Allergien durch Duftstoffe im Kinderspielzeug

Fabian Peters

Duftstoffe im Kinderspielzeug verursachen Kontaktallergien

12.04.2012

Häufig enthalte Kinderspielzeug allergene Duftstoffe, welche neben Nickel zu „den Kontaktallergenen mit den höchsten Sensibilisierungsraten in der Bevölkerung“ gehören, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Unter Umständen drohe eine lebenslang anhaltende Allergie. Die „Sensibilisierung und Auslösung eines allergischen Kontaktekzems können nur durch Vermeidung beziehungsweise Minimierung der Allergenexposition verhindert werden“, doch die für Kinderspielzeug geltenden Grenzwerte seien zu hoch, so die Mitteilung des BfR.

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Viele Kinder bereits gegenüber Duftstoffen und Nickel sensibilisiert
Rund zehn Prozent der Kinder sind laut Aussage des BfR bereits gegen Nickel sensibilisiert und rund zwei Prozent zeigen einen Sensibilisierung gegenüber Duftstoffen. Der Kontakt mit den potenziellen Allergieauslösern lasse sich jedoch kaum vermeiden, da diese oftmals in Alltagsgegenständen wie dem Kinderspielzeug stecken, mit denen die Kleinen stundenlang in Berührung kommen. Je öfter und intensiver ein Kind dabei mit den allergenen Stoffen Kontakt hat, „desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Kontaktallergie entwickelt“, betonte eine Sprecherin des BfR gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Die Kontaktallergie zeigt sich durch Hautreaktionen wie Rötungen, Bläschenbildung und Nässen „bis hin zu ernsthafteren Entzündungen“, so die Mitteilung des BfR. Dabei bleibt die Sensibilisierung nach dem erstmaligen Auftreten ein Leben lang bestehen, ist nicht heilbar und es können lediglich die Symptome behandelt werden. Der Kontakt mit den allergenen Substanzen wie Nickel oder bestimmten Duftstoffen sollte daher bereits „in der Kindheit so weit wie möglich vermieden“ werden, warnt das BfR.

Strenger gesetzliche Regelungen für den Duftstoffgehalt im Kinderspielzeug
Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen für Kinderspielzeuge werden nach Ansicht des BfR dem Schutz der Kinder nicht gerecht, da in der europäischen Spielzeugrichtlinie zum Beispiel kein Grenzwert für die Freisetzung von Nickel festgeschrieben wurde und die erlaubten Grenzwerte der Dufstoffe deutlich zu hoch liegen. Das BfR fordert daher die Grenzwerte der sogenannten REACH-Verordnung zur Nickelfreisetzung aus „Produkten mit unmittelbarem und längerem Hautkontakt“ (zum Beispiel Schmuck, Kleidung) auf Spielzeug auszuweiten. Des weiteren sollten Spielzeuge für Kinder im Alter unter drei Jahren generell keine Duftstoffe enthalten und bei Kinderspielzeug für ältere Kinder sollte ein europaweiter Grenzwert von zehn Milligramm pro Kilogramm gelten, erklärte das BfR.

Zu hohe Grenzwerte bei Duftstoffen im Kinderspielzeug
Derzeit sind 55 bekannte allergene „Duftstoffen und Duftinhaltsstoffen nach der neuen EU-Spielzeugrichtlinie verboten, elf weitere Duftstoffe sind wegen ihres allergenen Potenzials deklarationspflichtig“, berichtet das BfR. Doch das Verbot bedeutet nicht, dass das Kinderspielzeug tatsächlich frei von den Substanzen ist. Denn laut Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung sind „Spurengehalte dieser verbotenen Duftstoffe bis zu 100 Milligramm pro Kilogramm Spielzeugmaterial zulässig.“ Diese Grenze sei deutlich zu hoch. Die 55 verbotenen allergenen Duftstoffe sollten grundsätzlich gar nicht im Kinderspielzeug nachweisbar sein, fordern die Experten des BfR. Für die elf deklarationspflichtigen Duftstoffe schlägt das BfR einen Grenzwert von zehn Milligramm pro Kilogramm Material vor, allerdings gelte dies nur bei Kinderspielzeug für Heranwachsende im Alter über drei Jahren. Bei Spielzeug für jüngere Kinder muss nach Auffassung des BfR das generelle Verbot der Duftstoffe gelten.

