarkeit führen. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Nicht nur Geschlechtsorgane können betroffen sein

Chlamydia kann verschiedene Organe befallen, darunter den Penis, die Vagina, die Harnröhre, den Anus, das Auge, die Kehle sowie die Lunge und kann ernste und bisweilen permanente Schäden des reproduktiven Systems verursachen.

Chlamydia trachomatis Behandlung und Komplikationen

Die gute Nachricht ist, dass Chlamydia sich einfach mit Antibiotika heilen lässt. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Hälfte der infizierten Frauen nicht weiß, dass sie infiziert sind und 30 Prozent entwickeln ernste Komplikationen wie Schäden an den Eileitern, verursacht von einer Beckenentzündung, was zu Sterilität führen kann. Schäden an den Eileitern können außerdem bedingen, dass sich die befruchtete Eizelle außerhalb des Uterus einpflanzt; auch Frühgeburten sind möglich.

Chlamydia bei Babys

Ein Baby, dass Chlamydia trachomatis im Geburtskanal ausgesetzt ist, kann eine Augen- oder Lungenentzündung entwickeln. Wenn das Baby durch den Geburtskanal gelangt, kommt es in Kontakt mit dem Blut und der Vaginalflüssigkeit der Frau. Ein infiziertes Baby zeigt gewöhnlich die Symptome einer Bindehautentzündung wie tränende Augen und geschwollene Augenlider (meist in den ersten zehn Tagen nach der Geburt). Zu den Symptomen einer Lungenentzündung gehört keuchender Husten, der stetig schlimmer wird und meist in drei bis sechs Wochen nach der Geburt auftritt.

Naturheilkunde bei Chlamydia trachomatis

Zur unterstützenden Naturheilkunde-Behandlung eignen sich Pflanzen, die für ihre antibakteriellen Eigenschaften bekannt sind. Dazu zählen beispielsweise:

Knoblauch ist unter den Hausmitteln für seine antibakterielle Wirkung bekannt. (Bild: Alice_D/fotoliia.com)

Gonorrhoe (Tripper)

Gonorrhoe, umgangssprachlich auch als Tripper bekannt, ist die zweithäufigste bakterielle Infektion in Europa und ein ernstes Gesundheitsproblem, weil unbehandelte Infektionen zu Folgeerkrankungen, Beckenentzündungen, Frühgeburten und Unfruchtbarkeit führen können.

Auslöser einer Gonorrhoe

Die sexuell übertragene Infektion wird vom Bakterium Neisseria gonorrhoeae ausgelöst, welches in den warmen feuchten Gebieten des Reproduktionstraktes, im Gebärmutterhals, dem Uterus und den Eileitern der Frau sowie in der Harnröhre von Männern und Frauen gedeiht. Die WHO schätzt, dass circa ein Prozent der Weltbevölkerung mit diesem Bakterium infiziert ist. Jedes Jahr kommt es weltweit zu über 100 Millionen Neuinfektionen.

Übertragung

Gonorrhoe wird verursacht von Bakterien, die sich vor allem im Samen und der Vaginalflüssigkeit von Männern und Frauen finden, die infiziert sind. Gonorrhoe wird leicht durch sexuellen Kontakt von einer Person auf die andere übertragen. Jeder, der sexuell aktiv ist, kann sie bekommen und weiter geben.

Gonorrhoe ist bedeutend wegen ihrer möglichen Komplikationen, wie Krankheiten des Genitaltraktes von Frauen, die zu Unfruchtbarkeit führen können, zusätzlichen Infektionen und Neonates sowie Erkrankungen der Augen. Gonorrhoe-Patienten sind außerdem häufig mit Chlamydia infiziert. Gonoorhoe fördert weiterhin die sexuelle Übertragung von HIV, und die beiden Krankheiten treten oft zusammen auf.

Die Symptome erscheinen gewöhnlich zwei bis vierzehn Tage nach der Infektion, allerdings zeigen viele Infizierte niemals erkennbare Symptome. Solche Betroffenen sind ideale Überträger der Krankheit.

