Bandscheibenvorfall: Zu viele Operationen

Astrid Goldmayer

Bandscheibenvorfall: Nicht immer ist Operation aufgrund von Rückenschmerzen notwendig

12.01.2012

Etwa 80 Prozent der Bundesbürger leiden laut Statistik einmal im Leben an Rückenproblemen. In vielen Fällen steckt ein Bandscheibenvorfall hinter den zum Teil starken Schmerzen. Doch auch diese Diagnose muss nicht zwangsläufig eine Operation bedeuten.

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Rückenschmerzen werden nicht nur durch Bandscheibenvorfälle ausgelöst
Die Ursachen von Rückenleiden sind vielfältig. Sie können durch harte körperliche Anstrengungen genauso hervorgerufen werden wie beispielsweise durch langes Sitzen am Schreibtisch und mangelnde Bewegung. Beides stellen Risikofaktoren für die Wirbelsäule dar.

Rückenschmerzen können durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Dabei tritt Material aus der Bandscheibe in den Wirbelkanal aus und kann auf den Nerv drücken. Eine eindeutige Diagnose ist nur durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT oder Kernspin) möglich.

Eine weitere Ursache für Rückenschmerzen ist der Hexenschuss. Darunter versteht man einen plötzlich auftretenden, stechenden Schmerz mit anschließender Bewegungseinschränkung. In der Regel sind Einengungen oder Quetschungen der aus dem Rückenmark austretenden Nerven durch Wirbelkörper oder verspannte Muskeln Ursache eines Hexenschusses.

In einigen Fällen berichten Patienten von Rückenschmerzen, die jedoch ursächlich auf eine organischen Erkrankung, wie zum Beispiel Zwöffingerdarmgeschwüre, koronare Herzerkrankungen oder Bachspeicheldrüsenentzündungen, zurückzuführen sind. Des Weiteren können Rückenschmerzen unter anderem durch Entzündungen der Wirbelkörper und Bandscheiben, durch Tumore und degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule entstehen.

Mediziner raten oft zur konventionellen Schmerztherapie
Rückenschmerzen stellen nach wie vor den häufigsten Grund für Krankschreibungen dar. Zudem werden inzwischen 17 Prozent aller Rentenanträge aufgrund von Rückenproblemen gestellt. Hans-Peter Köhler, Chefarzt der Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Asklepios Westklinikum Hamburg berichtet: „Doch nicht jeder Rückenschmerz bedeutet gleich einen Bandscheibenvorfall.“ Der Mediziner rät Betroffenen, ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden mit einem Arzt zu führen. Dieser wird dann die notwendigen Untersuchungen durchführen.

Aufgrund der ausgeprägten Regenerationskräfte des menschlichen Körpers rät der Wirbelsäulenexperte zunächst zur einfachen Schmerztherapie. Bevor eine Operation im Falle eines Bandscheibenvorfalls in Erwägung gezogen wird, sollten alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Der Mediziner erklärt: „Ein Bandscheibenvorfall ist also zunächst einmal kein Grund zur Panik.“

Krankenkasse zahlen lieber teure Operation statt alternative Behandlungen
Wenn jedoch alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kommt in der Regel eine Operation in Frage. Orthopäde Martin Marianowicz, Vorsitzender der deutschen Sektion des World Institute of Pain in den USA berichtet: „Nach wie vor wird viel operiert.“ Er kritisiert: „Mindestens 50 Prozent aller Operationen sind überflüssig.“ Dennoch nahmen im letzten Jahr die Operation um rund 400 Prozent zu, erklärt der Orthopäde weiter. Denn nur mit Operationen sei Geld zu verdienen. Konservative, kostengünstigere Therapien würden teilweise nicht einmal von den Krankenkassen übernommen werden.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten von Rückenschmerzen
Neben physiotherapeutischen Maßnahmen, werden Massagen von Betroffenen häufig als wohltuend empfunden. Des Weiteren können Akupunktur, Chiropraktik und Osteopathie bei Rückenproblemen helfen. Auch Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, Tai Chi und progressive Muskelrelaxation werden bei Rückenschmerzen empfohlen. In der Rückenschule lernen Betroffene körpergerechte Bewegungen für den Alltag. (ag)