Alarm im Legoland

Fabian Peters

Legoland: Unbekannte Flüssigkeit verursacht Atemnot, Übelkeit und Erbrechen

16.10.2011

Aus einer zerbrochenen Ampulle im Legoland wurden offenbar gesundheitsschädliche Substanzen freigesetzt. Mehre Besucher und Mitarbeiter des Legolands bei Günzburg mussten vorübergehend wegen starker Übelkeit und Erbrechen medizinisch versorgt werden. Was sich in der zerbrochenen Flasche befand, ist bislang noch unklar.

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Die Experten des Landeskriminalamtes vermuten, dass die Ursache für die gesundheitlichen Beschwerden bei Mitarbeitern und Besuchern des Legolands ein „übler Scherz“ gewesen sein könnte und die Ampulle eigentlich als sogenannte Stinkbombe gedacht war. Diese Vermutung muss jedoch erst noch im Rahmen der weiteren Untersuchungen überprüft werden, bevor eine abschließende Beurteilung erfolgen kann, teilte ein Sprecher des Kriminalamts mit.

Am Samstag hatten mehrere Gäste des Legolands in dem Bereich der Legofabrik einen üblen Geruch wahrgenommen, der von einer zerbrochenen Ampulle ausging. Daraufhin kontaktierten die Besucher einen Mitarbeiter, der umgehend versuchte die ausgetretene Flüssigkeit mit Hilfe von Wischlappen und Papiertüchern zu beseitigen. Der Angestellte des Legolands litt beim Versuch die übelriechende Flüssigkeit zu entfernen unter starker Atemnot gefolgt von einem heftigen Brechreiz. Nachdem der umgehend alarmierte Notarzt eingetroffen war, meldeten sich zahlreiche weitere Personen die unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen litten. Elf der Betroffenen bedurften laut Aussage des Kriminalamts lediglich einer ambulanten Versorgung vor Ort, eine Patientin mit Asthma musste jedoch vorsorglich ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Analysen der krankmachenden Flüssigkeit folgen
Die alarmierten Rettungskräfte gingen angesichts der auftretenden Symptome bei Parkbesuchern und dem Legoland-Mitarbeiter besonders vorsichtig vor, um weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen von vornherein auszuschließen. Mit Schutzanzug und Atemschutzmaske drangen die Helfer in das Gebäude vor. Doch bei den ersten Messungen konnten keine gesundheitsgefährdenden Substanzen festgestellt werden. Welche Flüssigkeit die gesundheitlichen Beschwerden bei den Besuchern des Freizeitparks ausgelöst haben könnte, blieb daher vorerst völlig unklar. Auch nach dem Entfernen der Flüssigkeit war in der Legofabrik ein unangenehmer Geruch wahrnehmbar, der jedoch keine weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgelöst hat. Um festzustellen, welche Flüssigkeit für das Auftreten der Symptome verantwortlich war, wurden nach Rücksprache mit den Chemikern des Landeskriminalamtes (LKA) die Papiertücher, die zur Reinigung dienten, vor Ort sichergestellt und luftdicht verpackt. Die anschließende Analyse im Labor soll nun Licht ins Dunkel bringen. Ersten Vermutungen der LKA-Chemiker zufolge könnte es sich bei der zerbrochenen Ampulle um einen üblen Scherz handeln. Die Flüssigkeit und Ampulle erinnere stark an eine sogenannte Stinkbombe, berichtete das LKA. Da jedoch zahlreiche Personen unter erheblichen gesundheitlichen Beschwerden litten, ermittelt die Polizei derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und bittet dabei um die Unterstützung durch die Bevölkerung. Wer Hinweis zu den Vorkommnissen hat, möge sich mit der Polizei in Verbindung setzen, so der Aufruf der Polizei.

Schwefelwasserstoff verursacht erhebliche gesundheitliche Beschwerden
Die meisten Stinkbomben funktionieren auf Basis der Freisetzung von Schwefelwasserstoff, wobei das Gas beim Einatmen äußerst giftig ist und selbst in geringen Konzentrationen die Schleimhäute reizen sowie Atemnot und Schwindel auslösen kann. Allerdings erreicht die Schwefelwasserstoff-Konzentration in der Luft meist keine gesundheitsschädlichen Werte, da das Gas sich verhältnismäßig schnell verflüchtigt. In geschlossenen Räumen kann die Freisetzung von Schwefelwasserstoff jedoch leichter zu kritischen Konzentrationen führen. Allerdings scheint es in diesem Fall merkwürdig, dass die Rettungskräfte bei ihren Messungen keine Schadstoffe in der Raumluft nachweisen konnten. So bleibt abzuwarten, ob tatsächlich eine Stinkbombe auf Basis von Schwefelwasserstoff Ursache der gesundheitlichen Beschwerden bei den Besuchern des Legolands war. (fp)

Bild: Timo / pixelio.de