Unterschiedliche Erreger-Typen. Bild: designua - fotolia
Unterschiedliche Erreger-Typen. (Bild: designua/fotolia.com)

Gonorrhoe Symptome bei Frauen

Die Frühzeichen einer Gonorrhoe sind meist schwer zu erkennen. Männer zeigen häufiger deutliche Symptome als Frauen. Die Hälfte der Frauen, die Gonorrhoe-Symptome entwickeln haben auffälligen Scheidenausfluss und rund 25 Prozent klagen über Schmerzen im Genitalbereich. Weniger häufige Symptome einer Gonorrhoe sind Schmerzen beim Urinieren und stärkere Blutungen während der Periode. Der Ausfluss hat oft eine ungewöhnliche Konsistenz, mal ist er cremig, mal erinnert er an Blut oder ist sogar grünlich.

Gonorrhoe Symptome bei Männern

Mehr als drei Viertel der Männer mit Gonorhoe zeigen Symptome, was es einfacher macht, die Infektion zu erkennen. Die Leiden verschwinden zwar nach einigen Wochen von allein, die Infektion bleibt aber im Organismus und kann weitere Schäden im Körper verursachen. Die ersten Symptome können sich eine Woche nach der Übertragung zeigen, nämlich:

  • Brennender Schmerz beim Pinkeln,
  • weißer Ausfluss aus dem Penis,
  • Rötung und Schwellung der Harnröhrenmündung,
  • verstärkter Harndrang,
  • dumpfe Schmerzen in der Blasengegend,
  • Anusschmerzen (falls der Analbereich infiziert ist).

Gonorrhoe bei Babys

Die Infektion kann von einer Mutter auf das Kind während der Geburt übertragen werden. Neugeborene zeigen Symptome in den ersten Wochen an ihren Augen. Diese schwellen an, röten sich und haben einen breiigen Ausfluss.

Prävention von Gonorrhoe

Jede Form von ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner kann zur Übertragung führen. Das schließt auch bestimmte Sexualpraktiken wie Analsex oder Oralverkehr mit ein. Häufiger ungeschützter sexueller Kontakt mit wechselnden Partnern erhöht das Risiko einer Tripper-Infektion. Außerdem sollte man es verhindern, Kleidung und Handtücher mit einer infizierten Person zu teilen, denn auch deren gemeinsamer Gebrauch ist gegebenenfalls ansteckend.

Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae lösst die Krankheit Gonorrhoe, besser bekannt als Tripper, aus. (Bild: Giovanni Cancemi/fotolia.com)

Naturheilkunde bei Gonorrhoe

Früchte zu essen reinigt das Blut, ebenso Gemüse, entweder roh oder als Saft. Bananen und Kartoffeln sollte man hingegen vermeiden. Papayas, wilde Äpfel und Melonen sind jedoch bekannt als natürliche Heilmittel gegen Gonorhoe. Andere Formen der Naturheilkunde wie Akupunktur helfen zwar nicht direkt gegen Gonorhoe, stärken aber das Immunsystem, so dass dieses besser gerüstet ist für den Kampf gegen die Bakterien.

Genitaler Herpes

Genitaler Herpes ist eine sexuell übertragbare Krankheit, verursacht von einer Variante des Herpes-Virus (HSV), bei der schmerzende Blasen in der Genitalregion auftreten. HSV vom Typ 1 verursacht normalerweise fiebernde Blasen im Mund oder Gesicht, während HSV vom Typ 2 typischerweise an den Genitalien auftritt.

Herpes-Viren bleiben ein Leben lang

Meistens sind Herpes-Viren inaktiv und verursachen keine Symptome, aber bei einem geschwächtem Immunsystem kann es immer wieder zu Ausbrüchen kommen. Einmal mit HSV infiziert, verbleibt der Virus ein Leben lang im Körper.

Herpes Übertragung

Beide Virentypen können durch direkten Kontakt übertragen werden, also Haut-zu-Haut Berührungen, Küssen sowie Anal-, Oral- oder Vaginalsex. Die ersten Symptome können nach zwei bis vierzehn Tagen auftreten, manchmal zeigen sie sich auch erst Jahre nach der Infektion. Bei einigen Menschen zeigen sich nie Symptome. Oft wissen diese Personen gar nicht, dass sie mit dem Genitalherpes infiziert sind, können die Infektion aber übertragen.

