Betablocker verhindern keinen Herzinfarkt

Astrid Goldmayer

Neue US-amerikanische Studie stellt Wirkung von Betablockern in Frage

31.10.2012

Betablocker werden als Standradtherapie bei Bluthochdruck und koronaren Herzerkrankungen eingesetzt. Vor allem Patienten, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, schlucken die Pillen, die die Wirkung des „Stresshormons“ Adrenalin und des Neurotransmitters Noradrenalin hemmen sollen. Einer US-amerikanischen Studie zufolge soll jedoch weder das Risiko für Herzinfarkt noch für Schlaganfall durch die Einnahme von Betablockern reduziert werden. Die Wissenschaftler der School of Medicine der Universität New York konnten überhaupt keinen protektiven Effekt der Medikamente feststellen.

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Betablocker reduzieren nicht das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall
Seit rund 40 Jahren gelten Betablocker als gängiges Mittel zur Senkung von Bluthochdruck. Darüber hinaus sollen sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Im Rahmen einer US-amerikanischen Studie erwies sich die vermeintliche „Allzweckwaffe“ gegen koronare Herzerkrankungen jedoch als nutzlos. Demnach reduziert die Einnahme von Betablockern weder das Risiko für Herzinfarkt noch für Schlaganfall.

Die Wissenschaftler der School of Medicine der Universität New York untersuchten 44.708 Patienten mit Herzproblemen innerhalb eines Zeitraumes von 3 Jahren. „In dieser Beobachtungsstudie von Patienten mit entweder lediglich bekannten Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen, einem zuvor erlitten Myokardinfarkt oder einer bekannten koronaren Herzerkrankung ohne Herzinfarkt konnte der Einsatz von Betablockern nicht mit einem verringerten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert werden“, heißt es im „Journal of the American Medical Association“. Die Einnahme des Mittels hat demnach keinen Effekt auf das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, seien durch die Einnahme von Betablockern nicht vor einem Zweitinfarkt geschützt, so die Wissenschaftler.

Betablocker haben häufig starke Nebenwirkungen
Bereits im Jahr 2009 stellten Wissenschaftler den Einsatz von Betablockern zur Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) in Frage. Die Medikamente seien weniger wirksam als lange Zeit angenommen. Damals argumentierten Befürworter, dass die Medikamente möglicherweise zwar nicht so effektiv jedoch auch nicht schädlich seien. Die Nebenwirkungen seien gering.

In Medizinerkreisen gelten Betablocker tatsächlich als gut verträglich. Dennoch treten immer wieder Nebenwirkungen auf, die die Betroffenen häufig als stark einschränkend empfinden. Dazu gehören Schwindel, Müdigkeit, depressive Verstimmungen und Erektionsstörungen. Zudem können Herzinsuffizienz, Asthmaanfälle, verzögertes Auftreten der Symptome bei Hypoglykämie, Verlangsamung des Pulses sowie die Verstärkung peripherer Durchblutungsstörungen auftreten.

Neben der Behandlung von Bluthochdruck werden Betablocker bei koronaren Herzerkrankungen und Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Tremor-Erkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Migräne, Glaukom, Phäochromozytom, Angstzuständen sowie zur Vorbeugung von Ösophagusvarizenbltungen (Blutungen von Krampfadern in der Speiseröhre) eingesetzt. (ag)

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Bild: Egon Häbich / pixelio.de