Gesundheitsrisiko durch Duftstoffe im Kinderspielzeug
Die Duftstoffe im Kinderspielzeug bestehen zum Großteil aus künstlich hergestellten chemischen Substanzen, die keinen technischen Zweck erfüllen, sondern lediglich den Geruchssinn stimulieren, erklärte die Sprecherin des BfR. Sinnes- und in erster Linie Kaufreize sollen hier angesprochen werden. Der Teddy muss nicht nur kuschelig sein, sondern auch gut riechen. Doch die Verwendung der Duftstoffe bei Kuscheltieren und Co. birgt für die Kinder mitunter ein erhebliches gesundheitliches Risiko. Einige entwickeln durch den ständigen Kontakt mit den Duftstoffen eine Kontaktallergien, die sie anschließend ihr Leben lang begleitet. Den Angaben des BfR zufolge sind hiervon circa zwei Prozent aller Kinder in Deutschland betroffen, wobei unter den Kindern, die sich bereits in einer dermatologischen Klinik zur Behandlung befinden, der Anteil bei 12 Prozent liegt.

Zu hohe Konzentration von Allergenen im Kinderspielzeug
Von den circa 2.500 bestehenden Duftstoffe lösen zwar nur einige eine Kontaktallergie aus, trotzdem ist bei auffällig riechenden Spielsachen insgesamt Vorsicht geboten. Die allergische Reaktion der Kontaktallergie tritt nicht bei der ersten Berührung mit den Allergenen auf, sondern entwickelt sich erst mit der Zeit. Sind die Betroffenen sensibilisiert, führt ein erneuter Kontakt mit den Substanzen zu teilweise heftigen Reaktionen auf der Haut, die von leichten Rötungen über Bläschen- und Quaddelbildung bis hin zu schweren Entzündungen reichen können. Um eine Sensibilisierung oder ein allergisches Kontaktekzem zu vermeiden, sind laut Mitteilung des BfR „präventive Maßnahmen notwendig.“ Das heißt der Kontakt mit den Allergenen ist grundsätzlich zu vermeiden beziehungsweise zu minimieren. Dabei wäre die „dermale Exposition von Kindern gegenüber allergenen Duftstoffen aus Spielzeug“ prinzipiell vermeidbar, wenn hier strengere Richtlinien gelten würden, so die Einschätzung des BfR. Die Konzentration der Allergene im Kinderspielzeug müsste deutlich abgesenkt oder auf die Verwendung der Stoffe idealerweise gänzlich verzichtet werden, fordern die Experten.

Kontaktallergie kann den Lebensverlauf nachhaltig beeinflussen
Folge der Kontaktallergie ist das sogenannten Kontaktekzem, welches sich nach 24 bis 48 Stunden als „Hauterkrankung mit Juckreiz, Rötung, Schwellung, Schuppung und Bläschenbildung“ auftritt, berichtet das BfR. Für die Betroffenen können die Kontaktekzeme laut Aussage der Experten „zu einer erheblichen Belastung und Beeinträchtigung der Lebensqualität“ führen. Unter Umständen droht ein chronischer Ekzemverlauf. Auch kann die Kontaktallergie den Lebensverlauf des Kindes nachhaltig beeinflussen, da zum Beispiel bestimmte Berufe nicht mehr in Frage kommen. Daher sind auch die Hersteller des Kinderspielzeugs hier in der Pflicht und sollten im Sinne der Gesundheit ihrer Kunden auf potenziell allergieauslösende Substanzen verzichten. Da die Bereitschaft der Kinderspielzeughersteller zum freiwilligen Verzicht auf Duftstoffe in ihren Produkten bisher jedoch nicht zu erkennen war, setzt sich das Bundesinstitut für Risikobewertung nun bereits zum zweiten Mal für eine striktere gesetzliche Regelung auf EU-Ebene ein. Diese soll auch den Gehalt von Duftstoffen in Kuscheltieren, Puppen, Bällen, Puzzles und Spielzeugautos rigoroser limitieren. Eine ausführliche Begründung für die Forderungen liefert das BfR in der Stellungnahme „Kontaktallergene in Spielzeug: Gesundheitliche Bewertung von Nickel und Duftstoffen“ (fp)