Genitalherpes Symptome einer Erstinfektion

Die Symptome können von Person zu Person variieren. Eine neu eingefangene Herpes-Infektion zeigt sich häufig durch folgende Symptome, die gewöhnlich ein bis zwei Wochen anhalten:

  • Rote Punkte an den Genitalien, dem Rektum und der Afteröffnung,
  • Bläschenbildung mit gelblicher Flüssigkeit,
  • schmerzhaftes Anschwellen der Lymphknoten in der Umgebung,
  • Fieber,
  • brennende Schmerzen auf der Haut,
  • juckender Hautausschlag an der infizierten Stelle,
  • Nervenschmerzen im Bein.
Nach einer Herpesinfektion bilden sich an den infizierten Stellen häufig Bläschen, die mit einer gelblichen Flüssigkeit gefüllt sind. (Bild: nengredeye/fotolia.com)

Weitere Ausbrüche

Nach dem ersten Ausbruch verschwinden die Symptome und das Virus wird inaktiv. Es bleibt im Nervensystem und kann sich Monate oder Jahre später reaktivieren, meist an der gleichen Stelle, wo es zuerst auftrat. Oft treten weitere Ausbrüche im Zusammenhang mit Stress, Fieber und anderen Erkrankungen sowie bei Frauen während der Menstruation auf. Über die Zeit kommt es immer seltener zum Ausbruch, die Symptome werden milder und bleiben deshalb oft unerkannt.

Herpes und Schwangerschaft

Herpes beeinflusst nicht die Fruchtbarkeit von Mann und Frau. Wenn eine Frau unmittelbar vor der Schwangerschaft mit dem Virus infiziert wird, besteht ein sehr geringes Risiko, dass sich die Krankheit auf das Baby überträgt. Wenn es in den letzten zehn bis zwölf Wochen der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion kommt, kann sich das Baby während der Geburt infizieren. Durch eine Geburt per Kaiserschnitt lässt sich dieses Risiko jedoch umgehen.

HIV

HIV ist ein Virus und steht für Human Immunodeficiency, also menschliche Immunschwäche. Der Virus infiziert nur Menschen und nahe verwandte Primaten. Normalerweise schützt unser Immunsystem den Körper vor Viren. Im Falle von HIV greift das Virus aber direkt das Immunsystem an, welches unfähig ist, HIV abzuwehren und zu zerstören.

HIV Übertragung

Die HIV-Viren befinden sich in erster Linie in der Samenflüssigkeit, im Blut sowie im Scheiden- und Wundsekret. Der häufigste Übertragungsweg ist ungeschützter vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr. Auch Oralverkehr birgt eine geringe Infektionsgefahr. Des Weiteren ist direkter Blut-zu-Blut-Kontakt, wie beim gemeinsamen Nutzen von Kanülen bei Drogensüchtigen, mit einem hohen Infektionsrisiko verbunden.

Übertragung von Mutter auf Kind

Es besteht die Gefahr, dass infizierte Schwangere das Virus während der Schwangerschaft auf das Kind im Mutterleib oder während der Geburt übertragen. Auch eine Infektion nach der Geburt über die Muttermilch ist möglich.

Keine allgemeine Ansteckungsgefahr

Neben den beschriebenen Übertragungswegen herrscht im Alltag keine Infektionsgefahr. Es ist unbedenklich, mit einem Infizierten zusammen zu wohnen, zu arbeiten, zu essen und sich die Sanitäreinrichtungen zu teilen. Ein Übertragungsrisiko durch Anhusten oder Niesen sowie durch gewöhnlichen Körperkontakt wie Küssen, Umarmen, Hände schütteln oder trinken aus den gleichen Gefäßen besteht nicht.

Im Alltag ist ein normales Zusammenleben mit HIV positiven Personen problemlos möglich. Außer durch sexuellen und direkten Blut-zu-Blut Kontakt bestehen keine Ansteckungsgefahren. (Bild: sewcream/fotolia.com)

Erhöhte Infektionsgefahr

Das Virus gelangt häufig durch kleine Verletzungen in den Körper. Wer unter anderen sexuellen Krankheite wie Syphillis, Herpes, Chlamydia, Gonnorhoe oder Scheidenentzündung leidet, hat daher ein höheres Risiko, sich während des ungeschützten Geschlechtsverkehrs mit HIV zu infizieren.

