Depressionen verursachen Milliarden Kosten

Fabian Peters

Depressionen verursachen Milliarden Kosten: Die Volkskrankheit ist der Hauptgrund für Frührente und Erwerbsunfähigkeit

14.04.2011

Depressionen sind in Deutschland eine Volkskrankheit unter der Millionen Menschen leiden. Jährlich entstehen durch die psychischen Erkrankungen direkte und indirekte Kosten in Höhe von 15,5 bis 22 Milliarden Euro, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

Mehr zum Thema:

Depressionen sind hierzulande die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit und Frührente, erklärte das RWI. Angesichts der immensen Kosten, die durch das Auftreten der psychischen Leiden verursacht werden, würde sich eine verbesserte Behandlung der Betroffenen auch volkswirtschaftlich lohnen, kommentierte der Vorstandsmitglied der Allianz-Krankenversicherung, Christian Molt, die im Auftrag der Allianz durchgeführte Studie des RWI.

Depressionen verursachen über 20 Milliarden Euro Kosten
Depressionen verursachen der RWI-Studie zufolge massive volkswirtschaftliche Kosten. Die direkten Behandlungskosten der Depressionen seien zwischen 2002 und 2008 um rund ein Drittel auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen, so das Ergebnis der aktuellen Untersuchung. Die indirekten Kosten liegen jedoch laut Aussage der Experten noch weit höher. So verursachen Beschäftigte, die trotz einer Depression zur Arbeit gehen, anstatt sich in Behandlung zu begeben, dem RWI zufolge die größten volkswirtschaftlichen Schäden. Durch ihre verminderte Produktivität würden Kosten in Höhe von 9,3 Milliarden Euro bedingt, erläuterte Christian Molt. Hinzu komme die Depressionen bedingte Erwerbs- und Arbeitsunfähigkeit mit rund 6,2 Milliarden Euro volkswirtschaftlicher Kosten. Die Frühverrentungen aufgrund von Depressionen seien in Deutschland zwischen 2002 und 2008 um 75 Prozent gestiegen, erklärte der Allianz-Vorstand. Außerdem wurden im Rahmen der Studie auch die volkswirtschaftlichen Kosten der rund 14.000 auf Depressionen zurückzuführenden Suizide berücksichtigt, fuhr Christian Molt fort. So summieren sich die indirekten Kosten der Depressionen den aktuellen Studienergebnissen zufolge insgesamt auf knapp 17 Milliarden Euro pro Jahr.

Depressionen Hauptursache für Erwerbsunfähigkeit
Die RWI-Studie zeige, dass „psychische Belastungen, Burnout und Depressionen“ einen Kostenfaktor darstellen, „der nicht mehr einfach ignoriert werden kann“, betonte Christian Molt. Auch weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis spätestens 2030 eine dramatische Zuspitzung der Situation prophezeit, bei der seelische Leiden in den Industrienationen künftig die Volkskrankheit Nummer eins bilden werden, sollten sich die Unternehmen verstärkt des Themas annehmen, forderte das Allianz-Vorstandsmitglied. Auch Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, erklärte das Depressionen schon heute in Deutschland die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung sind. Rund vier Millionen Deutsche leiden nach Aussage des Experten hierzulande an Depressionen, was für die Unternehmen einen erheblichen Kostenfaktor darstelle. Rund jeder zehnte Deutsche erkrankt dem Direktor des Max-Planck-Instituts zufolge im Laufe seines Lebens mindestens einmal an Depressionen. Doch die Versorgung der Betroffenen sei bisher eher unzureichend, erklärte Christian Molt. So würde bei lediglich 30 Prozent der Menschen mit Depressionen die Krankheit erkannt und bei maximal zehn Prozent adäquat behandelt, erläuterte das Allianz-Vorstandsmitglied. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie ergänzte, dass daher die Früherkennung und Prävention umso entscheidender sei, wobei die Unternehmen nach Aussage des Experten eine besonders wichtige Rolle spielen.

Besondere Verantwortung der Unternehmen bei Prävention und Früherkennung
Die Arbeitsbedingungen spielen beim Auftreten von Depressionen oft eine schwerwiegende Rolle, unterstrichen die Experten die besondere Verantwortung der Unternehmen bei der Bekämpfung der Volkskrankheit Depressionen. So kritisiert die Darmstädter Professorin für Personalmanagement, Ruth Stock-Homburg, dass die Prävention psychischer Erkrankungen in den meisten Unternehmen „noch immer (…) ein Tabuthema“ sei. Insbesondere kleine- und mittelständische Unternehmen seien hier noch nicht entsprechend aufgestellt, wobei die Risikofaktoren und Risikogruppen eigentlich relativ leicht zu ermitteln wären, bemängelte die Professorin für Personalmanagement. Norbert Breutmann von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erklärte indes gegenüber der „SÜDWEST PRESSE“, dass insbesondere größere Unternehmen das Problem mittlerweile erkannt hätten und sich offensiv um die Prävention und Früherkennung bemühen. So würden Betriebsärzte darauf geschult, die psychischen Problem der Beschäftigten zu erkennen und entsprechende Hilfestellungen zu bieten. Allerdings funktioniere „die Verzahnung mit dem Gesundheitssystem“ an dieser Stelle bisher nur ungenügend, erklärte Breutmann.

Stress-Vermeidungsstrategien zur Vorbeugung von Depressionen
Insbesondere der durch die Arbeit bedingte Stress wird von den Experten als einer der wesentlichen Faktoren für das Auftreten von Depressionen bewertet. Dabei kann die hohe Arbeitsbelastung ebenso als Ursache der psychischen Leiden in Frage kommen, wie die Angst vor einem Jobverlust bzw. Hartz 4 oder das schlechte Verhältnis zu den Mitarbeitern (Mobbing). Zwar können die Betroffenen ihre psychischen Probleme meist kaum alleine bewältigen, doch mit entsprechenden Stress-Vermeidungsstrategien lässt sich das Erkrankungsrisiko deutlich reduzieren. Entspannungsübungen, Autogenes Training, Tai Chi oder Akupunktur bilden hier eine gute Möglichkeit mit einfachen Maßnahmen das persönliche Stressempfinden der Betroffenen zu reduzieren. Auch die Hinzuziehung eines Psychotherapeuten ist nach Aussage der Experten bei anhaltenden psychischen Problemen dringend zu empfehlen. (fp)