HIV Symptome

Die Symptome von HIV variieren abhängig vom Grad der Infektion. Der Beginn der Infektion kann symptomfrei verlaufen, es können aber auch grippeähnliche Symptome auftreten. Hierzu zählen beispielsweise:

Die lange latente Periode

Nach der ersten Phase, in der das Immunsystem erfolglos versucht, den Virus zu bekämpfen, verschwinden die Symptome. Die HIV-Infektion geht nun in die zweite Phase über, die aus einer langen symptomfreien Zeit besteht. In dieser latenten Periode wissen viele Betroffenen nicht, dass sie infiziert sind und übertragen die Infektion auf andere. Dieser Zeitraum kann zehn Jahre oder länger andauern.

Was geschieht im Körper eines HIV-Infizierten?

Während der zweiten Phase tötet HIV langsam die weißen Blutkörperchen ab und zerstört so das Immunsystem. Bluttests während dieser Phase zeigen den Verlust. Normalerweise hat ein Menschen zwischen 450 und 1400 dieser Zellen pro Mikroliter. Diese Anzahl ändert sich konstant, abhängig von der Verfassung der Person. Bei einer HIV-Infektion nimmt die Anzahl der weißen Blutkörperchen ständig ab und macht Betroffene anfällig für andere Infektionen. Außerdem steigt zunehmend die Gefahr, dass die fortgeschrittene Krankheitsphase AIDS eingeleitet wird.

HIV-Behandlung

Die Behandlung mit Anti-HIV-Medikamenten verhindert, dass HIV sich vermehrt und das Immunsystem zerstört. Das bewahrt den Körper vor lebensgefährlichen Infektionen und Krebs-Erkrankungen und schützt davor, dass HIV zu Aids übergeht.

Die heutige HIV-Therapie mit wirksamen Medikamenten ermöglicht Betroffenen ein weitgehend normales Leben. (Bild: Valeriy/fotolia.com)

AIDS

Der Begriff AIDS beschreibt die fortgeschrittensten Stadien einer HIV-Infektion. Menschen, deren Infektion früh behandelt wird, entwickeln dieses Stadium nicht. AIDS ist ein genereller Begriff, der verschiedene Krankheiten beinhaltet, die aus einem sehr geschwächten Immunsystem resultieren.

AIDS gleich Tod?

Noch vor wenigen Jahrzehnten stand die Medizin diesem Virus machtlos gegenüber. Dem ist jetzt nicht mehr so. AIDS beziehungsweise HIV ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit einem baldigem Tod. Mit der richtigen Behandlung und Fürsorge erholen sich viele Menschen mit AIDS von den daraus resultierenden Krankheiten und führen ein langes Leben.

HIV gleich AIDS?

HIV und AIDS sind nicht das gleiche. Früher endeten die meisten HIV-Infektionen in der AIDS-Krankheitsphase. Durch die heutige HIV-Therapie ist diese Phase weitgehend vermeidbar. Sogar bei Menschen, die keine Behandlung erfahren, gibt es in der Regel ein Zeitfenster von mehreren Jahren, bevor AIDS entsteht. Es dauert lange, bis die Immunschwäche ein Niveau erreicht, das Folgekrankheiten ein ungeschütztes Eindringen ermöglicht.

AIDS im Endstadium

Im Endstadium von AIDS hat das HIV-Virus das Immunsystem so geschädigt, dass der Körper Infektionen nicht mehr abwehren kann. Folglich entwickeln Menschen mit fortgeschrittenem AIDS wiederholte Infektionen des gleichen Typs, insbesondere Lungenentzündungen, Tuberkulose, chronischen Herpes, Toxoplasmose oder Meningitis.

Erhöhtes Krebsrisiko

Das Immunsystem ist außerdem einbezogen in die Abwehr bestimmter Typen von Krebs. Wenn das Immunsystem in den späten Stadien von Aids zusammenbricht, tritt der Krebs öfter auf. Das Risiko, Krebs in den Eingeweiden, Lungen und der Haut zu bekommen steigt, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit einen Lymphknotenkrebs zu entwickeln.

Das Kondom gilt als effektivster Schutz gegen eine HIV-Infektion sowie gegen die meisten anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. (Bild: Valerii Zan/fotolia.com)

Vaginale Pilzinfektionen

Der Pilz Candida lebt normalerweise in kleiner Menge in der Vagina. Eine Pilzinfektion bedeutet, dass diese Pilzzellen sich jedoch vermehren und intensives Jucken, Schwellen und Unwohlsein verursachen. Candida-Infektionen befallen meistens Frauen, die noch ihre Periode haben. Sie sind weniger häufig in der Zeit nach der Menopause, zumindest, wenn keine Hormontherapien durchlaufen werden. Und sie sind selten bei Mädchen, die noch keine Menstruation hatten.

Scheidenpilz Symptome

Die verbreitetsten Symptome sind Jucken und ein Ausfluss aus der Vagina. Letzterer ist oft zäh, weiß und cremig – fast wie Hirtenkäse. Andere Symptome sind Brennen und Rötung des Vaginabereichs, bisweilen schwellen auch die Schamlippen an. Manche Frauen haben Schmerzen beim Urinieren. Sex kann ebenso Schmerzen bereiten, weil die entzündete Vagina gereizt wird. Eine genauere Beschreibung dieses Krankheitsbildes sowie Behandlungsmöglichkeiten und Hausmittel finden Sie in dem Artikel Scheidenpilz (Vaginalmykose) – Ursachen, Symptome, Behandlung.

Trichomoniasis

Trichomoniasis ist eine sexuell übertragene Infektion, die von dem einzelligen Parasiten Trichomonas vaginalis verursacht wird und Männer ebenso befallen kann wie Frauen. Allerdings unterscheiden sich die Symptome bei den Geschlechtern. Bei Frauen infiziert sich meistens die Vagina, bei Männern sind vor allem die Harnwege betroffen. Der Parasit überträgt sich gewöhnlich durch Sex mit einem infizierten Partner.

Trichomoniasis Symptome

Die Symptome erscheinen in der Regel fünf bis 28 Tage nach der Infektion. Die Zeichen einer Trichommoniasis beinhalten bei der Frau eine Scheidenentzündung mit übel riechendem, gelblich-schaumigem Ausfluss, Brennen, Jucken und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Beim Befall der Harnwege kann es bei Männern und Frauen zu Schmerzen beim Wasserlassen sowie zu einem häufigen Harndrang kommen. Bei Männern kann es gelegentlich zu einem kribbeln im Inneren des Penis kommen.

Infektionen während der Schwangerschaft

Infektionen mit Trichomonas vaginalis während der Schwangerschaft können eine Frühgeburt auslösen, was zu einem schlechten Gesundheitszustand des Neugeborenen führen kann. Befallene Babys brauchen intensive Pflege in den ersten Wochen, bleiben lange im Krankhenhaus und leiden oft an einer langwierigen Behinderung im Nervensystem. Außerdem sind schwangere Frauen mit Trichomoniasis einem erhöhten Risiko ausgesetzt, dass vor der Geburt Membrane reißen, was zu einem geringen Gewicht des Neugeborenen führen kann.

Naturheilkundliche Prävention

Verschiedene Kräuter stärken das Immunsystem gegen die Parasiten. Die am meisten empfohlenen Pflanzenheilmittel sind hier Knoblauch und das Öl des Teebaums.

Der einzellige Parasit Trichomonas vaginalis kann die sexuell übertragbare Infektion Trichomoniasis auslösen. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Beckenentzündungen

Beckenentzündungen beeinträchtigen den oberen Genitaltrakt der Frau. Dazu gehören der Uterus, die Eierstöcke und die benachbarten Regionen des Beckens. Sie können sich auch auf den Unterleib ausdehnen. Sind die Eierstöcke betroffen, kann es zu Deformierungen kommen, die zur Unfruchtbarkeit führen können.

Beckenentzündungen Ansteckung

Verschiedene Bakterien verursachen einen Beckenentzündung, darunter die gleichen, die Gonorrhoe und Chlamydia auslösen. Gewöhnlich erreichen die Bakterien zuerst die Vagina und führen hier zu einer Entzündung. Bei nicht rechtzeitiger Behandlung oder falls das Immunsystem die Infektion nicht selbstständig ausschaltet, kann sich diese mit der Zeit auf die Organe des Beckens ausweiten.

Erhöhte Infektionsgefahr

Sexuell aktive Frauen in den gebärfähigen Jahren sind am meisten gefährdet, und die unter 25jährigen mehr als die älteren. Während der Menstruation haben Frauen eine erhöhte Infektionsgefahr. Ebenso sind Frauen, die häufig mit verschiedenen Partnern sexuell ohne Kondom verkehren, einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt.

Beckenentzündung Symtome

Eine Beckeninfektion ist oft schwer zu diagnostizieren, denn sogar, wenn die Symptome auftreten, lassen sie sich leicht mit Zeichen einer Reihe anderer Krankheiten verwechseln. Zu den auftretenden Beschwerden zählen:

  • Schmerz im Unterleib (Unterbauchschmerzen),
  • Fieber,
  • Erschöpfung,
  • vaginaler Ausfluss,
  • schmerzhafte Blutungen nach dem Sex,
  • unregelmäßige Blutungen bei der Menstruation.

Syphilis (Lues)

Die Syphilis ist weitgehend aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Dennoch ist diese Krankheit noch nicht besiegt. 2015 infizierten sich laut Robert Koch-Institut 6.834 Menschen in Deutschland mit dem Bakterium Treponema pallidum. Auch heute noch kann die Syphilis bleibende Schäden verursachen, im Extremfall sogar lebensgefährlich sein. Im Frühstadium erkannt, lässt sie sich jedoch effektiv behandeln.

Das längliche Bakterium Treponema pallidum löst die Krankheit Syphilis aus. (Bild: Tatiana Shepeleva/fotolia.com)

Syphilis Ansteckung

Die Erreger gelangen in den meisten Fällen durch vaginalen oder oralen Geschlechtsverkehr in den Organismus und dringen durch kleine Verletzungen ein. Experten sprechen von einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit, sich beim ungeschützten Verkehr mit einem Infizierten anzustecken.

Syphilis Symptome

Die ersten Symptome zeigen sich erst mehrere Wochen nach der Infektion. Zuerst bildet sich ein Geschwür, oftmals dort, wo die Bakterien eingedrungen sind. Dies ist häufig an den Genitalien oder am Mund der Fall. Nachdem die Geschwüre abgeheilt sind, können die Betroffenen jedoch nicht als geheilt gelten. Der Erreger breitet sich nämlich im gesamten Körper aus. In der zweiten Krankheitsphase tauchen dann Hautausschläge und Fieber auf. Verbleiben die Erreger weiterhin im Körper, kann es zu schweren Gewebeschäden im Gehirn und Rückenmark kommen, die sogenannte Neurosyphilis.

Syphilis Behandlung

Mit der Entdeckung des Penizilins wurde Lues heilbar. Früh erkannt reicht meistens bereits eine Penizillin-Spritze aus, um die Krankheit einzudämmen und das Bakterium abzutöten.

HPV/Papillomavirus

Die Infektion mit den humanen Papillomviren (HPV) zählt zu den häufigsten virusbedingten sexuellen Krankheiten. Circa 25 Prozent der Frauen im Alter unter 30 Jahren sind mit HPV-Viren infiziert. Bei über 30-jährigen Frauen sind es noch circa acht Prozent. Bei Männern gibt es aufgrund fehlender Routineuntersuchungen keine Zahlen. Allerdings gehen Experten von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass der jeweilige Sexualpartner ebenfalls infiziert ist.

HPV Symptome

Typische Symptome sind Feigwarzen, auch als Genitalwarzen oder spitze Kondylome bekannt. Bestimmte Hochrisiko-Typen der Papillomviren können Zellveränderungen verursachen, die mit einer erhöhten Gefahr für spätere Krebserkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs verbunden sind. Insbesondere Männer wissen häufig nicht, dass sie Träger der Viren sind, da diese oft nur kleine Läsionen am Penis verursachen.

Der Gebrauch von Kondomen reduziert das Risiko, sich an einer sexuellen Krankheit anzustecken, drastisch. (Bild: heilpraxis.de/nazar12/fotolia.com)

Prävention von sexuellen Krankheiten

Für alle Geschlechtskrankheiten gilt: Safer Sex, der Gebrauch von Kondomen und Hygiene im Genitalbereich sind gute Mittel, um sexuell übertragenen Infektionen vorzubeugen. Insbesondere Kondome können das Risiko der meisten sexuellen Krankheiten massiv senken. Eine richtiger Gebrauch ist natürlich Voraussetzung.

Damit das Kondom während des Sex unversehrt bleibt, sollten bei trockener Scheide oder beim Analverkehr zusätzlich Gleitmittel benutzt werden. Diese sollten erst aufgetragen werden, nachdem das Kondom einen festen Sitz auf dem erigierten Glied hat. Nach dem Geschlechtsakt sollte das Kondom beim Herausziehen festgehalten werden, möglichst bevor das Glied erschlafft. (Somayeh Ranjbar, vb; aktualisiert am 8. Mai 2018)